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Konflikte, Kriminalität

Ein Journalist ist auf dem Weg von Griechenland nach Litauen - doch er kommt nicht an.

23.05.2021 - 18:12:45

Kampfjet aufgestiegen - Medien: Belarus lässt Flugzeug landen und Blogger verhaften. Berichten zufolge wird das Flugzeug über dem Luftraum von Belarus zur Landung gezwungen und der Mann verhaftet.

Minsk - Behörden in der autoritär regierten Republik Belarus haben nach Berichten von Staatsmedien in Minsk ein Flugzeug auf dem Weg von Athen nach Vilnius (Litauen) zur Landung gebracht.

An Bord war auch der vom belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko international gesuchte Blogger Roman Protassewitsch, der nach Angaben des Menschenrechtszentrums Wesna in Minsk festgenommen wurde. Oppositionelle sprachen am Sonntag von einem beispiellosen Eingriff in den internationalen Luftraum. Auch der oppositionelle Nachrichtenkanal Nexta (Gesprochen Nechta) bestätigte die Festnahme seines Mitbegründers und früheren Redakteurs, der an Bord einer Maschine der Gesellschaft Ryanair gewesen sei. Lukaschenko habe unter Verstoß gegen alle Gesetze ein Flugzeug «gekapert», kritisierte der Kanal. Nexta forderte Ryanair auf, den Vorfall auzuklären. Eine Stellungnahme der Fluggesellschaft gab es zunächst nicht.

Die Behörden in Belarus hatten Nexta als extremistisch eingestuft. Der Kanal hatte im vergangenen Jahr nach der umstrittenen Präsidentenwahl immer wieder zu Massenprotesten gegen Lukaschenko aufgerufen.

Auch international wird Kritik laut: Litauens Präsident Gitanas Naus?da forderte die sofortige Freilassung des Aktivisten Protassewitsch. «Das ist ein nie dagewesener Vorfall (...) Das Regime von Belarus steht hinter dieser abscheulichen Aktion», schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter.

Die litauische Regierung forderte die sofortige Freilassung aller Passagiere des mutmaßlich umgeleiteten Flugzeugs. Die Fluggäste und Crew des Ryanair-Fluges seien auf ihrem Weg von Athen nach Vilnius in Gefahr gebracht worden, erklärte Ministerpräsidentin Ingrida Simonyte auf Twitter. «Wir fordern, dass dem Flugzeug und den Passagieren erlaubt wird, sofort nach Vilnius zu fliegen!»

Der litauische Außenminister Gabrielius Landsbergis schrieb, es seien beunruhigende Nachrichten, dass der Ryanair-Flug zur Landung in Minsk gezwungen worden sei. Litauen arbeite mit seinen internationalen Partnern daran, allen Passagieren einen sicheren Flug nach Vilnius zu gewährleisten. Seinen Angaben zufolge befanden sich 171 Passagiere an Bord, zu 149 davon habe man Informationen. Unter diesen seien überwiegend Litauer, aber auch drei deutsche Staatsbürger sowie mehrere Menschen aus anderen EU-Staaten.

Für das Auswärtige Amt in Berlin forderte Staatssekretär Miguel Berger via Twitter eine Erklärung zu der außerplanmäßigen Landung. Auch Österreichs Außenministerium forderte via Twitter eine Untersuchung des Vorfalls. Schwedens Außenministerin Ann Linde twitterte, die Berichte seien sehr bestürzend. «Völlig inakzeptables und rücksichtsloses Verhalten», schrieb sie. Belarus müsse Protassewitsch sofort freilassen.

Der Blogger Protassewitsch gehört zu den vielen international zur Fahndung ausgeschriebenen Oppositionellen, denen Lukaschenko selbst den Kampf angesagt hat. Der Geheimdienst KGB hatte den Journalisten auf eine Liste mit Menschen setzen lassen, denen die Beteiligung an terroristischen Handlungen vorgeworfen werde, wie das Portal tut.by bei Telegram berichtete. Nach Angaben der Staatsagentur Belta hatte Lukaschenko nach einem Alarm über einen Sprengsatz an Bord der Maschine selbst das Kommando gegeben, das Flugzeug in Minsk landen zu lassen.

Zur Begleitung sei auch ein Kampfjet vom Typ MiG-29 aufgestiegen, wie der Flughafen bestätigte. Flughafensprecher teilten in Staatsmedien mit, dass die Piloten an Bord der Passagiermaschine um die Landeerlaubnis gebeten hätten. Später habe sich die Information über die mutmaßliche Bombe als Fehlalarm herausgestellt. Der Schichtleiter des Airports, Maxim Kijakow, sagte im Staatsfernsehen, dass 123 Passagiere im Transbereich auf ihren Weiterflug warteten.

© dpa-infocom, dpa:210523-99-713969/9

@ dpa.de