Kriminalität, Nordrhein-Westfalen

Eine Millionenstadt.

14.06.2018 - 13:08:06

Giftlabor in Kölner Hochhaus - Tunesier soll Bio-Waffen hergestellt haben. Ein Wohnblock. Und mitten drin bastelt ein Giftmischer wochenlang an hochgefährliche Biowaffen. Dann schlagen die Ermittler zu. Wie nun klar wird: der Bau der Waffe war weit fortgeschritten.

  • SEK-Beamte mit Atemschutzmasken - Foto: David Young

    SEK-Beamte mit Atemschutzmasken vor der Kölner Hochhaussiedlung. Foto: David Young

  • Fruchtkapsel des Rizinus - Foto: Martin Schutt

    Fruchtkapsel des Rizinus (Wunderbaum): Das Robert Koch-Institut (RKI) stuft das leicht erhältliche Rizin aus dem Samen des Wunderbaums als «potenziellen biologischen Kampfstoff» ein. Foto: Martin Schutt

  • Rizinus-Samen - Foto: Jens Kalaene

    Samen des Rizinus oder Wunderstrauchs (Ricinus communis): Das daraus gewonnnen Rizin kann schon in geringer Konzentration tödlich sein. Foto: Jens Kalaene

  • Spezialkräfte im Einsatz - Foto: David Young

    Spezialkräfte in Ganzkörper-Schutzanzügen waren in der Kölner Hochhaus-Wohnung im Einsatz. Foto: David Young

  • Gift in Kölner Hochhaus - Foto: David Young

    Im Kölner Stadtteil Chorweiler stürmte die Polizei wegen des Verdachtes auf Umgang mit giftigen Stoffen die Wohnung eines Mannes. Foto: David Young

SEK-Beamte mit Atemschutzmasken - Foto: David YoungFruchtkapsel des Rizinus - Foto: Martin SchuttRizinus-Samen - Foto: Jens KalaeneSpezialkräfte im Einsatz - Foto: David YoungGift in Kölner Hochhaus - Foto: David Young

Köln - Der in Köln gefasste Tunesier soll bereits seit mehreren Wochen biologische Waffen in seiner Wohnung hergestellt haben.

Das Material zur Herstellung des hochgiftigen Rizin hatte er sich nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zunächst im Internet gekauft und dann seit Anfang Juni zusammengemischt. Es bestehe deswegen dringender Tatverdacht, teilte die Justizbehörde am Donnerstag in Karlsruhe mit. Anhaltspunkte für eine «konkretisierte Anschlagplanung» oder eine Mitgliedschaft des Beschuldigten in einer terroristischen Vereinigung gebe es aber bislang nicht.

Der 29-Jährige hatte den Verdacht der Sicherheitsbehörden geweckt, weil er auffällig im Internet eingekauft hatte. Unter anderem hatte Sief Allah H. bei einem Online-Versandhändler 1000 Rizinus-Samen und eine elektrische Kaffeemühle gekauft. «Anfang Juni 2018 setzte der Beschuldigte sein Vorhaben um und stellte erfolgreich Rizin her», teilte die Bundesanwaltschaft mit. «Dieses konnte bei dem Beschuldigten sichergestellt werden.» Rizin gilt als eines der tödlichsten Gifte der Welt.

Nach «Spiegel»-Angaben orientierten sich die Bestellungen an einer Anleitung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zur Herstellung einer Rizin-Bombe. Laut Bundesanwaltschaft ist aber «nicht abschließend geklärt», ob der Tunesier einen islamistisch motivierten Anschlag begehen wollte. «Vor diesem Hintergrund besteht derzeit kein dringender Tatverdacht wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat», hieß es weiter. Hinweise, wann und wo der Mann seine Waffe eventuell hätte einsetzen können, gebe es nicht.

Der Düsseldorfer Toxikologe Gerhard Fritz nannte es höchst bedenklich, dass man die Samen frei im Internet bestellen könne. Bei einem derart giftigen Stoff, der schon in geringen Mengen tödlich wirke, sei das «sehr beunruhigend». Bereits die Dosis aus einem einzigen Samen könne ein Kind töten, erläuterte der Leiter des Instituts für Toxikologie an der Uni Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-jährigen erlassen. Laut «Kölner Stadt-Anzeiger» und «Express» soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein. Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert und am Dienstagabend festgenommen wurde. Spezialkräfte stürmten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus.

Das angesehene Robert Koch-Institut (RKI) stuft das leicht erhältliche Rizin aus dem Samen des Wunderbaums als «potenziellen biologischen Kampfstoff» ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Schon in geringer Konzentration kann Rizin tödlich sein. Sollte das Gift gespritzt werden, wirkt es nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden tödlich.

Vor einigen Wochen waren in Frankreich zwei Brüder festgenommen worden. Die jungen Männer ägyptischer Herkunft sollen nach Angaben des französischen Innenministeriums einen Anschlag entweder mit Sprengstoff oder mit Rizin vorbereitet haben.

@ dpa.de

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