Demonstrationen, Klima

«Die Zeit rennt, ihr pennt!» - mit bissigen Slogans fordern Schüler weltweit eine schnelle Umkehr in der Klimapolitik.

15.03.2019 - 13:42:06

«Fridays for Future» - Schüler in mehr als 100 Staaten verlangen mehr Klimaschutz. Rund um den Globus gibt es Proteste unter dem Motto «Fridays for Future».

  • «Fridays for Future»-Demonstration in Elmshorn - Foto: Carsten Rehder

    «Fridays for Future»-Demonstration in Elmshorn. Foto: Carsten Rehder

  • «Fridays for Future»-Protest in Elmshorn - Foto: Carsten Rehder

    «Fehlstunden verkraftet man - Kliamwandel eher nicht so»: Jugendliche demonstrieren in Elmshorn für mehr Einsatz gegen die Erderwärmung. Foto: Carsten Rehder

  • «Fridays for Future»-Demo in der Düsseldorf - Foto: Federico Gambarini

    Schüler beteiligen sich an der «Fridays for Future»-Demo in der Düsseldorfer Innenstadt. Foto: Federico Gambarini

  • «Fridays for Future»-Demo in Mailand - Foto: Claudio Furlan/LaPresse/ZUMA Press

    Italienische Schüler demonstrieren in Mailand. Foto: Claudio Furlan/LaPresse/ZUMA Press

  • «Fridays for Future»-Demo in Berlin - Foto: Carsten Koall

    «Fridays for Future»-Demo in Berlin: Weltweit stehen etwa 1700 Kundgebungen in rund 100 Ländern auf dem Programm. Foto: Carsten Koall

  • «Fridays for Future»-Demo in Freiburg - Foto: Patrick Seeger

    «Fridays for Future»-Demo in Freiburg. Foto: Patrick Seeger

  • «Fridays for Future»-Demo in Hongkong - Foto: Kin Cheung/AP

    Auch in Hongkong demonstrieren zahlreiche Schüler. Foto: Kin Cheung/AP

  • «Fridays for Future»-Protest in Lausanne - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE

    «Fridays for Future»-Protest in Lausanne. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE

  • Greta Thunberg bei «Fridays for Future»-Demo in Stockholm - Foto: Maxim Thor/Bildbyran/ZUMA Press

    Greta Thunberg bei der «Fridays for Future»-Demo in Stockholm: Die 16-Jährige ist die Symbolfigur der Protestwelle. Foto: Maxim Thor/Bildbyran/ZUMA Press

«Fridays for Future»-Demonstration in Elmshorn - Foto: Carsten Rehder«Fridays for Future»-Protest in Elmshorn - Foto: Carsten Rehder«Fridays for Future»-Demo in der Düsseldorf - Foto: Federico Gambarini«Fridays for Future»-Demo in Mailand - Foto: Claudio Furlan/LaPresse/ZUMA Press«Fridays for Future»-Demo in Berlin - Foto: Carsten Koall«Fridays for Future»-Demo in Freiburg - Foto: Patrick Seeger«Fridays for Future»-Demo in Hongkong - Foto: Kin Cheung/AP«Fridays for Future»-Protest in Lausanne - Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONEGreta Thunberg bei «Fridays for Future»-Demo in Stockholm - Foto: Maxim Thor/Bildbyran/ZUMA Press

Rom/Wien/Berlin - Hunderttausende Jugendliche haben heute weltweit für einen radikalen Kurswechsel hin zu mehr Klimaschutz demonstriert. Kundgebungen unter dem Motto «Fridays For Future» gab es in europäischen Metropolen wie Rom, Wien, Warschau, London und auch in Dutzenden deutschen Städten.

Unter anderem in Berlin, Köln, Dresden und Stuttgart zogen Tausende Schüler, Studenten und Unterstützer mit Plakaten durch die Straßen. Rund um den Globus waren mehr als 2000 Kundgebungen und Schülerstreiks in mehr als 120 Staaten angekündigt, hierzulande rund 200.

Symbolfigur der Protestwelle ist , die seit August 2018 immer freitags für einen beherzteren Kampf gegen den Klimawandel demonstriert statt zur Schule zu gehen. Sie ist inzwischen zu einer Ikone für Klimaschützer rund um die Welt geworden. In vielen Städten hielten Demonstranten Schilder mit dem Spruch «Make the world Greta again» in die Höhe - angelehnt an den Wahlkampfslogan von US-Präsident Donald Trump «Make America great again» (Macht Amerika wieder groß).

Thunberg, die zusammen mit Tausenden Mitstreitern in Stockholm protestierte, bescheinigte den Regierungen weltweit zu wenig Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung. Anstatt zu handeln, vergeudeten Politiker allerorten Zeit, sagte die 16-Jährige am Rande einer Demonstration vor dem Reichstag.

In einem Beitrag im britischen «Guardian» schrieb Thunberg zusammen mit anderen jugendlichen Organisatoren der Initiative «Fridays For Future»: «Diese Bewegung musste kommen, wir hatten keine Wahl.» Das «etwas sehr falsch läuft» hätten ihnen die jüngsten Wald- und Buschbrände etwa in Schweden und den USA sowie die Überschwemmungen und Dürreperioden in Australien und Deutschland gezeigt. Die Erderhitzung nannten sie die «größte Gefahr, der die Menschheit jemals gegenüber stand».

Von den Erwachsenen erwarte die Bewegung nicht, dass sie der Jugend Hoffnung spende, schrieben Thunberg und ihre Mitstreiter. «Wir wollen, dass ihr in Panik geratet und handelt. Wir wollen, dass ihr euch anschließt.» Konkret müsse schnell weltweit der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas organisiert werden. Subventionen für diese Art «schmutziger Energie» gehörten abgeschafft, stattdessen müsse viel mehr Geld in erneuerbare Energien fließen.

Auf Plakaten bei Protesten in Deutschland hieß es unter anderem: «Wir lernen nicht für eine zerstörte Zukunft» oder «Fehlstunden verkraften wir, Klimawandel nicht». Andere hatten Schilder dabei mit Aufschriften wie «Die Dinos dachten auch, sie hätten Zeit» und «Wäre die Welt eine Autofirma, hättet ihr sie längst gerettet».

Tatsächlich drängt die Zeit: Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC gegenüber der vorindustriellen Zeit um etwa ein Grad erwärmt, in Deutschland sogar noch etwas stärker. Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert.

Geht es weiter wie bisher, ist Ende dieses Jahrhunderts die Welt wohl gut drei Grad wärmer. Zu den fatalen Folgen gehören mehr Hitzewellen, längere Dürren sowie mehr Stürme, Starkregen und Hochwasser. Um den Trend zu stoppen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl oder aus der Tierhaltung stark reduziert werden.

Unterstützung bekommt die ursprünglich von jungen Leuten initiierte Bewegung auch aus anderen Generationen. So haben rund 20.000 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Stellungnahme unterzeichnet, um dem Anliegen der Klimabewegung Nachdruck zu verleihen. Auch Eltern stellen sich mit «Parents for Future» an die Seite der Jugendlichen. Sie bitten unter anderem darum, , wenn Schüler für Proteste dem Unterricht fernbleiben.

Nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Philipp Amthor sollten die Proteste erst nach dem Unterrichtsende beginnen. «Politisches Interesse der Schüler finde ich immer gut. Dem können sie aber auch in ihrer Freizeit nachgehen», sagte der 26-Jährige der «Heilbronner Stimme». Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im «Spiegel». Vergangene Woche hatte jedoch nach Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schülerproteste begrüßt.

In Neuseeland, wo die ersten Proteste weltweit anliefen, sagte Koordinatorin Sophie Handford (18) der Deutschen Presse-Agentur: «Wir sind die, die diese Erde erben werden. Wir verdienen es, darüber mitreden zu dürfen, welche Art von Zukunft wir haben werden.»

Auch in Rom strömten Tausende Schüler zu den Kaiserforen und forderten lauthals einen Wechsel in der Klimapolitik. Dabei skandierten sie vor der historischen Kulisse und bei strahlendem Sonnenschein Sprüche wie «Wir haben nur einen Planeten» oder «Wir sind der Wandel».

Auch in Indien beteiligten sich insgesamt einige hundert Schüler in der Hauptstadt Neu Delhi sowie weiteren Städten. In Gurugram, einem Vorort von Neu Delhi, trug ein Mädchen einen Kittel, auf dem «Ich will nicht ersticken» stand. Neu Delhi und Gurugram (früher Gurgaon) gehören laut Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO zu den 13 Städten mit der schlimmsten Feinstaubbelastung weltweit - alle 13 liegen in Nordindien.

@ dpa.de

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