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Konflikte, Atom

Die USA sind in der Iran-Frage im UN-Sicherheitsrat weitgehend isoliert.

16.08.2020 - 15:40:09

Sicherheitsrat vor Krise - Trump will Rückkehr aller Iran-Sanktionen. Trotzdem scheint Präsident Trump fest entschlossen, dem Atomdeal mit Teheran einen möglicherweise tödlichen Stoß zu verpassen. Was folgen könnte, wäre kurios - und brandgefährlich.

Auch nach Ansicht des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell sind die USA nicht dazu berechtigt, den Snapback zu erzwingen, wie eine Sprecherin am Sonntag sagte. Irans Außenminister Mohammed Dschwad Sarif nannte das Vorgehen illegal und inakzeptabel.

Der diplomatische Streit im mächtigsten UN-Gremium könnte zu einer Spaltung des Sicherheitsrates bei der Frage führen, ob die alten Sanktionen gegen den Iran nun wieder gelten oder nicht. Westliche Diplomaten kündigten an, dass viele Staaten einen von den USA ausgelösten Snapback faktisch ignorieren könnten. Dies wiederum könnte zu schweren Verwerfungen auch zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien auf der einen und den USA auf der anderen Seite führen.

Auf einen Schlichtungsvorschlag des Kremls für einen Video-Gipfel will Trump eigenen Aussagen zufolge nicht eingehen. «Wir werden wahrscheinlich bis nach der Wahl warten», sagte er. Russlands Staatschef Wladimir Putin hatte am Freitag ein virtuelles Treffen der Staats- und Regierungschefs gefordert, deren Länder den Atomdeal abgeschlossen hatten. Daran sollten auch Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Irans Präsident Hassan Ruhani teilnehmen.

Die UN-Vetomächte USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien sowie Deutschland und der Iran hatten sich 2015 in Wien auf das Abkommen geeinigt, das Teheran eine friedliche Nutzung der Kernkraft gestattet, aber die Entwicklung von Atomwaffen verwehrt. Es stellte die iranische Atomindustrie unter Kontrolle und sagte den Abbau westlicher Wirtschaftssanktionen zu. Trump ist seit Jahren gegen den Atomdeal - ihm dürfte der Snapback für seine Kampagne des maximalen Drucks auf Teheran vor der US-Präsidentenwahl im November gut passen.

Anstoß für den sich nun zuspitzenden Streit war das im Oktober auslaufende Waffenembargo für den Iran. Die USA wollten es bei den UN auf unbestimmte Zeit verlängern lassen - die Zustimmung von nur zwei von 15 Stimmen im Sicherheitsrat offenbarte dabei, wie isoliert Washington beim Thema Iran ist.

Zwar wollen auch Deutschland, Frankreich und Großbritannien nicht, dass etwa China und Russland künftig legale Rüstungsverträge mit dem Iran abschließen können. Doch die Europäer haben auch ein Interesse daran, das Abkommen am Leben zu halten - Teheran droht im Falle einer Verlängerung des Embargos mit dem Rückzug. Die Hoffnung ist auch, dass im November möglicherweise ein neuer US-Präsident gewählt wird, der die Karten in der Krise neu mischt.

Die Europäer sagen, sie hätten seit Anfang des Jahres versucht, einen Kompromiss auszuhandeln. Aus Diplomatenkreisen verlautete, man habe versucht, Washington von einer «Konzentration auf besonders offensive Waffenarten, Möglichkeiten der Vereinbarung jenseits einer UN-Resolution» zu überzeugen. Da die USA genauso wenig wie Russland und China zu Zugeständnissen bereit waren, stehen die Zeichen nun auf Eskalation.

Einen Vorgeschmack gab die amerikanische UN-Botschafterin Kelly Craft zuletzt, als sie unter anderem Deutschland im Interview der Deutschen Presse-Agentur vorwarf, auf der Seite des Terrors zu stehen: «Verletzte Gefühle über den Rückzug der USA aus dem Atomabkommen sind für mich keine Entschuldigung für die Bewaffnung von Terroristen.»

© dpa-infocom, dpa:200816-99-183518/4

@ dpa.de