Adel, Justiz

Ein gerichtliches Verfahren in den USA gegen Prinz Andrew wegen erzwungenen Sex mit einer Minderjährigen wird wahrscheinlicher.

14.01.2022 - 14:14:08

Britische Royals - Missbrauchsprozess in New York? Wie es für Andrew weitergeht

Dass das Königshaus ein hochrangiges Mitglied der eigenen Familie so demontiert, ist außergewöhnlich. Dennoch ist es nicht allzu lange her, dass ein anderes Mitglied seine militärischen Dienstgrade zurückgeben musste: Auch Prinz Harry wurde dieses Schicksal zuteil, als er sich mit Ehefrau Herzogin Meghan von den Aufgaben als Royal zurückzog und nach Kalifornien auswanderte.

Theoretisch könnte der 61-Jährige mit dem US-Gericht zusammenarbeiten und versuchen, seine Unschuld zu beweisen. Experte Rahmani hält das aber für sehr unwahrscheinlich: Erstens sei Andrew nicht verpflichtet, in die Vereinigten Staaten zu reisen und könnte auch zu keiner Kooperation gezwungen werden. Zweitens berge jede Zusammenarbeit das Risiko, sich angreifbar für eine Strafanklage zu machen.

Kann Andrew zu einer Aussage unter Eid gezwungen werden?

Eine Auslieferung können die US-Behörden nicht im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Zivilverfahren ersuchen. Der Duke of York könne zwar vom Richter zu einer Aussage aufgefordert werden. Doch wenn dieser nicht folge, bleibe dem Gericht höchstens übrig, der Jury die Anweisung zu erteilen, davon auszugehen, dass Prinz Andrew seine Aussage geschadet hätte.

Gibt es auch noch die Möglichkeit eines Strafprozesses?

Anwältin Krissoff gibt zu bedenken, dass die rechtlichen Hürden für eine Strafanklage auf US-Bundesebene sehr hoch seien. Kollege Rahmani spricht demgegenüber davon, dass dies «sicherlich eine Möglichkeit» sei. Ermittler hatten nach der Festnahme Jeffrey Epsteins das Gespräch zu Andrew als Zeugen gesucht, dies fand aber nie statt. Ob Staatsanwälte gezielt gegen ihn ermitteln oder ob es gar eine nicht-veröffentlichte Anklage gibt, ist unklar. «Ich gehe davon aus, dass die US-Staatsanwaltschaft, wenn es genügend glaubwürdige Beweise gibt, jeden anklagen wird, der an dem sexuellen Missbrauch mit Epstein beteiligt war - ob es nun Prinz Andrew oder jemand Anderes ist», sagt Rahmani.

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