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Prozesse, Kriminalität

Der Prozess um die tödliche Amokfahrt in Trier beginnt: Ein Mann raste mit einem SUV durch die Fußgängerzone, tötete und verletzte gezielt Passanten.

19.08.2021 - 04:18:09

Prozess - Mutmaßlicher Amokfahrer von Trier vor Gericht. Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst.

Trier - Es waren vier Minuten, die Leben zerstörten und eine Stadt in Schrecken versetzten: Fast neun Monate nach der tödlichen Amokfahrt in Trier beginnt heute der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Die Anklage wirft dem 51-Jährigen fünffachen Mord und versuchten Mord in 18 weiteren Fällen vor. 14 Menschen wurden bei der Amokfahrt schwer verletzt, vier hatten dem Fahrzeug noch im letzten Moment ausweichen können.

Der Mann soll mit seinem Geländewagen durch die Trierer Fußgängerzone teils mit Tempo 80 gerast sein, um möglichst viele Menschen zu töten oder zu verletzen. Dabei sei er in einem Zickzack-Kurs wahllos und gezielt auf Passanten zugefahren, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Er habe es ausgenutzt, dass die Passanten arglos in der Innenstadt unterwegs waren und sich keiner Gefahr bewusst waren.

Bei der Tat am 1. Dezember 2020 wurden fünf Menschen getötet: ein neun Wochen altes Baby, dessen Vater (45) und drei Frauen im Alter von 73, 52 und 25 Jahren. Zudem gab es weitere körperlich Verletzte und 300 Traumatisierte, die Augenzeugen der Tat wurden. Trier stand tagelang unter Schock und fiel dann in wochenlange Trauer.

Der Prozess vor dem Landgericht Trier ist bis Ende Januar 2022 terminiert. Am ersten Prozesstag soll die Anklage verlesen werden. Zeugen sind nach Angaben des Gerichts noch nicht geladen. Das Motiv des angeklagten Deutschen ist unklar. Nach vorläufiger Einschätzung eines psychiatrischen Sachverständigen leidet der Angeklagte an einer Psychose und hatte vor der Tat Alkohol getrunken.

«Es wird ein emotionaler Prozess», sagte Anwalt Otmar Schaffarczyk, der die Nebenklage des Bruders der getöteten Seniorin vertritt. Es sei die Frage nach dem Warum, die Angehörige und Opfer vor allem umtreibe. Im Prozess sind insgesamt 14 Nebenkläger über Anwälte vertreten. Nicht alle der Betroffenen werden erscheinen. Als Ansprechpartner für Opfer und Angehörige im Gericht wird die Notfall-Seelsorge und Stiftung Katastrophen-Nachsorge vor Ort sein.

Der Leiter des Kommissariats für Kapitaldelikte bei der Kripo Trier, Christian Soulier, sagte: «Das ist ein Fall, der ist Gott sei Dank sehr selten und außergewöhnlich.» Für ihn sei es organisatorisch einer der bislang größten Einsätze gewesen. Hunderte Augenzeugen mussten vernommen werden - die Verhöre seien bis Mitte Januar gegangen.

© dpa-infocom, dpa:210819-99-890697/2

@ dpa.de

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