Konflikte, Autonomie

Die Stunden der separatistischen Regierung Kataloniens scheinen endgültig gezählt.

27.10.2017 - 07:44:05

Abstimmung in Madrid - Kataloniens Regierung steht vor dem Aus. Regionalpräsident Carles Puigdemont entschied sich gegen eine Annäherung. Madrid will nun Zwangsmaßnahmen einsetzen.

  • Krise in Katalonien - Foto: Emilio Morenatti

    Die Fahne von Katalonien spiegelt sich in Barcelona auf dem regennassen Boden. Foto: Emilio Morenatti

  • Mariano Rajoy - Foto: Francisco Seco

    Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy am Mittwoch im Parlament in Madrid. Eine Abspaltung Kataloniens kommt für ihn nicht in Frage. Foto: Francisco Seco

  • Carles Puigdemont - Foto: Manu Fernandez

    Der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont am Donnerstag während einer Sitzung des Parlaments in Barcelona. Foto: Manu Fernandez

  • «Estelada» - Foto: Francisco Seco

    Ein Mann mit der Fahne der Region Katalonien, der «Estelada». Foto: Francisco Seco

Krise in Katalonien - Foto: Emilio MorenattiMariano Rajoy - Foto: Francisco SecoCarles Puigdemont - Foto: Manu Fernandez«Estelada» - Foto: Francisco Seco

Barcelona/Madrid - Im Konflikt um die nach Unabhängigkeit strebende spanische Region Katalonien steht die separatistische Regierung in Barcelona vor dem endgültigen Aus.

Nachdem Regionalpräsident Carles Puigdemont am Donnerstag die Ausrufung von Neuwahlen abgelehnt und an den Abspaltungsplänen festgehalten hat, wird der spanische Senat heute die von der Zentralregierung in Madrid vorgeschlagenen Zwangsmaßnahmen gegen die Sezessionisten wohl absegnen. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy kündigte am Abend seine Teilnahme an der Plenarsitzung des Senats an.

Im Rahmen der angekündigten Zwangsmaßnahmen will Madrid unter anderem die gesamte Regionalregierung in Barcelona absetzen, die Kontrolle über mehrere Regionalbehörden übernehmen und innerhalb von sechs Monaten Neuwahlen abhalten. Das grüne Licht durch de Senat gilt als Formsache, da Rajoys konservative Volkspartei (PP) in der zweiten Parlamentskammer eine ausreichende Mehrheit hat.

Entgegen aller Erwartungen lehnte Puigdemont Neuwahlen ab. Er werde seinen Plan für eine Unabhängigkeit der Region weiter verfolgen, erklärte er. Alle Medien hatten in Spanien fest damit gerechnet, dass er nachgibt und in letzter Minute eine Lösung im Konflikt ermöglicht. Madrid warf der Regionalpräsident vor, eine Einigung zu verhindern und eine Fortsetzung der «Unterdrückung» vorzuziehen. Aus Protest gegen die Entscheidung seines Chefs trat der für Unternehmen zuständige Minister Santi Vila in der Nacht zurück.

Nach der Puigdemont-Rede bekräftigte die stellvertretende Ministerpräsidentin Soraya Sáenz de Santamaría die «legale Verpflichtung» Madrids, den Unabhängigkeitsplänen ein Ende zu setzen. Bei einer anschließenden Sitzung des katalanischen Parlaments riefen Abgeordnete von antiseparatistischen Parteien Puigdemont am späten Donnerstagabend dazu auf, nach Madrid zu reisen und dem Senat beim Plenum am Freitag Rede und Antwort zu stehen. Noch gebe es Zeit, die Anwendung der Zwangsmaßnahmen zu verhindern, stimmten viele Redner der Opposition überein. 

Puigdemont hatte Spanien den ganzen Donnerstag in Atem gehalten. Die Rede war ursprünglich für 13.30 Uhr geplant, erst verschoben und dann zunächst ganz abgesagt worden. In allen großen Medien Spaniens waren die Neuwahlen als gesetzt bezeichnet worden. Auch ein Termin war genannt worden: der 20. Dezember. Seit dem Mittag hatten Tausende Menschen vor dem Regierungspalast für die Unabhängigkeit und gegen den «Verrat» durch die Regionalregierung demonstriert.

Die Sitzung des katalanischen Parlaments wird heute fortgesetzt. Es wird nicht ausgeschlossen, dass dabei über die Ausrufung der Unabhängigkeit abgestimmt wird. Laut spanischen Medien will man auf die Entscheidung im Senat reagieren können.

@ dpa.de

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