Arbeitsmarkt, Schattenwirtschaft

Die Schattenwirtschaft in Deutschland ist auf dem Rückzug.

16.12.2017 - 05:46:33

Schattenwirtschaft in Deutschland wird kleiner

In diesem Jahr umfasst die Wirtschaftsleistung, die am Staat vorbei erbracht wird, 10,4 Prozent des offiziellen Bruttoinlandsprodukts. Dies ergibt eine noch unveröffentlichte Studie des Ökonomen Friedrich Schneider, über die die "Welt" in ihrer Samstagausgabe berichtet.

Schneider, Professor emeritus an der Universität Linz, gilt als einer der führenden Experten in diesem Bereich. In Deutschland und vielen anderen Ländern hat die Bedeutung der Schattenwirtschaft Schneiders Berechnungen zufolge seit der Jahrtausendwende deutlich abgenommen. Schwarzarbeit und andere wirtschaftliche Tätigkeiten, die am Fiskus vorbeilaufen, machten 2003 in Deutschland noch 16,7 Prozent aus. Mit Ausnahme des Jahres 2009 ist dieser Anteil seither in jedem Jahr rückläufig gewesen. Noch deutlicher wird der Schrumpfungsprozess, wenn man die Schattenwirtschaft in absolute Zahlen fasst. So wurden 2016 rund 339 Milliarden Euro auf Schwarzmärkten erwirtschaftet, ergibt sich aus Schneiders Berechnungen; 2003 waren es inflationsbereinigt noch 445 Milliarden. "Hauptgrund für den Rückgang in den meisten europäischen Ländern ist die gute Konjunktur", sagt Schneider. "Wenn ich gutes Geld verdiene und auch nach Bedarf Überstunden machen kann, brauche ich nicht schwarz zu arbeiten." "In Deutschland dürfte auch eine Rolle spielen, dass die Bürger von der nächsten Bundesregierung Steuererleichterungen erwarten", sagt Schneider. "Angenommen, ich weiß, nächstes Jahr brauche ich ein neues Auto. Ich habe aber noch nicht genügend Geld zusammen. Wenn ich nun mit der Abschaffung des Soli rechne, kann das durchaus entscheidend dafür sein, ob ich schwarz arbeite oder nicht." Ähnliches könnte sich demnächst in Frankreich zeigen, glaubt Schneider. Frankreich ist bisher ein Ausreißer - es ist das einzige Land Europa, in dem die Schattenwirtschaft relativ zum Bruttoinlandsprodukt seit 2010 größer geworden ist, auf zuletzt 12,8 Prozent. "Das Anwachsen der Schattenwirtschaft spiegelt die hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit unter den Franzosen wider", sagt Schneider. Der Wissenschaftler erwartet aber, "dass wir schon 2018 einen deutlichen Rückgang der Schattenwirtschaft in Frankreich sehen werden", denn: "Emmanuel Macron bringt überraschend viele seine Reformen durch, und das ohne wochenlange Streiks." Eine Ausnahme ist auch Griechenland - allerdings in ganz anderer Hinsicht. In dem durch die Schuldenkrise schwer gebeutelten Land ist die Schattenwirtschaft auf dem Rückzug - aber nicht, weil es dort einen Aufschwung gäbe, ganz im Gegenteil. "In Griechenland lässt sich ein Phänomen beobachten, dass es etwa in der Bundesrepublik noch nie gegeben hat", sagt Schneider. "Die Rezession war so schwer, dass die Leute sich noch nicht einmal Schwarzarbeit leisten wollten. Die geben ihren Kindern dann halt selbst wieder Nachhilfe und putzen auch selbst." Friedrich Schneider hat eine Methode entwickelt, mit der er die Größe von Schattenwirtschaften abschätzen kann. Variablen, die er einfließen lässt, sind die Besteuerung von Arbeit, die Schärfe von Regulierungen, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit sowie die Steuermoral. Diese Faktoren setzt er in Beziehung zu der umlaufenden Bargeldmenge. Der Gedanke dahinter: Wenn die offizielle ausgewiesene Wirtschaftsleistung kleiner ist, als es die Bargeldmenge erwarten ließe, wird ein Teil des Geldes vermutlich durch klandestine Kanälen geschleust.

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

@ dts-nachrichtenagentur.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

SPD-Politiker wollen zügig 12 Euro Mindestlohn In der SPD mehreren sich laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins Focus die Stimmen nach einem deutlich höheren Mindestlohn. (Politik, 23.06.2018 - 00:02) weiterlesen...

Mehr Einkommensmillionäre in Deutschland Im Jahr 2014 haben 19.000 von allen in Deutschland erfassten Lohn- und Einkommensteuerpflichtigen Einkünfte von mindestens einer Million Euro gehabt: Das waren knapp 1.600 Steuerpflichtige mehr als 2013, teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am Donnerstag mit. (Politik, 21.06.2018 - 09:48) weiterlesen...

Reallöhne im ersten Quartal um 1,1 Prozent gestiegen Der Reallohnindex in Deutschland ist im ersten Quartal 2018 um 1,1 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal gestiegen. (Politik, 21.06.2018 - 08:44) weiterlesen...

Ex-Verfassungsrichter Papier: Soli-Beschluss verfassungswidrig Der langjährige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, hält die Abschaffung des Soli nur für kleinere und mittlere Einkommen nicht für verfassungsgemäß. (Politik, 21.06.2018 - 00:01) weiterlesen...

Regierung verfehlt eigene Ziele bei sachgrundlosen Befristungen Die Große Koalition kann ihre Zielsetzung bei der Begrenzung von sachgrundlosen Befristungen selbst bei Weitem nicht erfüllen: Nur in zwei der 16 Bundesministerien liegt der Anteil der Tarifbeschäftigten mit sachgrundlosen Befristungen unter der von der Großen Koalition in ihrer Koalitionsvereinbarung festgelegten Zielmarke von 2,5 Prozent aller Tarifbeschäftigten, berichtet die "Rheinische Post" (Montagsausgabe) unter Berufung auf die Antwort der Regierung auf eine schriftliche Frage des FDP-Abgeordneten Otto Fricke. (Politik, 18.06.2018 - 09:07) weiterlesen...