WM, Louis van Gaal

Der WM-Pokal ist das Ziel der Niederlande - und gegen die USA zeigte die Mannschaft erstmals über weite Strecken die Reife eines Titelkandidaten.

03.12.2022 - 18:01:13

Oranje schlägt US-Boys 3:1: Niederlande im WM-Viertelfinale. Nun könnte es ein Duell mit Argentinien geben.

  • Die Niederlande steht als erstes Team im Viertelfinale der WM. - Foto: Tom Weller/dpa

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  • Für die USA um den Ex-Schalker Weston McKennie (r) ist das Turnier beendet. - Foto: Tom Weller/dpa

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  • Memphis Depay (r) schießt den Ball zum 1:0 für die Niederlande ins Netz. - Foto: Tom Weller/dpa

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  • Daley Blind erhöhte kurz vor der Pause auf 2:0. - Foto: Adam Davy/PA Wire/dpa

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  • Nach dem 3:1 von Denzel Dumfries (vorne) war die Partie entschieden. - Foto: Tom Weller/dpa

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  • Der Niederländer Cody Gakpo (r) im Kopfballduell mit dem US-Amerikaner Tim Ream. - Foto: Tom Weller/dpa

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Die Niederlande steht als erstes Team im Viertelfinale der WM. - Foto: Tom Weller/dpaFür die USA um den Ex-Schalker Weston McKennie (r) ist das Turnier beendet. - Foto: Tom Weller/dpaMemphis Depay (r) schießt den Ball zum 1:0 für die Niederlande ins Netz. - Foto: Tom Weller/dpaDaley Blind erhöhte kurz vor der Pause auf 2:0. - Foto: Adam Davy/PA Wire/dpaNach dem 3:1 von Denzel Dumfries (vorne) war die Partie entschieden. - Foto: Tom Weller/dpaDer Niederländer Cody Gakpo (r) im Kopfballduell mit dem US-Amerikaner Tim Ream. - Foto: Tom Weller/dpa

Louis van Gaal schaute seinen Arm in Arm im Mittelkreis tanzenden Oranje-Stars aus einigen Metern Entfernung mit zufriedener Miene zu. Der viel kritisierte Trainer hat mit den Niederlanden den Einzug in das Viertelfinale der Fußball-WM bejubelt und die zarten Titelhoffnungen von Oranje vergrößert.

Nach einer über weite Strecken abgeklärten Leistung musste die Elftal beim 3:1 (2:0) gegen eine leidenschaftlich kämpfende US-Auswahl am Ende nur kurz um das Weiterkommen bangen. Zwölf Jahre nach dem letzten Weltmeisterschafts-Endspiel beim Turnier in Südafrika hofft Holland auf eine Final-Teilnahme am 18. Dezember - doch Wackler wie in der zweiten Hälfte gegen die USA darf sich das Ensemble von van Gaal dann nicht erlauben. Gegner im Viertelfinale am Freitag sind entweder Lionel Messi und Argentinien oder Australien.

«Natürlich sind wir sehr zufrieden, dass wir im Viertelfinale stehen. Aber wir bleiben auch selbstkritisch», sagte Innenverteidiger Virgil van Dijk und ergänzte: «Daheim sind viele kritisch, weil sie wissen, dass wir besser spielen können. Es sind noch viele Dinge, die wir besser machen können. Vor allem, wenn wir in Ballbesitz sind.»

Dumfries: «Wir glauben an uns»

Zur Aussicht, dass drei weitere Siege den WM-Titel bedeuten würden, meinte der 31-Jährige: «Das klingt sehr einfach. Wir werden sehen. Wir werden auf jeden Fall alles dafür tun.» Abwehrkollege Denzel Dumfries resümierte: «Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Wir glauben an uns, wir haben eine starke Mannschaft, große Spieler, starke Spieler.»

Im ersten und nicht sonderlich stimmungsvollen Achtelfinale am Samstag im Chalifa International Stadion erfreute sich van Gaal auf seiner Trainerbank an den zum Teil sehr sehenswert heraus gespielten Treffern - und daran, es den Kritikern seines Spielstils gezeigt zu haben. Die Schwächephase nach der Pause dürfte ihn aber geärgert haben.

Memphis Depay (10. Minute), Daley Blind (45.+1) und der herausragende Dumfries (81.) dokumentierten mit ihren Toren vor 44.846 Fans den Unterschied zwischen einem echten Titelkandidaten und einer talentierten, aber noch nicht reifen Nationalmannschaft.

USA engagiert, Niederlande effektiv

Die junge US-Auswahl um Torschütze Haji Wright (76.) zeigte dann aber, welche Mentalität in ihr steckt - und kam beeindruckend in das Spiel zurück. Sie weckte damit in der Heimat bei starken Einschaltquoten Vorfreude auf die WM in vier Jahren, bei der sie gemeinsam mit Mexiko und Kanada Gastgeber ist. Diesmal mussten die US-Kicker abgekämpft auf dem Rasen den neben ihnen hüpfenden Holländern beim Feiern zuschauen. Enttäuscht schritten sie zum Goodbye zu ihren Fans.

US-Coach Gregg Berhalter gab hernach zu: «Es war ein schwieriges Spiel.» Dennoch sei er «stolz» auf seine Elf: «Die Jungs haben es super gespielt. Es war umkämpft, wir waren nah dran. Die Jungs haben alles gemacht, was sie konnten.»

Die US-Amerikaner um den rechtzeitig genesenen Star Christian Pulisic boten zwar eine engagierte Leistung, konnten sich nach dem Wirkungstreffer zum 0:1 trotz einiger guter Vorstöße und Möglichkeiten aber erst in der Schlussphase entscheidend in Szene setzen. Mit einer Effektivität der Niederländer, die seit van Gaals Amtsantritt im September 2021 ungeschlagen sind, wäre mehr drin gewesen.

Erstes Turniertor für Depay

Im Gegensatz zu seinem US-Trainerkollegen Berhalter, der lautstark und gestenreich immerzu von der Seitenlinie aus antrieb, hockte Routinier van Gaal fast über die gesamte Spielzeit auf seiner Bank. Der 71-Jährige freute sich als WM-Oldie unter den 32 Trainern, dass Depay nach einer Passfolge über 20 Stationen mit seinem ersten Turniertor das Spiel zwischen zwei in der Gruppenphase ungeschlagenen Teams in die von ihm gewünschte Richtung lenkte.

Ausgerechnet Depay, für den Prinzipien-Trainer van Gaal eine nach eigenen Worten einzigartige Ausnahme machte. Der Stürmer des FC Barcelona, der zwei Monate wegen Oberschenkelproblemen ausgefallen war, durfte trotzdem in den Kader.

Perfekt in die Strategie von van Gaal passte, dass sein erfahrenster Mann auf 2:0 erhöhte und damit das Spiel früh entschied. Blind, der seit Ende 2019 mit einem Herzschrittmacher spielt, feierte sein erst drittes Tor im 98. Länderspiel in den Armem von Wout Weghorst. Nach der anschließenden Jubeltraube gleich vor van Gaal gab es noch eine besonders herzliche Umarmung mit Vater und Trainer Danny. Ein besonderer Dank der Torschützen galt Dumfries, der die beiden Treffer vorbereitet hatte.

US-Team fehlt die Kaltschnäuzigkeit

Pulisic, der beim gefeierten 1:0-Siegtor gegen den Iran eine Beckenprellung erlitten hatte, vergab in der Anfangsphase eine große Chance (3.). Auch seine Kollegen Tim Ream (52.), Weston McKennie (54.) oder Wright (75.) tauchten gefährlich vorne auf - doch am Ende fehlte zu oft die Kaltschnäuzigkeit.

Berhalter, in den 1990er Jahren einst Profi in den Niederlanden, versuchte durch Wechsel  - unter anderem kam der Dortmunder Giovanni Reyna - noch einmal die Wende zu schaffen und wie zuletzt 2002 das Viertelfinale zu erreichen. Auf der Gegenseite hielt Matt Turner sein Team noch im Spiel, allerdings spielten die Holländer auch ihre Angriffe schlampig zu Ende. 

@ dpa.de