Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Konflikte, Militär

Die Taliban nehmen in Afghanistan seit dem Abzug internationaler Truppen anscheinend eine Stadt nach der anderen ein.

11.08.2021 - 15:18:09

Afghanistan-Konflikt - Flughafen und Militärbasis bei Kundus an Taliban gefallen. Nun sind sie in Kundus. Auch auf die Hauptstadt Kabul rücken sie vor.

  • Konflikt in Afghanistan - Foto: Abdullah Sahil/AP/dpa

    Menschen inspizieren die Tr?mmer von Gesch?ften, die bei K?mpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskr?ften zerst?rt wurden. Foto: Abdullah Sahil/AP/dpa

  • Konflikt in Afghanistan - Foto: Mirwais Bezhan/AP/dpa

    Ein afghanischer Polizist steht am Stadtrand von Masar-i-Scharif Wache. Foto: Mirwais Bezhan/AP/dpa

  • Konflikt in Afghanistan - Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

    Binnenvertriebene aus den n?rdlichen Provinzen, die aufgrund von K?mpfen aus ihrer Heimat geflohen sind, warten in Kabul auf kostenlose Lebensmittel. Foto: Rahmat Gul/AP/dpa

  • Konflikt in Afghanistan - Foto: Abdullah Sahil/AP/dpa

    Taliban-K?mpfer halten in der nordafghanischen Stadt Kundus Wache. Foto: Abdullah Sahil/AP/dpa

  • Konflikt in Afghanistan - Foto: Hamed Sarfarazi/AP/dpa

    Afghanische Sicherheitskr?fte patrouillieren, nachdem sie nach K?mpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskr?ften am Stadtrand von Herat die Kontrolle ?ber Teile der Stadt Herat zur?ckerobert haben. Foto: Hamed Sarfarazi/AP/dpa

  • Konflikt in Afghanistan - Foto: Abdullah Sahil/AP/dpa

    Eine Taliban-Flagge weht nach K?mpfen zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskr?ften auf einem Platz in der Stadt Kundus. Foto: Abdullah Sahil/AP/dpa

Konflikt in Afghanistan - Foto: Abdullah Sahil/AP/dpaKonflikt in Afghanistan - Foto: Mirwais Bezhan/AP/dpaKonflikt in Afghanistan - Foto: Rahmat Gul/AP/dpaKonflikt in Afghanistan - Foto: Abdullah Sahil/AP/dpaKonflikt in Afghanistan - Foto: Hamed Sarfarazi/AP/dpaKonflikt in Afghanistan - Foto: Abdullah Sahil/AP/dpa

Kabul/Washington - Die Taliban haben in der Großstadt Kundus im Norden Afghanistans nun auch den Flughafen und eine große Militärbasis erobert. Das bestätigten Provinzräte und Sicherheitskreise am Mittwoch. 

In der Basis waren im Vorjahr noch rund hundert deutsche Soldaten stationiert gewesen. 

Die wichtigsten Regierungseinrichtungen in Kundus waren bereits am Sonntag von den Taliban erobert worden. Sicherheitskräfte und lokale Regierungsvertreter flohen daraufhin zum Flughafen und in die Basis des 217. Armeekorps in der Nähe. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Islamisten hätten seit Sonntag die Basis und den Flughafen angegriffen und seien dabei vergleichsweise langsam, aber stetig vorgegangen. Details waren zunächst unklar.

Am Mittwochmorgen habe schließlich eine große Anzahl Sicherheitskräfte mitsamt Regierungsvertretern in einem Konvoi gepanzerter Fahrzeuge die Basis verlassen, um in den Bezirk Warsadsch zu gelangen. Dort sind bereits Soldaten aus anderen gefallenen Teilen der Provinzen Tachar und Badachschan. 

Kurz darauf soll sich der Kommandeur der Spezialkräfte der Polizei mit zwölf weiteren den Taliban ergeben haben. Wenig später sei eine Gruppe von 30 bis 40 Kräften, die sich auch nach Warsadsch durchschlagen wollte, von den Taliban aus dem Hinterhalt angegriffen worden. Daraufhin hätten sich mindestens 100 in der Basis Zurückgebliebene kampflos den Taliban ergeben. Wie es zum Fall des Flughafens kam, war zunächst unklar. 

Am Flughafen keine einsatzfähigen Flieger

Videos in sozialen Medien zeigten Taliban-Kämpfer vor einem Hubschrauber innerhalb des Flughafengeländes. Allerdings ist der Hubschrauber nicht einsatzbereit - ihm fehlen die Rotorblätter. Am Flughafen seien keine einsatzfähigen Flieger mehr gewesen, da die Islamisten diese beschossen hätten, sagte ein Provinzrat.

Das 217. Korps der afghanischen Armee in Kundus wird zwar Korps genannt, de facto ist es aber nur eine Division. Die Armee wollte den Stützpunkt zu einem Korps ausbauen, allerdings konnten nicht genügend Soldaten und Mittel dafür gefunden werden. Es war für die Provinzen Kundus, Tachar und Badachschan zuständig. Bei normaler Besetzung sollten dort rund 800 bis 1000 Mann stationiert sein.

Aus Militärkreisen heißt es, Hunderte Humvees und rund 5000 Waffen von Kalaschnikow bis zu schweren Maschinengewehren dürften in der Basis sein. Es war unklar, wie viel davon rechtzeitig fortgeschafft wurde. Die deutschen Soldaten waren in einem eigenen Teil der Basis stationiert gewesen, zu der afghanische Sicherheitskräfte keinen Zutritt hatten. Der Teil war im Frühjahr an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben worden und wurde laut lokalen Behördenvertretern von einer Einheit afghanischer Kommandos genutzt.

Biden verteidigt Abzug des US-Militärs

Trotz der sich schnell verschlechternden Sicherheitslage verteidigte US-Präsident Joe Biden erneut den Abzug des US-Militärs. Die Afghanen müssten nun «selbst kämpfen, um ihren Staat kämpfen», sagte er im Weißen Haus in Washington. Ihre Streitkräfte seien den Taliban militärisch überlegen, auch in Bezug auf die Truppenstärke. «Aber sie müssen auch kämpfen wollen».

Der US-Präsident appellierte am Dienstag an die politische Führung in Kabul, an einem Strang zu ziehen. Wörtlich sagte er: «Ich glaube, sie beginnen zu verstehen, dass sie an der Spitze politisch zusammenkommen müssen.» Biden versprach, die USA würden die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin finanziell und militärisch unterstützen. Er werde jeden Tag über die Lage unterrichtet.

Mit Blick auf den von ihm angeordneten Abzug der US-Truppen fügte der Präsident hinzu: «Aber ich bedauere meine Entscheidung nicht.» Inzwischen ist der Abzug zu mehr als 95 Prozent abgeschlossen. Auch die deutsche Bundeswehr und die Soldaten anderer NATO-Länder haben Afghanistan bereits verlassen.

Die Taliban nahmen unterdessen mit Pul-i Chumri in der nördlichen Provinz Baghlan in kurzer Folge die achte Provinzhauptstadt ein. In der Stadt leben rund 250.000 Menschen. Damit ist nun der Landweg zwischen der Hauptstadt Kabul ins nördliche Masar-i-Scharif abgeschnitten.

Provinzrat Firusuddin Aimak zufolge verließen die Regierungskräfte am Dienstagabend (Ortszeit) die Stadt ohne weiteren Widerstand. Mehrere Kommandeure und andere Behördenvertreter hätten Pul-i Chumri bereits vor 10 oder 15 Tagen verlassen und angekündigt, die Islamisten von einem anderen Weg aus anzugreifen. Die zurückgebliebenen Kräfte hätten noch ein paar Tage standgehalten, sich nun aber in einen Stützpunkt außerhalb zurückgezogen. Pul-i Chumri liegt an der wichtigen Überlandstraße zwischen Kabul und Masar-i-Scharif, wo die Bundeswehr bis vor kurzem noch einen Stützpunkt hatte.

Massive Gebietsgewinne seit Truppenabzug

Seit dem Beginn des Truppenabzugs Anfang Mai haben die Taliban massive Gebietsgewinne verzeichnet. Sie hatten von 1996 bis zur US-geführten Intervention 2001 weite Teile Afghanistans unter ihrer Kontrolle.

Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, warnte unterdessen vor einem erneuten Eingreifen des Westens in Afghanistan. Ob sich dort «künftig wieder die Schreckensherrschaft der Taliban etabliert, muss für die Nachbarn und regionalen Mächte als Gefährdung der Stabilität mindestens genauso große Besorgnisse erregen, wie für die transatlantischen Partner», sagte Ischinger der Düsseldorfer «Rheinischen Post» vom Mittwoch. Er verwies dabei insbesondere auf China, Indien, Pakistan, Russland und den Iran. Deshalb sei hier in erster Linie der UN-Sicherheitsrat gefragt, denn es gehe um zentrale Fragen regionaler Stabilität.

© dpa-infocom, dpa:210811-99-799514/6

@ dpa.de