Justiz, Russland

Die Band-Mitglieder sprechen von einem Mordanschlag.

16.09.2018 - 10:08:06

Nach Vergiftungserscheinungen - Erkranktes Pussy-Riot-Mitglied zur Behandlung in Berlin. Nun ist Pussy Riot-Aktivist Wersilow in Berlin angekommen. Spezialisten sollen feststellen, ob der als «Flitzer» vom WM-Endspiel bekannt gewordene Mann vergiftet worden sein könnte.

Berlin/Moskau - Ein möglicherweise vergiftetes Mitglied der russischen Polit-Punk-Band Pussy Riot ist zur Behandlung nach Berlin geflogen worden.

Die «Bild»-Zeitung berichtete, Piotr Wersilow sei am späten Samstagabend mit einem Ambulanz-Flieger in Berlin-Schönefeld gelandet und solle nun von Spezialisten behandelt werden. Wersilows Partnerin, Nadeschda Tolokonnikowa, veröffentlichte Tweets, auf denen offenbar die Ankunft in Berlin zu sehen ist.

Wersilow war beim Finalspiel der Fußball-WM Mitte Juli mit drei anderen Mitgliedern in Uniformen auf das Feld gerannt, um unter anderem gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Die «Flitzer» wurden daraufhin zu Arreststrafen verurteilt.

Am Donnerstag war Wersilow in ein Moskauer Krankenhaus gebracht worden. Pussy Riot-Mitglieder hatten gemutmaßt, er sei vergiftet worden und schwebe in Lebensgefahr. Er habe nach einem Gerichtstermin zwei Tage zuvor kaum noch sehen, sprechen oder sich bewegen können. Er habe auch das Bewusstsein verloren. Nach Medienberichten fanden Ärzte in seinem Blut starke Psychopharmaka.

Tolokonnikowa sagte der «Bild»-Zeitung auf dem Flughafen Schönefeld, sie gehe davon aus, dass ihr Partner mit Absicht vergiftet worden sei und dass es entweder um Einschüchterung oder sogar einen Mordanschlag gehe.

Veronika Nikulschina, eine Freundin von Wersilow, hatte am Samstag der Internetzeitung «Meduza» gesagt, ein Freund seines Vaters, der in einer Berliner Klinik arbeitet, solle die Behandlung außerhalb Russlands angeboten haben. Wersilows Mutter Elena und die Freundin wollten ihn nach Berlin begleiten.

Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden. Tolokonnikowa war 2012 nach einem «Punk-Gebet» in einer Kirche verhaftet und wegen «Rowdytums aus religiösem Hass» zu Haft verurteilt worden. Sie kam Ende 2013 frei.

@ dpa.de

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