Migration, Flüchtlinge

Die doppelte Staatsbürgerschaft soll in Deutschland eigentlich die Ausnahme sein.

10.08.2018 - 14:46:06

7500 Briten werden Deutsche - Viele Eingebürgerte behalten alten Pass - eine Brexit-Folge?. Doch immer mehr Eingebürgerte haben einen «Doppelpass». Das hängt auch mit dem Brexit zusammen. Und mit Regelungen in den Herkunftsländern.

Berlin/Wiesbaden - In Deutschland behalten sechs von zehn Eingebürgerten ihre alte Staatsbürgerschaft. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervor, über die «Die Welt» am Freitag berichtete.

Danach haben im vergangenen Jahr 68.918 von insgesamt 112.211 Menschen trotz Einbürgerung in Deutschland ihre bisherige Staatsbürgerschaft behalten. Das entspricht einer Rekordquote von 61,4 Prozent. So gab kein eingebürgerter Iraner, Syrer, Afghane oder Marokkaner den Pass seines Herkunftslandes ab.

Dass die Doppelstaatler-Quote in den vergangenen beiden Jahren von 54 auf 61 Prozent angestiegen ist, führt die Bundesregierung allerdings vor allem auf den Brexit zurück. Ein Sprecher des Innenministeriums verwies in Berlin darauf, dass die Zahl der Einbürgerungen von britischen Staatsbürgern seit dem Referendum über den Austritt Großbritanniens aus der EU massiv angestiegen sei.

Tatsächlich zeigen die Zahlen der Statistiker, dass im Jahr 2015 nur 622 Briten die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben, im Jahr 2017 hingegen 7493 - so viele wie nie zuvor. Und EU-Bürger dürfen ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft grundsätzlich behalten.

Eigentlich sieht das deutsche Staatsangehörigkeitsgesetz vor, dass ein Ausländer nach acht Jahren im Land eingebürgert werden kann - vorausgesetzt, dass er «seine bisherige Staatsangehörigkeit aufgibt oder verliert». Von dieser Vorschrift wird allerdings abgewichen, wenn es sich um Bürger eines EU-Landes handelt oder wenn jemand seine bisherige Staatsangehörigkeit «nicht oder nur unter besonders schwierigen Bedingungen aufgeben kann». Diese Regelung greift unter anderem bei Menschen aus Afghanistan, dem Iran und den Maghreb-Staaten - denn diese Ländern ermöglichen ihren Bürgern grundsätzlich kein Ausscheiden aus der Staatsbürgerschaft.

«Die hierdurch bedingte Hinnahme von Mehrstaatigkeit ist also im ausländischen Recht beziehungsweise in der dortigen Rechtspraxis begründet», heißt es aus dem Innenministerium. Von den im Vorjahr eingebürgerten Iranern (2689), Syrern (2479), Afghanen (2400), Marokkanern (2390), Libanesen (1294), Tunesiern (1125), Nigerianern (954) und Algeriern (462) gab somit kein einziger seinen alten Pass ab.

Die AfD lehnt diese Praxis jedoch ab und fordert eine vollständige Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft. «Sollte ein anerkannter Flüchtling die deutsche Staatsbürgerschaft anstreben, muss er seinen alten Pass abgeben», betonte die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel. «Alles andere erschwert nur die ohnehin schwierige Integration noch weiter.» Gleichzeitig möchte sie höhere Hürden für eine Einbürgerung: «Es ist ein Unding und eine Respektlosigkeit gegenüber den Deutschen, wie unsere Staatsbürgerschaft an jeden x-beliebigen Einwanderer verschleudert wird.»

@ dpa.de

Weitere Meldungen

NATO-Draht-Grenzmauer Kirstjen Nielsen, Heimatschutzministerin der USA, besichtigt die Stacheldraht NATO-Draht-Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko. (Media, 21.11.2018 - 08:58) weiterlesen...

Grüne: Spahn stellt internationale Verlässlichkeit in Frage. Berlin - Im Streit um den UN-Migrationspakt werfen die Grünen Gesundheitsminister Jens Spahn vor, die internationale Zusammenarbeit als «Pfand» für Parteitaktik zu nutzen. Der Kandidat für den CDU-Vorsitz sei offenbar bereit, für den innerparteilichen Wettkampf die «Verlässlichkeit Deutschlands auf internationaler Ebene in Frage zu stellen», sagte Grünen-Chefin Annalena Baerbock der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Spahn hatte vorgeschlagen, den Migrationspakt erst breiter zu diskutieren und ihn gegebenenfalls nicht wie geplant schon am 10./11. Dezember anzunehmen. Grüne: Spahn stellt internationale Verlässlichkeit in Frage (Politik, 21.11.2018 - 07:28) weiterlesen...

Entlang der Grenze Mittelamerikanische Migranten auf dem Weg von Mexicali nach Tijuana. (Media, 21.11.2018 - 07:02) weiterlesen...

Große regionale Unterschiede - Flüchtlingsbürgen sollen 20 Millionen Euro erstatten Berlin - Die Bundesagentur für Arbeit hat bundesweit 2500 Bescheide registriert, mit denen sogenannte Flüchtlingsbürgen zur Kasse gebeten werden sollen. (Politik, 21.11.2018 - 06:46) weiterlesen...

Auswärtiges Amt sieht Rückkehrer in ganz Syrien in Gefahr. Dem Papier zufolge müssen Flüchtlinge bei einer Abschiebung in ihr Heimatland Repressalien und Gewalt befürchten, wie «Süddeutsche Zeitung», NDR und WDR sowie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichten. Berlin - Ein neuer Bericht des Auswärtigen Amts zeichnet eine immer noch düstere Sicherheitslage in Syrien und heizt die Debatte über Abschiebungen in das Bürgerkriegsland weiter an. (Politik, 20.11.2018 - 19:14) weiterlesen...

Israel und Polen sagen Nein zum Migrationspakt. Berlin - International wächst der Widerstand gegen den Migrationspakt der Vereinten Nationen. Die Regierungen von Israel und Polen kündigten am Dienstag an, dass sie die umstrittene Vereinbarung endgültig nicht unterzeichnen werden. Zuvor hatten schon die USA, Österreich, Ungarn und Australien dem Vorhaben eine Absage erteilt. Der Pakt, mit dem die Vereinten Nationen erstmals Grundsätze für den Umgang mit Migranten festlegen wollen, soll bei einem Gipfeltreffen am 10. und 11. Dezember in Marokko beschlossen werden. Israel und Polen sagen Nein zum Migrationspakt (Politik, 20.11.2018 - 17:48) weiterlesen...