Konflikte, Nahost

Die Lage in Syrien bleibt brandgefährlich.

17.04.2018 - 16:28:06

Neue Front im Syrien-Krieg? - Israel und Iran auf Konfrontationskurs. Israel will um jeden Preis verhindern, dass sein Erzfeind Iran sich dauerhaft militärisch in dem Nachbarland etabliert. Ein Sicherheitsexperte warnt vor Krieg.

Tel Aviv - Für US-Präsident Donald Trump ist nach dem Angriff der Westmächte in Syrien die «Mission erfüllt» - doch aus Israels Sicht spitzt sich die Lage jetzt gefährlich zu.

Israel hat die große Sorge, dass es nach dem von Trump angekündigten Abzug der US-Truppen aus Syrien allein mit einem militärischen Vorposten seines Erzfeinds Iran direkt vor der eigenen Haustür zurückbleiben wird. Ein israelischer Sicherheitsexperte warnt vor Krieg - und fordert als Ausweg Sanktionen der Europäischen Union.

Der ehemalige nationale Sicherheitsberater Jaakov Amidror betont, Israel könne eine dauerhafte Präsenz seines Erzfeinds im nördlichen Nachbarland nicht dulden. «Wenn beide Seiten nicht nachgeben können, wird es zum Krieg kommen.»

Die Todfeinde waren zuletzt schon zunehmend auf Kollisionskurs gegangen. Israels Luftwaffe greift immer wieder in Syrien an und zielt auf Stellungen des Irans und der mit ihm verbündeten libanesischen Hisbollah-Miliz ab. Der jüdische Staat pocht dabei auf «rote Linien» - man will etwa den Transport hochwertiger Waffen an die feindliche Hisbollah um jeden Preis verhindern. Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums sagte am Montag, Israel werde «früher oder später die Antwort auf diese Angriffe erhalten, so dass das Regime seine Tat bereut».

Bei einem mutmaßlich von Israel ausgeführten Raketenangriff auf den syrischen Militärflugplatz T-4 vor gut einer Woche wurden 14 Menschen getötet, die Hälfte davon Iraner. Nach Medienberichten war darunter auch Oberst Mehdi Dehghan, der die Drohneneinheit auf dem Flugplatz T-4 befehligt habe.

Israel befürchtet nun einen Gegenangriff des Irans von syrischem Boden aus - mit Raketen oder bewaffneten Drohnen. Am Dienstag veröffentlichten israelische Medien Luftaufnahmen, die als Beweis für eine Verstärkung der iranischen Präsenz in Israels Nachbarland dienen sollen.

Die Ankündigung des russischen Außenministers Sergej Lawrow, man erwäge nach dem Angriff der Westmächte die Lieferung neuer Abwehrraketen des Typs S-300 an Syrien, ließ in Israel ebenfalls die Alarmglocken schrillen. Dies würde israelische Angriffe auf iranische oder Hisbollah-Ziele künftig deutlich erschweren. Israels Verteidigungsminister Avigdor Lieberman sagte, man werde es Russland nicht erlauben, Israels Aktivitäten in Syrien einzuschränken. «Wir müssen unseren Job machen - alle Optionen sind auf dem Tisch.»

Das israelische Fernsehen berichtete, das Militär an der Nordgrenze sei in erhöhter Alarmbereitschaft. «Die israelische Armee wird alles unternehmen, damit Israels Bürger den Unabhängigkeitstag in Ruhe feiern können», sagte ein Militär der Nachrichtenseite «ynet». Man sei dabei auf alle Szenarien vorbereitet. Israel feiert von Mittwochabend an den 70. Jahrestag seiner Staatsgründung.

Nach Abschluss einer Untersuchung teilte die Armee zuletzt mit, eine im Februar über Israel abgeschossene iranische Drohne sei bewaffnet gewesen. Das mit Sprengstoff beladene Flugobjekt sei auf einem Angriffseinsatz gewesen.

Israel sieht dies als ersten direkten Angriff des Irans auf sein Gebiet - obwohl Teheran den Einsatz der Drohne dementiert hatte. Ein namentlich nicht genannter israelischer Militär sagte der «New York Times», mit dem Angriff auf den Militärflugplatz T-4 habe Israel seinerseits «zum ersten Mal aktive iranische Ziele angegriffen».

Sicherheitsexperte Amidror sagt, eine diplomatische Lösung sei für ihn nur denkbar, «wenn die Europäische Union die Iraner etwa mit harten Sanktionen belegt, falls sie ihre Kräfte nicht aus Syrien abziehen». Er sehe keine Bereitschaft der USA und Europas, sich direkt für eine Eindämmung des iranischen Einflusses in Syrien einzusetzen. «Die Last, die Iraner zu zügeln, liegt auf unseren Schultern», sagt Amidror. «Und Israel ist bereit, diese Last auf sich zu nehmen.»

@ dpa.de

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