International, Deutschland

Eine Sturmwarnung hatte die Reise der Kanzlerin zum US-Präsidenten verhindert.

16.03.2017 - 16:04:06

Neuer Anlauf - Merkel nimmt Kurs auf Trump. Nun ist die Aussicht auf Schönwetter besser. Aber politisch? Heikle Themen sind beim ersten Treffen zu besprechen. Kurz vorher setzt Merkel schon einmal einen kleinen Nadelstich.

Berlin/Washington - Nun aber wirklich. «Stella» hat sich verzogen, Angela Merkel kann kommen. Zu Wochenbeginn musste die Kanzlerin ihr geplantes erstes Treffen mit US-Präsident Donald Trump in letzter Minute vor dem Abflug absagen.

Ein Wintersturm mit Schnee und Regen drohte Washington zu überziehen. Der Präsident warnte die deutsche Regierungschefin, ihre sichere Landung sei gefährdet - da war sie schon fast am Flughafen Berlin-Tegel. Merkel blieb am Boden.

In den USA blieben dann Schulen und Geschäfte in zahlreichen Städten geschlossen, Tausende Flüge, Zug- und Busverbindungen wurden gestrichen, rund 18 Millionen Menschen waren betroffen. Der Wintersturm «Stella» leistete ganze Arbeit, Merkels Einreise hätte er aber wohl nicht ins Wasser fallen lassen. Zur geplanten Landezeit in Washington fielen des Nachts ein paar anmutige Schneeflocken, begleitet von frischem Wind. Mit ihren Sturmwarnungen sind Amerikaner etwas eigen, sie nehmen das ausgesprochen ernst.

Sei`s drum: Jetzt also Freitag, ein neuer Anlauf. Die Meteorologen prognostizieren nach bitterkalten Tagen Plusgrade, ein bisschen Sonne und ein paar Wolken. Kein Grund zur Sorge. Zumindest nicht meteorologisch.

Denn was die Belastungen des deutsch-amerikanischen Verhältnisses angeht, ist die Lage nicht ganz so frühlingshaft. Trumps Wahlsieg stellt auch hier alles in Frage. Eine «katastrophal» falsche Flüchtlingspolitik hat er der Kanzlerin vorgeworfen, die vor allem syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen die Tür geöffnet und dafür weltweit Anerkennung, aber auch massiven innenpolitischen Druck bekommen hat.

Die US-Wirtschaft will Trump abschotten - auch das ist ein Problem für Deutschland, das als ausgewiesene Exportnationen auf offene Märkte und freien Handel setzt. Für deutsche Autobauer ist der US-Markt von enormer Bedeutung, Strafzölle würden die Geschäfte empfindlich treffen. Allerdings sind die für Trump nicht so leicht umzusetzen, müsste er doch gegen Regeln der Welthandelsorganisation angehen und eine gute Wirtschaftspartnerschaft beschädigen.

Merkel will nach vorn schauen. Sie hält sich nicht gern mit rückwärtsgerichteten Betrachtungen auf. Die Kanzlerin lotet lieber aus, was in Zukunft geht und was nicht. Deutschland könnte zum Beispiel US-Unternehmen bei einer dualen Berufsausbildung von Theorie und Praxis helfen. Zuhause ist das ein effektives Modell, im Ausland stößt das immer wieder auf großes Interesse.

Aber klein beigeben will sie nicht. Wenige Stunden vor ihrem Abflug gibt Regierungssprecher Steffen Seibert bekannt, dass die Kanzlerin mit Chinas Staatschef Xi Jinping telefoniert und den gemeinsamen Einsatz für freien Handel und offene Märkte bekräftigt habe - ausgerechnet mit China. Dann spricht Merkel noch von «vertrauensvoller Zusammenarbeit» mit Xi - insbesondere im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft - am 7./8. Juli richtet Deutschland den Gipfel für die Staats- und Regierungschefs in Hamburg aus. China ist anscheinend schon an Merkels Seite. Die USA auch?

Merkel würde wohl als Erfolg verbuchen könne, wenn sie mit Trump am Freitag auch nur ein Schrittchen nach vorn machen könnte, das auf Eis gelegte Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU wiederzubeleben. Trump zielt auf bilaterale Abkommen mit EU-Staaten, was diese nach EU-Recht aber gar nicht dürfen.

Es wird für Merkel und Trump nicht einfach gewesen sein, in ihren so randvollen Terminkalendern schon für Freitag einen freien Platz zu finden. Trump habe dem Besuch hohe Priorität eingeräumt, heißt es in beiden Hauptstädten. Das sei eine freundliche Geste. Auch düstere Wetteranalogien für die Absage des Besuches, von mancher Seite befürchtet, hielten sich in Grenzen. Das schlechte Wetter war wohl doch kein schlechtes Omen. Vielleicht im Gegenteil. Bei höherer Gewalt rücken auch Politiker gern einmal zusammen.

Im Mai kommt Trump nach Europa, nimmt an Treffen der Nato und der G7 teil, im Juli folgt der G20-Gipfel in Hamburg. Es gab von verschiedener Seite größeres Interesse daran, die Kanzlerin mit dem politischen Seiteneinsteiger zusammenzubringen, bevor dieser auch physisch auf Europa trifft. Trumps Chefstratege Stephen Bannon wurde erst in den letzten Tagen als dunkelglühender Anti-Europäer gezeichnet. Da Trump keinerlei politische Erfahrung hat, haben seine Berater besonderes Gewicht - angeblich hört Trump immer auf den, den er zuletzt getroffen hat.

Deutschland legt auf gute, stabile, faire Beziehungen zu den USA großen Wert. Trotz aller Misstöne aus dem Weißen Haus war man sehr bemüht, das Boot nicht zum Schaukeln zu bringen. Ob das auch andersherum so ist, dafür ist dieser Freitag ein guter Test. In Washington hieß es zuletzt, selbst diese Weltmacht sei auf Alliierte angewiesen, das werde sie ziemlich schnell feststellen. Spätestens in der ersten Krise.

@ dpa.de

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