Unwetter, Hochwasser

Erst war er ärgerlich, nun ist er vielerorts gefährlich: Dauerregen macht den Rettungskräften Sorgen.

25.07.2017 - 18:54:06

Regen ohne Ende - Hochwasser-Einsätze in vielen Gegenden. Sandsäcke sollen Flüsse zähmen, die sonst Flüsschen sind. Die Aussichten? Trübe.

  • Überflutete Straße in Springe - Foto: Peter Steffen

    Überflutete Straße im niedersächsischen Springe. Foto: Peter Steffen

  • Land unter in Springe - Foto: Peter Steffen

    Land unter in Springe: Dauerregen hat im südlichen Niedersachsen in einigen Orten zu Überschwemmungen geführt. Foto: Peter Steffen

  • Übergetretenen Flüthe in Göttingen - Foto: Swen Pförtner

    Eine Radfahrerin fährt in Göttingen an der übergetretenen Flüthe, einem Nebenfluss der Leine, vorbei. Foto: Swen Pförtner

  • Gesperrte Straße in Eldagsen - Foto: Peter Steffen

    Wegen Überflutung gesperrte Straße im niedersächsischen Eldagsen. Foto: Peter Steffen

  • Feuerwehrmänner sichern Brücke - Foto: Peter Steffen

    Im niedersächsischen Springe sichern Feuerwehrmänner eine Brücke, die vom Wasser eines einem übergelaufenen Bachs überschwemmt wird. Foto: Peter Steffen

  • Feuerwehreinsatz - Foto: Swen Pförtner

    Einsatzkräfte der Feuerwehr verteilen in Bad Harzburg Sandsäcke vor einer Tiefgarage. Foto: Swen Pförtner

  • Dauerregen im Harz - Foto: Matthias Bein

    Gewaltige Wassermassen stürzen an der Steinernen Renne bei Wernigerode in Sachsen-Anhalt entlang. Foto: Matthias Bein

  • Bad Harzburg unter Wasser - Foto: Swen Pförtner

    Ein Auto fährt in Bad Harzburg durch das Wasser der überfluteten Bundestraße B4. Foto: Swen Pförtner

  • Stephan Weil - Foto: Peter Steffen

    Stephan Weil (l), Ministerpräsident von Niedersachsen, informiert sich bei der Feuerwehr in Eldagsen über die Hochwasserlage. Foto: Peter Steffen

Überflutete Straße in Springe - Foto: Peter SteffenLand unter in Springe - Foto: Peter SteffenÜbergetretenen Flüthe in Göttingen - Foto: Swen PförtnerGesperrte Straße in Eldagsen - Foto: Peter SteffenFeuerwehrmänner sichern Brücke - Foto: Peter SteffenFeuerwehreinsatz - Foto: Swen PförtnerDauerregen im Harz - Foto: Matthias BeinBad Harzburg unter Wasser - Foto: Swen PförtnerStephan Weil - Foto: Peter Steffen

Berlin - In Teilen Deutschlands ist in 24 Stunden mehr Regen heruntergekommen als gewöhnlich im ganzen Juli. Das bleibt nicht ohne Folgen. Vor allem rund um den Harz werden kleine Flüsschen breiter.

In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen halten überflutete Straßen, vollgelaufene Keller und über die Ufer getretene Bäche die Rettungskräfte in Atem. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mussten Straßen sperren, Gebäude leerpumpen und Sandsäcke einsetzen. Besonders stark betroffen waren neben dem Harz etwa die Region Hannover und die Landstriche unmittelbar südlich davon. Der bei Urlaubern beliebte Brocken war nicht mehr per Bahn erreichbar.

Im niedersächsischen Springe trat ein Bach im Ortsteil Eldagsen über die Ufer. «Da laufen reihenweise die Keller voll», sagte Feuerwehrsprecher Stefan Quentin. Feuerwehrleute mussten immer wieder Keller auspumpen, weil das Wasser zum Teil gleich wieder nachdrückte. «Mit Sandsäcken werden an dem Bach jetzt Dämme errichtet.»

In Hildesheim drang in einem Betrieb Wasser durch das Hallendach und gefährdete die Produktion. In mehreren Stadtteilen liefen nach Angaben der Feuerwehr Keller voll, Straßen waren nicht mehr passierbar. In einem Reitverein mussten die Helfer die Pferde in Sicherheit vor den Wassermassen bringen. In Thüringen rief der Deutsche Wetterdienst (DWD) bis Mittwochabend die höchste Unwetterwarnstufe aus. Im Nordwesten des Landes könnten innerhalb von 48 Stunden mehr als 100 Liter Regen pro Quadratmeter fallen, hieß es.

Grund für den Dauerregen ist das Tief «Alfred», das sich langsam von Südpolen nach Norden verlagert. Im niedersächsischen Alfeld fielen bis Dienstagnachmittag 115 Liter Regen pro Quadratmeter, im langjährigen Mittel gehen dort im Juli 68,5 Liter herunter. Den zweithöchsten Spitzenwert erreichte Artern in Thüringen mit mehr als 110 Liter Regen pro Quadratmeter, sagte ein DWD-Sprecher. Das ist ziemlich genau das Doppelte der dort üblichen Juli-Menge (54,5 Liter).

In Sachsen-Anhalt stiegen wegen des Dauerregens die Wasserstände einiger Flüsse stark an. Für die Holtemme im Harz galt an einem Pegel schon die höchste Alarmstufe 4, so die Hochwasservorhersagezentrale.

Auch in Brandenburg bereitete Hochwassergefahr Sorgen. Dort sollte Weidevieh auf sichere Flächen gebracht werden, rieten Behörden unter anderem für den Elbe-Nebenfluss Stepenitz.

Dauerregen machte auch der Berliner U-Bahn Probleme: Zwei Linien konnten streckenweise nicht fahren. Berlin ist in diesem Sommer ein Regenloch. «Wir haben jetzt schon 304 Prozent des Mittelwerts für einen Juli gemessen», sagte Heiko Wiese, Meteorologe an der Freien Universität. «Das ist am Rand der Fahnenstange.»

Nach Auskunft des DWD wird es bis Mittwoch vielerorts in Deutschland weiter regnen. In weiten Teilen Ostdeutschlands soll das schlechte Wetter laut bisheriger Vorhersage bis in die Nacht zum Donnerstag weitergehen.

Im Westen Deutschlands rechnen Experten trotz des vielen Regens nicht mit Hochwasser an Rhein, Ruhr und Mosel. «Zum derzeitigen Zeitpunkt kann man noch entspannt bleiben», sagte Martin Klimmer von der Fachstelle Gewässerkunde der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Mainz. Auch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Duisburg geht zunächst nicht von Hochwasserpegeln aus.

@ dpa.de

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