Kriminalität, Mordversuch

Eine Messerattacke auf Danzigs Bürgermeister entsetzt Polen: Behörden ermitteln nach dem brutalen Angriff auf der Bühne einer Spendenaktion wegen versuchten Mordes.

14.01.2019 - 14:38:06

Lebensgefährlich verletzt - Mordversuch an Danziger Bürgermeister schockiert Polen. Derweil bangen Ärzte um das Leben des schwer verletzten Politikers.

Danzig - Nach dem dramatischen Finale einer Benefizveranstaltung steht Polen unter Schock: Auf offener Bühne hat ein Angreifer Danzigs Bürgermeister Pawel Adamowicz niedergestochen und lebensgefährlich verletzt.

Der Zustand des Politikers sei sehr ernst und Prognosen zu seinem Gesundheitszustand nur schwer zu treffen, sagte Dr. Tomasz Stefaniak vom Danziger Universitätsklinikum am Montag in der nordpolnischen Stadt.

Laut Medizinern ist der 53-jährige parteilose Politiker bewusstlos und muss beatmet werden. Die Staatsanwaltschaft ging von versuchtem Mord aus.

Der Täter, ein 27-jähriger Danziger, habe aus niederen Beweggründen gehandelt, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Krzysztof Sierak. Dafür könnte ihm sogar lebenslange Haft drohen. Hinter der Tat vom Sonntagabend wurde Rache vermutet. Der Mann soll gerufen haben, dass er unschuldig in Haft gewesen sei, hieß es unter Berufung auf Augenzeugen. Ermittlern schlossen eine psychische Erkrankung des Angreifers nicht aus, der psychologisch untersucht werden sollte.

Der Mann war polnischen Behörden zufolge vorbestraft und hatte wegen einer bewaffneten Banküberfallserie bereits fünfeinhalb Jahre in Haft gesessen. Berichten zufolge war er erst im Dezember freigekommen.

Adamowicz gehörte bis 2015 der derzeitigen Oppositionspartei Bürgerplattform PO an. Nach Angaben des Innenministeriums wurde er nach dem Angriff reanimiert. Anschließend sei er im Krankenhaus fünf Stunden lang operiert worden, sagte sein Arzt Stefaniak. Adamowicz erlitt demnach Verletzungen an Herz, Zwerchfell und Organen im Bauchraum und verlor viel Blut.

Beim Finale einer landesweiten Spendenaktion hatte der Täter die Bühne gestürmt und mehrmals mit einem Messer auf Adamowicz eingestochen. Die Klinge war laut Staatsanwaltschaft fast 15 Zentimeter lang.

Der Angreifer soll der Partei Bürgerplattform PO die Schuld für seine Haft gegeben, hieß es. «Ich saß unschuldig im Gefängnis», rief er auf von polnischen Medien verbreiteten Videoaufnahmen der Tat. Darauf war auch zu sehen, dass der Mann nicht von der Bühne floh, sondern triumphierte, bis er vom Sicherheitspersonal überwältigt wurde.

Bislang unbestätigten Medienberichten zufolge hatte sich der Angreifer mit einer Medienakkreditierung Zugang zur Bühne der Spendenveranstaltung verschafft. Behörden kündigten eine Untersuchung der Sicherheitsmaßnahmen an.

Bei der jährlichen Benefizveranstaltung der Organisation WOSP wird Geld für die Ausstattung von Kinderkrankenhäusern gesammelt. «Ich bin erschüttert», sagte eine Augenzeugin unter Tränen im TV. Der Angriff auf das Leben und die Gesundheit Adamowiczs müsse aufs Schärfste verurteilt werden, schrieb Ministerpräsident Mateusz Morawiecki bei Twitter.

Die Tat löste in Polen auch eine politische Debatte über Hassreden aus. Der heftige Streit zwischen der Opposition und der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS könne zur Eskalation der Gewalt beigetragen haben, meinen Kritiker.

Adamowiczs Stellvertreterin Aleksandra Dulkiewicz rief zu Einigkeit auf. Der Angriff dürfe nicht für politische Zwecke benutzt werden, sagte sie. Dem schloss sich auch die PiS-Sprecherin Beata Mazurek an. Die Attacke müsse von ausnahmslos allen verurteilt werden. «Heute ist Bürgermeister Adamowicz nicht unser politischer Gegner, sondern Opfer krimineller Aggression», sagte sie.

@ dpa.de

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