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Kirche, Missbrauch

Die Krise um den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki belastet die ganze katholische Kirche in Deutschland.

23.02.2021 - 16:38:08

Katholische Kirche - Bischofskonferenz machtlos im Fall Woelki. Dennoch hat Woelki von der Vollversammlung der Bischofskonferenz nichts zu befürchten.

Bonn - Für eine Maßregelung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki hat die Deutsche Bischofskonferenz keine Kompetenzen.

«Wir haben keine Hoheit, über den Kardinal hinweg oder ohne ihn oder an ihm vorbei in dieser Frage auch nur ein Stück weiterzukommen», sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Georg Bätzing, in Bonn zum Auftakt der dreitägigen Frühjahrsvollversammlung.

Woelki hat ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen Priester in Auftrag gegeben, hält es aber unter Verschluss. Dafür führt er rechtliche Gründe an. Die dadurch entstandene Vertrauenskrise im Erzbistum Köln habe «Auswirkungen auf die ganze katholische Kirche» und sogar die evangelische Kirche, sagte Bätzing. «Hier gibt es eine Haftungsgemeinschaft, die die Institutionen insgesamt trifft.»

Er selbst nehme Woelki seinen Aufklärungswillen ab, sagte der Limburger Bischof. Die entstandene Unruhe könne er aber genauso verstehen. Er habe Woelki vorgeschlagen, das Gutachten zu veröffentlichen und dann öffentlich darüber zu diskutieren, ob es rechtsfähig und gerecht sei. Darauf sei Woelki aber nicht eingegangen. «Der Kardinal hat seine Entscheidung getroffen, und ich glaube, wir werden jetzt warten müssen bis zum 18. März.» Dann will Woelki ein neues Gutachten veröffentlichen lassen.

Weitergehend äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. «Wenn eindeutiges Fehlverhalten festgestellt wird, dann ist ein Rücktritt angebracht», sagte Sternberg der Deutschen Presse-Agentur.

«In Köln stellt sich die Frage, ob Rücktritte von Verantwortlichen nicht deshalb nötig sind, weil das Vertrauen bei den eigenen Gläubigen zerstört ist», sagte Sternberg. «Das ist eine Frage, die in Köln entschieden werden muss. Die Nachrichten, die ich von Gemeinden und Verbänden aus Köln bekomme, zeichnen eine katastrophale Situation. Eine solche Empörung wie dort habe ich persönlich noch niemals erlebt.» Am Freitag war sogar der Server für die Buchung von Online-Terminen für Kirchenaustritte wegen zu hoher Nachfrage zusammengebrochen.

Die Vollversammlung vollbrachte am Dienstag immerhin zwei Premieren: Erstmals in ihrer Geschichte fand sie online statt, und erstmals wählten die Bischöfe eine Frau zur Generalsekretärin. Die Theologin Beate Gilles folgt in diesem Amt Pater Hans Langendörfer, der nach 24 Jahren in den Ruhestand getreten war. Die 50-Jährige war bisher Dezernentin für Kinder, Jugend und Familie in Bätzings Bistum Limburg. Sie beschrieb sich auf Nachfrage als Ausdauersportlerin, unverheiratet und kinderlos. «Ich sehe das als starkes Zeichen, dass die Bischöfe ihrer Zusage nachkommen, Frauen in Führungspositionen zu fördern», sagte Bätzing.

Der oberste katholische Repräsentant in Bonn, Stadtdechant Wolfgang Picken, warnte davor, dass das Thema Missbrauch die Kirche auf Jahre hinaus belasten könnte. In fast allen 27 Bistümern würden nun unabhängige Gutachten in Auftrag gegeben. «Die werden nicht alle zeitgleich herauskommen, sondern Monat für Monat und Jahr für Jahr veröffentlicht werden, so dass wir dann einen Skandal nach dem anderen haben, weil die Wahrheit nicht im Vorhinein von den Verantwortlichen eingestanden wird», sagte Picken der Deutschen Presse-Agentur.

Bischöfe und andere Verantwortliche müssten von sich aus ihr Gewissen befragen und proaktiv handeln, bevor sie von Gutachten oder einer kritischen Öffentlichkeit dazu gezwungen würden. Sonst werde das Thema Missbrauch keine Normalität im kirchlichen Leben mehr zulassen.

Bisher ist noch kein einziger Bischof wegen des Missbrauchsskandals zurückgetreten. Wohl hat der frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, angekündigt, mit 500.000 Euro aus seinem Privatvermögen eine Stiftung für Opfer von sexueller Gewalt einzurichten.

© dpa-infocom, dpa:210223-99-551029/5

@ dpa.de