Gesellschaft, Leutheusser-Schnarrenberger

Die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat Gegner der sogenannten "MeToo"-Bewegung scharf kritisiert.

09.10.2018 - 11:01:52

Leutheusser-Schnarrenberger kritisiert MeToo-Gegner

Wer im Zusammenhang mit "MeToo" von einer "Hexenjagd" rede, will "die Debatte totmachen", sagte Leutheusser-Schnarrenberger dem "Spiegel". Die Darstellung, man könne "kein Kompliment mehr machen, nicht mehr flirten oder allein mit der Kollegin Fahrstuhl fahren", sei falsch, so Leutheusser-Schnarrenberger.

Keiner verlange "ein Gesetz, wo wir reinschreiben, das ist erlaubt und das nicht. Natürlich brauchen wir keine deutsche Gründlichkeit, die jetzt vorgibt, wie sexueller Kontakt am besten passieren sollte. Das machen die Menschen schon von allein ganz gut". Zum Thema Frauen im Beruf sagte die FDP-Politikerin: "Frauen werden heute als Bedrohung wahrgenommen, weil sie es genau dahin schaffen können, wo die Männer auch hinwollen. Das war vor 25 Jahren noch nicht der Fall." Rita Süssmuth, die als erste Frauenministerin der Bundesrepublik am Kabinettstisch von Kanzler Helmut Kohl saß, erinnert sich, wie man sie damals vor gut 30 Jahren behandelt habe: "Eben wie eine Frau und nicht wie einen Menschen. Wenn Frauen damals im Bundestag redeten, dachten ja alle: Ach, das geht schon vorüber." Die Frauenquote in den Parteien sei "unverzichtbar" gewesen, "sonst hätten wir gar keinen Fuß in die Tür bekommen", sagte Süssmuth dem Nachrichtenmagazin. Heute allerdings sei sie der Meinung, die Quote sei viel zu schwach: "Ich bin jetzt für Parität." Über ihre Parteikollegin Angela Merkel sagte Süssmuth: "Ihr war vieles in der Bundesrepublik fremd. Sie ist nicht als Frauenanwältin gekommen." Aber als Merkel mitbekommen habe, "wie es in der Bundesrepublik wirklich zugeht, hat sich ihre Haltung stark verändert". Die Sozialdemokratin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die von 1998 bis 2009 Entwicklungsministerin war, ist nach eigenen Worten "auf großes Entsetzen" gestoßen, als sie für den SPD-Vorsitz kandidierte: "Wie konnte eine Frau es wagen anzutreten, wo doch auch Gerhard Schröder und Rudolf Scharping die Position haben wollten." Schröder, so Wieczorek-Zeul, "hat einen nur respektiert, wenn man klare Kante zeigte". Der SPD-Altkanzler sei "nie ein Heuchler" gewesen. Der "zivilisierteste Mann" in Sachen Frauenrechten sei Willy Brandt gewesen, sagte Wieczorek-Zeul dem "Spiegel". Er habe in der Partei-Programmkommission den Satz durchgebracht: "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden."

dts Deutsche Textservice Nachrichtenagentur GmbH

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