Ihr Broker

  • DAX 0,70
  • EUR/USD 0,50
  • GOLD 0,30

Nur Spreads

Keine Kommission

Jetzt registrieren

CFDs sind komplexe Instrumente und umfassen aufgrund der Hebelfinanzierung ein hohes Risiko, schnell Geld zu verlieren.

Bundesländer, Corona

Die steigenden Infektionszahlen beginnen, die Stimmung abermals zu drehen: Viele machen sich wieder Sorgen und würden die Schutzmaßnahmen lieber verschärfen.

27.03.2021 - 05:44:09

Coronavirus - Kritik am Öffnungskurs einiger Länder. Dass einige Länder dennoch lockern wollen, stößt bei Medizinern auf Unverständnis.

Berlin - Die dritte Corona-Welle rollt und dennoch schlagen einige Bundesländer einen Öffnungskurs ein - bei medizinischen Experten sorgt das für Entsetzen.

Der Präsident der Intensivmediziner-Gesellschaft DGIIN, Christian Karagiannidis, fordert angesichts der stark steigenden Infektionszahlen einen harten Lockdown und sofortigen Stopp aller geplanten Öffnungsschritte. «Die Beschlüsse für Modellprojekte nach Ostern sind völlig unpassend und müssen von Bund und Ländern sofort zurückgenommen werden», sagte Karagiannidis, der auch wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters ist, der «Rheinischen Post» (Samstag).

«Es braucht eine Mischung aus hartem Lockdown, vielen Impfungen und Tests. Nur so lässt sich ein Überlaufen der Intensivstationen noch verhindern», sagte er. Ein solcher Lockdown müsse bundesweit gelten und zwei Wochen dauern. «Ich bitte die Politik, das Krankenhauspersonal nicht im Stich zu lassen.» Auch andere Mediziner und Virologen hatten den Öffnungskurs mancher Länder kritisiert.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: «Es ist ganz klar, dass wir im exponentiellen Wachstum sind und innerhalb von kurzer Zeit Tageszahlen von 30 000, 40 000, 50 000 Infizierten erreichen können.» Einige andere Länder ziehen deshalb auch die «Notbremse» und verschärfen Maßnahmen wieder.

Allerdings hatten Bund und Länder auf der Ministerpräsidentenkonferenz zu Beginn der Woche beschlossen, dass die Länder in «ausgewählten Regionen» in «zeitlich befristeten Modellprojekten» einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens testweise öffnen dürfen, «mit strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept». Mehrere Länder haben angekündigt, gleich mehrere Modellregionen entsprechend zu öffnen. Das Saarland will nach Ostern sogar das ganze Land öffnen - bisher auch ohne eine Befristung.

Das Land steht laut Daten des Robert Koch-Instituts von Freitagmorgen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 61,1 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner im Bundesvergleich (119,1) zwar relativ gut da, aber mit steigender Tendenz (eine Woche zuvor 56,1, zwei Wochen zuvor 48,1). Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) verteidigt die Entscheidung: «Wir sind ein kleines Land, unsere Testinfrastruktur ist gut aufgestellt, und aktuell das Infektionsgeschehen moderat - also gute Voraussetzungen um dies saarlandweit zu tun», sagte er der «Bild»-Zeitung (Samstag). «Ein Jahr nach der Corona-Pandemie muss uns jetzt mehr einfallen als nur zu schließen und zu beschränken.» Er fügte an: «Deshalb werden wir die Tests noch stärker ausweiten, das Impfen beschleunigen und unter strengen Hygieneauflagen mehr Freiheiten ermöglichen.» Sollten «die Infektionszahlen exponentiell steigen, werden wir rechtzeitig die Notbremse ziehen».

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, befürwortet weitere Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen. «Jetzt muss auch der Erschöpfung der Menschen durch kluge Öffnungen Rechnung getragen werden», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Mit den absolvierten Impfungen der alten Menschen, dem Beheben der Impf- und Testprobleme und guter Organisation sollte es klappen, wieder Zusammenkünfte von mehr Menschen als bislang zu ermöglichen. Und Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger sagte der «Heilbronner Stimme» (Samstag): «Es geht um das verständliche Bedürfnis, dass sich alles wieder etwas normalisiert, hier muss die Politik Perspektiven aufzeigen.»

An der Sicherheit der viel beschworenen Schnelltests gibt es inzwischen aber starke Zweifel. «Antigentests sind bei weitem nicht so sicher, wie man glaubt», sagte Lauterbach den Funke-Zeitungen. Studien zeigten: «Wenn jemand wirklich asymptomatisch ist, schlägt der Schnelltest in sechs von zehn positiven Fällen an. In vier von zehn Fällen ist der Test negativ.»

Inzwischen sprechen sich auch wieder mehr Menschen für eine Verschärfung als eine Lockerung der Maßnahmen aus, wie das ZDF-Politbarometer ergab. Mehr als ein Drittel (36 Prozent) will sie verschärfen, knapp ein Drittel (31 Prozent) beibehalten und ein Viertel (26 Prozent) lockern.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der gleich acht öffnende Modellregionen einrichten will, bittet die Menschen zugleich, sich Ostern weiter an die Corona-Regeln zu halten. «Ziviler Ungehorsam hilft am Ende niemandem - weder dem Einzelnen noch allen. Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft. Hilfen, die einige bekommen, gibt es nur, weil andere sie mitfinanzieren. Deswegen ist es wichtig, dass wir die Solidarität hoch halten», sagte er der «Passauer Neuen Presse» und dem «Donaukurier» (Samstag).

© dpa-infocom, dpa:210327-99-991526/2

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Pandemie - Bundes-Notbremse soll Ausgangsbeschränkungen bringen. Nach wochenlangem Hickhack soll nun der Lockdown verschärft werden. Die Corona-Zahlen klettern, aber Bund und Länder taten sich schwer mit einem gemeinsamen Kurs. (Politik, 13.04.2021 - 16:30) weiterlesen...

Lockdown wird verschärft - Kabinett beschließt Bundes-Notbremse. Die Regierung will die dritte Coronawelle mit einheitlichen Vorschriften brechen. Nach wochenlangem Hickhack soll der Lockdown verschärft werden. (Politik, 13.04.2021 - 12:42) weiterlesen...

Regierung bringt Bundes-Notbremse auf den Weg. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag in Berlin. Damit müssen sich die Menschen in weiten Teilen Deutschlands auf Ausgangsbeschränkungen und geschlossene Läden nach bundesweit verbindlichen Vorgaben einstellen. Berlin - Das Bundeskabinett hat die Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen. (Politik, 13.04.2021 - 10:18) weiterlesen...

Einheitliche Einschränkungen - Zähes Ringen um Bundes-Notbremse. Heute will das Bundeskabinett sie beschließen. Nun könnte sich eine Einigung abzeichnen. Es muss schnell gehen mit der bundeseinheitlichen Regelung, flehen die Intensivmediziner. (Politik, 13.04.2021 - 09:32) weiterlesen...

Einheitliche Einschränkungen - Bundesregierung will bundesweite Corona-Notbremse ziehen. Heute will das Bundeskabinett sie beschließen. Doch bis zuletzt wurde verhandelt. Es muss schnell gehen mit der bundeseinheitlichen Regelung, flehen die Intensivmediziner. (Politik, 13.04.2021 - 05:26) weiterlesen...

Die neue Notbremse - Was im geplanten Corona-Gesetz stehen könnte Keine Bund-Länder-Runden bis tief in die Nacht, stattdessen ein Gesetz: Die Corona-Regeln sollen überall in Deutschland einheitlich werden - und niemand soll sich mehr rausreden können. (Politik, 10.04.2021 - 15:38) weiterlesen...