Kriminalität, Hessen

Eine junge Frau soll in einem Zug voller Fußball-Fans sexuell missbraucht worden sein.

16.04.2018 - 12:28:06

Sonderzug für Fußballfans - Mutmaßlicher Sexualstraftäter aus Fußballzug weiter flüchtig. Der mutmaßliche Täter ist auf der Flucht. Nun stellt sich die Frage, wer eigentlich in solchen Zügen die Kontrolle hat.

Mönchengladbach - Die Polizei sucht weiter nach einem 30-Jährigen Mönchengladbacher, der eine junge Frau in einem Fußball-Sonderzug sexuell missbraucht haben sollen. «Wir kennen seinen Aufenthaltsort nicht», sagte ein Sprecher der Polizei. Man habe noch keine heiße Spur.

Bisher stehe nur fest, dass der flüchtige Mann aus dem Raum Mönchengladbach komme und zur Fanszene gehöre. Das Opfer - eine 19 Jahre alte Frau - habe man bisher noch nicht vernommen.

Die Tat soll sich in einem Zug mit Fußballfans auf der Rückreise vom Spiel Bayern München gegen Borussia Mönchengladbach ereignet haben. Die 19-Jährige war am frühen Sonntagmorgen von der Polizei im hessischen Flörsheim am Bahnhof in Empfang genommen, zunächst kurz befragt und dann in eine Wiesbadener Klinik gebracht worden. «Wir haben veranlasst, dass sie vernommen wird, sobald sie dazu fähig ist. Das ist bisher noch nicht erfolgt», sagte der Polizeisprecher in Mönchengladbach am Montagmittag.

Von dem Mann und der 19-Jährigen sei bereits im Zug ein Foto gemacht worden. Das Foto wurde der Polizei nach eigenen Angaben aber erst nach den Massenkontrollen an Bahnhöfen in Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zugespielt. Seitdem wird nach dem Verdächtigen gesucht. Die Personalien des Mannes seien der Polizei bekannt.

Die «Bild»-Zeitung hatte zuvor über die Fahndung nach einem 30-jährigen Deutschen nach der mutmaßlichen Vergewaltigung auf einer Zugtoilette berichtet. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um einen Deutsch-Polen, der auch beide Staatsbürgerschaften hat.

Der Polizeisprecher sagte, wer den Sonderzug gechartert habe, wisse man nicht. Das sei Sache des Fußballvereins. «Der Zug war privat organisiert - das heißt, nicht vom Verein und auch nicht vom Fanprojekt», betonte Markus Aretz, der Pressesprecher von Borussia Mönchengladbach. Er soll aber nach dpa-Informationen von einem Schweizer Bahn-Unternehmen gestellt worden sein.

Für die Sicherheit in Fußball-Sonderzügen ist nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor allem das Unternehmen verantwortlich, das die Fans befördert. Entweder müsse dieses eigenes Personal bereitstellen oder einem angemieteten Sicherheitsdienst. «Wir fahren nicht mit, das ist nicht unsere Aufgabe», sagte der GdP-Landeschef NRW, Arnold Plickert, der dpa in Köln.

«Auch in Sonderzügen gelten Gesetze und Normen», betonte der GdP-Bundesvize. Es handele sich nicht um rechtsfreie Räume. Bei Straftaten wie zum Beispiel gravierenden Sachbeschädigungen greife die Polizei ein. Außerdem kontrolliere vor allem die Bundespolizei die Fanzüge bei Abfahrt und Ankunft. «Wir brauchen mehr Personal bei Bundes- und Landespolizei», forderte Plickert, schränkte jedoch ein: «Aber auch wenn wir es hätten, würden wir es nicht in die Züge packen. Wir sind dort nicht die Hausherren.»

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