Leute, Monarchie

Die Briten machen in Europa derzeit vor allem Ärger - ihr Brexit stellt die EU auf die Probe.

19.07.2017 - 16:38:06

Royaler Besuch - Zwischen Merkel und Marzahn - Kate und William in Berlin. Da können Bilder von lächelnden Royals und süßem königlichem Nachwuchs nicht schaden. Eine Mission, die Prinz William und seine Familie mühelos erfüllen.

  • Royaler Besuch - Foto: Bernd von Jutrczenka

    Die britische Prinzessin Charlotte bei der Ankunft in Berlin. Foto: Bernd von Jutrczenka

  • Royaler Besuch - Foto: Kay Nietfeld

    Der kleine George wirkt ein bisschen müde. Foto: Kay Nietfeld

  • Royaler Besuch - Foto: Bernd Von Jutrczenka

    Royaler Sommer in Berlin: William und Kate sind mit ihren Kindern sicher gelandet. Foto: Bernd Von Jutrczenka

  • Royaler Besuch - Foto: Bernd von Jutrczenka

    Die keine Prinzessin Charlotte hat Blümchen bekommen. Foto: Bernd von Jutrczenka

  • Royaler Besuch - Foto: Bernd von Jutrczenka

    Die Blümchen von Prinzessin Charlotte scheinen gut zu riechen. Foto: Bernd von Jutrczenka

  • Royaler Besuch - Foto: Rainer Jensen

    Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt Prinz William und Herzogin Kate im Bundeskanzleramt. Ein gemeinsames Mittagsessen steht an. Foto: Rainer Jensen

  • Royaler Besuch - Foto: Kay Nietfeld

    Die britischen Royals starten ihren dreitägigen Deutschlandbesuch in Berlin. Foto: Kay Nietfeld

  • Royaler Besuch - Foto: Rainer Jensen

    Vertrauliche Gespräche: Angela Merkel und das royale Paar. Foto: Rainer Jensen

  • Royaler Besuch - Foto: Wolfgang Kumm

    Die Atmosphäre ist entspannt unt heiter: Bundeskanzlerin Angela Merkel plaudert mit dem royalen Paar. Foto: Wolfgang Kumm

  • Royaler Besuch - Foto: Soeren Stache

    Prinz William und Herzogin Kate am Brandenburger Tor. Foto: Soeren Stache

  • Royaler Besuch - Foto: Kay Nietfeld

    Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller hat viel zu erzählen. Seine Tochter Nina (l) und das royale Paar hören aufmerksam zu. Foto: Kay Nietfeld

  • Royaler Besuch - Foto: Kay Nietfeld

    Herzogin Kate muss viele Hände schütteln. Foto: Kay Nietfeld

  • Royaler Besuch - Foto: Jörg Carstensen

    Prinz William und Herzogin Kate besuchen das Holocaust-Mahnmal in Berlin. Foto: Jörg Carstensen

  • Royaler Besuch - Foto: Bernd von Jutrczenka

    William und Kate im Gespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Leon Schwarzbaum. Foto: Bernd von Jutrczenka

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Berlin - Der kleine Prinz ist müde. Bei der Ankunft der Royals in Berlin verlässt George, drei Jahre alt und Dritter der britischen Thronfolge, als Erster die Maschine - wie immer in kurzen Hosen und augenscheinlich gerade aufgewacht oder schon kurz vor dem Mittagsschlaf.

Er reibt sich die Augen und baumelt an der Hand seines Vaters William. Schwester Charlotte (2) sitzt zuerst auf dem Arm von Mutter Kate, dann geht die Familie Hand in Hand über den Flughafen.

So beginnt der erste Deutschlandbesuch von Prinz William mit Frau und Kindern - der vielleicht beliebtesten Markenbotschafter Großbritanniens in einer Zeit, in der das Land mit seinem Brexit-Votum den Europäern viel Ärger einbrockt.

Die Garderobe der Vier war in dunklem und royalem Blau gehalten. Will man das als Kleiderdiplomatie sehen, könnte man vielleicht sagen: Kates Kleid leuchtete in Europa-Blau.

Erste Station: Bundeskanzleramt, Mittagessen mit Angela Merkel (63, CDU). Es gibt Fisch und Gespräche, unter anderem über Europa, wie das Bundespresseamt angekündigt hat. Nach draußen dringt wie üblich erst mal nichts. Aus dem schwarzen Jaguar stiegen nur William und Kate, die Kinder haben erstmal frei. Aufwendige militärische Ehren gibt es nicht, das ist schließlich kein Staatsbesuch.

Es geht um Freundschaft - #Freundship ist denn auch in einer Mischung aus Englisch und Deutsch eines der Schlagwörter zu dem Besuch im Netz. Allerdings war der Trip der jungen Königshaus-Generation schon in Planung, als die Briten über ihren EU-Austritt noch gar nicht abgestimmt hatten. So oder so, schöne Bilder zu produzieren ist nun mal die wichtigste Aufgabe des britischen Königshauses, das politisch keine Macht mehr hat, aber meist im Auftrag der Regierung im Ausland unterwegs ist.

Dazu gehört natürlich ein Gang durch das deutsche Wahrzeichen Brandenburger Tor und ein Bad in der Menge. Viele Schaulustige warten in der Sommerhitze, um eine royale Hand zu schütteln und einen Schnappschuss zu ergattern.

Kate und William waren zum Plaudern aufgelegt: Minutenlang sprachen die beiden 35-Jährigen mit den Royal-Fans, ließen sich für Selfies ablichten und posierten schließlich für die Pressefotografen vor der Tor-Kulisse. Mit dabei ist Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) mit Tochter Nina (19), die später sagen wird: «Die sind genau so, wie man sie sich vorgestellt hat.»

Die Reise der jungen Royal-Generation hat aber nicht nur glamouröse und liebliche, sondern auch ernste Momente. Vom Brandenburger Tor geht es zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Den Rundgang durch die zugehörige Ausstellung nennt Prinz William «sehr bewegend». Die beiden sprechen intensiv mit dem Holocaust-Überlebendenden Leon Schwarzbaum, der wie Williams Großvater, Prinz Philip, 96 Jahre alt ist. Die Royals stellen viele Fragen, lassen sich Fotos zeigen. Am Vortag erst haben sie in dem bei Danzig gelegenen ehemaligen deutschen Konzentrationslager Stutthof Überlebende getroffen.

Weiter geht es ins Plattenbauviertel Marzahn, wo Kate und William Straßenkinder treffen und Teresa Enke kennenlernen, die Witwe des Torhüters, der sich 2009 das Leben nahm. Ihre Stiftung macht auf Depressionskrankheiten aufmerksam. Routine für Royals. Einerseits - Besuche bei «Charities», wie das in Großbritannien heißt, gehören zum Alltag. Andererseits haben vor dem 20. Todestag von Diana sowohl William als auch sein Bruder Harry öffentlich über das Trauma gesprochen, dass der Unfalltod ihrer Mutter für sie bedeutete.

Ausklingen sollte der Royal-Tag in Berlin typisch britisch: Mit Tee bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue und einer späten Geburtstagsfeier für die Queen in der Residenz des britischen Botschafters. Elizabeth II. ist dieses Jahr 91 Jahre alt geworden. Ihr Enkel dürfte die Tiefe der deutsch-britischen Freundschaft loben, so ist es üblich. Nächste Station der Deutschlandreise: Heidelberg, mit einem Ruderrennen auf dem Neckar. Noch mehr schöne Bilder für Großbritanniens Image-Pflege.

@ dpa.de

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