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Konflikte, International

Die USA haben offensichtlich Probleme, breite Unterstützung für ihre Initiative für mehr Kriegsschiffe im Persischen Golf zu finden.

18.07.2019 - 14:37:15

Iran stoppt Öltanker - USA werben bei Nato-Partnern für mehr Militär im Golf. Doch während US-Vertreter bei den Nato-Partnern vorsprechen, stoppt der Iran einen ausländischen Öltanker im Golf und nimmt die Crew fest.

  • Nato-Staaten - Foto: Daniel Naupold/Archiv

    Die USA wollen mehr Nato-Präsenz im Persischen Golf. Foto: Daniel Naupold/Archiv

  • Persischer Golf - Foto: The Visible Earth/NASA

    Die Straße von Hormus im Persischen Golf. Foto: The Visible Earth/NASA

Nato-Staaten - Foto: Daniel Naupold/ArchivPersischer Golf - Foto: The Visible Earth/NASA

Teheran/Brüssel - Der Iran hat nach eigenen Angaben einen ausländischen Öltanker im Persischen Golf gestoppt und die Crew-Mitglieder festgenommen.

Die Revolutionsgarden (IRGC) hätten den Tanker mit angeblich einer Million Liter geschmuggeltem Öl in der Nähe der Straße von Hormus gestoppt und die zwölf ausländischen Crew-Mitglieder verhaftet, berichteten die IRGC auf ihrem Webportal am Donnerstag. Der Vorfall habe sich bereits am vergangenen Sonntag ereignet.

Der Einsatz sei im Einklang mit dem Kampf Irans gegen Ölschmuggel im Persischen Golf erfolgt und im Vorfeld mit den zuständigen Behörden und der Justiz koordiniert worden. Der Tanker habe das geschmuggelte Öl südlich der iranischen Insel Lark von hiesigen Booten erhalten und es an ein anderes Schiff außerhalb der iranischen Gewässer liefern wollen, so die IRGC. Details zum Tanker und zur Nationalität der Crew-Mitglieder wurden von den IRGC zunächst nicht bekanntgegeben.

Der Ölschmuggel ist ein lukratives Geschäft in der südiranischen Provinz Hormusgan. Über die Straße von Hormus werden immer wieder Öl und Benzin, die im Iran relativ billig sind, von iranischen Booten entweder direkt in die Nachbarstaaten geschmuggelt oder an andere Boote oder auch Öltanker außerhalb der iranischen Gewässer geliefert.

Vergangene Woche hatte ein Zwischenfall mit einem britischen Tanker in der Straße von Hormus international Besorgnis ausgelöst. Britischen Angaben zufolge hatten dort drei iranische Boote versucht, ein britisches Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Eine Fregatte zwang sie jedoch zum Abdrehen. Teheran bestritt, in den Vorfall verwickelt zu sein. Zudem gibt es Streit zwischen London und Teheran über einen in Gibraltar festgesetzten iranischen Öltanker.

Die USA treiben unterdessen ihre Initiative zum Schutz von Handelsschiffen im Persischen Golf voran. Nach dpa-Informationen warben US-Vertreter in dieser Woche in Brüssel bei Nato-Partnern um Unterstützung für das Projekt und informierten über den aktuellen Planungsstand.

In der US-Initiative soll es vor allem darum gehen, über eine erhöhte Militärpräsenz in der Region eine bessere Überwachung der Straße von Hormus zu ermöglichen. Auf der für den internationalen Ölhandel wichtigen Schifffahrtsroute hatte es zuletzt mehrfach Sabotageangriffe auf Tanker gegeben. Die USA machen dafür den Iran verantwortlich.

Ob Washington mit der Präsentation in Brüssel zusätzliche Unterstützung für seine Initiative gewinnen konnte, erscheint allerdings fraglich. Bei der Vorstellung der Pläne am Dienstag zeigten sich nach Angaben aus Bündniskreisen mehrere Länder skeptisch, ob eine erhöhte Präsenz von Kriegsschiffen im Persischen Golf wirklich für mehr Sicherheit sorgen wird. Demnach könnte sich durch die US-Initiative auch das Risiko einer militärischen Auseinandersetzung erhöhen.

Von Kritikern wird den USA zudem auch innerhalb der Nato vorgeworfen, mit der Wiedereinführung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran selbst zur Zuspitzung des Konflikts in der Golfregion beigetragen zu haben. So hatte es Zwischenfälle mit Handelsschiffen in dieser Form zuvor nicht gegeben.

Eine mögliche Beteiligung an der US-Initiative zum Schutz von Handelsschiffen haben nach Angaben aus Nato-Kreisen bislang nur Staaten wie die Niederlande, Dänemark und Norwegen angedeutet. Skeptisch sind demnach Länder wie Frankreich, die Türkei, aber auch Deutschland. In Berlin haben sich vor allem SPD-Politiker gegen eine Bundeswehrbeteiligung an der US-Initiative ausgesprochen. Eine abschließende Positionierung der Bundesregierung steht aber noch aus.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte zuletzt in Berlin, die Sicherheit der Schifffahrt könne «nur durch Verantwortung und Kooperation aller Akteure in der Region sichergestellt werden». Er betonte zudem, dass die USA bislang noch nicht mit konkreten Bitten an Deutschland herangetreten seien. Dies teilte auch ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mit.

Die US-Vertretung bei der Nato wollte sich auf Anfrage der dpa zunächst nicht zur Vorstellung der Initiative in Brüssel äußern. Ein Nato-Sprecher sagte lediglich, dass derzeit nicht über eine direkte Mitwirkung des Bündnisses gesprochen werde. Als ein Grund dafür gilt, dass die USA bei der Operationsplanung dann deutlich weniger Freiheiten hätten. Zudem wäre für einen Bündniseinsatz eine Konsensentscheidung notwendig.

Die USA wollen den Iran mit der Wiedereinführung der Wirtschaftssanktionen zu einer Neuverhandlung des internationalen Atomabkommens bewegen. Trump hatte die US-Beteiligung an dem Vertrag zur Verhinderung iranischer Nuklearwaffen zuvor einseitig aufgekündigt, weil er ihn nicht für weitreichend genug hält. Die Europäer, Russland und China halten hingegen weiter an dem Abkommen fest.

@ dpa.de