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Klima, Weltklimabericht

Der Klimawandel bedroht die Menschheit und es gibt nur noch begrenzte Zeit, das Ruder herumzureißen.

09.08.2021 - 18:12:10

Weltklimarat - Klimabericht sagt drastische Klimawandel-Folgen voraus. Das ist das Fazit des Weltklimarats. Er sagt, was nun nötig ist.

  • Feuer - Foto: Ivan Nikiforov/AP/dpa

    Ein Feuerwehrmann beobachtet westlich von Jakutsk in Russland einen Waldbrand. Foto: Ivan Nikiforov/AP/dpa

  • Waldbr?nde in Griechenland - Foto: Thodoris Nikolaou/AP/dpa

    Ein verbrannter Wald in der N?he des Dorfes Limni, etwa 160 Kilometer n?rdlich von Athen, auf der Insel Eub?a. Foto: Thodoris Nikolaou/AP/dpa

  • Starkregen - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

    Laut Weltklimabericht wird es immer h?ufiger Starkregen geben. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

  • Trostlos - Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

    Wo einst Fichten standen, sind nur ein paar Laubb?ume ?brig: St?rme, hei?e Sommer sowie die damit verbundene Vermehrung des Borkenk?fers machen dem Wald zu schaffen. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

  • Rauch - Foto: Ringo H.W. Chiu/FR170512 AP/dpa

    Der Rauch eines Buschfeuers im US-Bundesstaat Kalifornien verdunkelt den Himmel. Foto: Ringo H.W. Chiu/FR170512 AP/dpa

  • Risse im Ackerboden - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

    Ausgetrockneter Ackerboden im bayerischen Hammelburg. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Feuer - Foto: Ivan Nikiforov/AP/dpaWaldbr?nde in Griechenland - Foto: Thodoris Nikolaou/AP/dpaStarkregen - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpaTrostlos - Foto: Rolf Vennenbernd/dpaRauch - Foto: Ringo H.W. Chiu/FR170512 AP/dpaRisse im Ackerboden - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Genf - Mehr Hitzewellen, Dürren und Starkregen: Der menschengemachte Klimawandel beschleunigt sich, und das mit verheerenden Folgen, wie aus dem neuen Bericht des Weltklimarats hervorgeht.

Er zeigt so deutlich wie nie zuvor auf, wie der steigende Treibhausgas-Ausstoß den Planeten bedroht. Der Meeresspiegel steigt schneller, das Eis an den Polen und Gletscher schmelzen rascher.

Das angestrebte Ziel, die Erwärmung möglichst bei 1,5 Grad über der vorindustriellen Zeit zu begrenzen, wird nach den Modellrechnungen wahrscheinlich selbst bei den striktesten Klimaschutzmaßnahmen schon in den nächsten 20 Jahren überschritten. Im Durchschnitt der Klimaszenarien passiere das in den frühen 2030er Jahren, schreibt das Deutsche Klima-Konsortium. Insgesamt haben mehr als 230 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern rund 14.000 Klima-Studien für den Weltklimarat (IPCC) ausgewertet, die seit dem letzten Bericht dieser Art 2013 erschienen sind.

Die Menschen müssten sich wegen der steigenden Temperaturen auf mehr Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen und Hitze einstellen, heißt es in dem Bericht. Der Weltklimarat erwähnt keine einzelnen Katastrophen, aber mit Extremereignissen sind Überschwemmungen wie jüngst in Deutschland oder extreme Hitze wie in Südosteuropa und im Westen Kanadas gemeint.

Das 1,5-Grad-Ziel steht im Pariser Klimaabkommen von 2015. Die Staaten wollen die Erwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Niveau (1850-1900) deutlich unter zwei Grad halten, möglichst aber bereits bei 1,5 Grad. Bislang liegt die Erwärmung bei etwa 1,1 Grad, mit regionalen Unterschieden. In Deutschland sind es schon 1,6 Grad. Die vergangenen sechs Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Messungen.

Noch können die Menschen das Ruder herumreißen und die schlimmsten Folgen verhindern, sagt die Wissenschaft. «Wenn wir die Emissionen schnell herunterfahren, haben wir eine gute Chance, das 2-Grad-Ziel einzuhalten», sagte einer der Autoren, Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. Dazu müsste bis spätestens 2070 Klimaneutralität erreicht werden. Selbst bei gutem Klimaschutz dürfte der Meeresspiegel nach dem Bericht Ende des Jahrhunderts um bis zu 62 Zentimeter höher sein als 1995-2014. Klimaneutralität heißt, dass nur noch höchstens so viel Treibhausgas ausgestoßen wird wie Senken aufnehmen können.

«Der Planet schwebt in Lebensgefahr und mit ihm seine Bewohner», mahnte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Deutschland will Klimaneutralität bis 2045 schaffen, weitere Länder sollen ihre Pläne dazu bei der Weltklimakonferenz im November in Glasgow vorstellen. «Wie wir den Treibhausgasausstoß senken können, wissen wir», sagte Schulze: «Mit einer raschen Abkehr von Kohle, Öl und Gas, mit dem Ausbau der Sonnen- und Windkraft und der Produktion von grünem Wasserstoff als klimafreundlichem Energieträger.»

Auf höhere Ausbauziele bei der Wind- und Solarenergie hat sich die schwarz-rote Bundesregierung bislang aber nicht einigen können. Schulze warf der Union indirekt eine Blockade beim Ausbau der Wind- und Solarkraft vor. Das Wirtschaftsministerium - von Minister Peter Altmaier von der CDU geführt - bringe die erneuerbaren Energien nicht genügend voran.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg rief die Politik zu mutigen Entscheidungen auf. Die schlimmsten Folgen des Klimawandels könnten zwar noch verhindert werden. «Aber nicht, wenn wir weitermachen wie heute, und nicht, ohne die Krise wie eine Krise zu behandeln», schrieb sie auf Twitter und Instagram.

«Das Zeitfenster der nächsten Legislaturperiode muss genutzt werden, um entscheidende Weichen noch zum Besseren zu stellen», forderte Christoph Bals von der Organisation Germanwatch. «Die Klimawissenschaft zeigt die epochale Herausforderung, vor der wir stehen.» Die Parteien sollten im Wahlkampf zeigen, mit welchem Gesamtkonzept und Sofortprogramm die Klimakrise bekämpft werden soll. «Wir müssen jetzt radikal umsteuern, um die Klimakrise zu bekämpfen und unsere Lebensgrundlage zu erhalten», forderte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Mit dem Bericht ist zweifelsfrei klar, dass praktisch der gesamte Klimawandel seit Ende des 19. Jahrhunderts auf den Menschen zurückzuführen ist. Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre sei die höchste seit etwa zwei Millionen Jahren, sagte der Ko-Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Panmao Zhai.

Die G20, also die Gruppe der größten Industrie- und Schwellenländer, trage eine besondere Verantwortung, sagte die Chefin des UN-Umweltprogramms (UNEP), Inger Andersen. Sie seien für 80 Prozent der bisherigen Emissionen verantwortlich.

Der Weltklimarat nennt auch zwei Horrorentwicklungen, die zwar unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen seien. Zum einen ist das ein Anstieg des Meeresspiegels um zwei Meter bis Ende des Jahrhunderts, je nachdem, wie der Eisschild der Antarktis weiter schmilzt. Zum anderen ist das ein Kollaps der Atlantischen Umwälzströmung (AMOC), die schon an Fahrt verloren hat. Sie verteilt kaltes und warmes Wasser im Atlantik und beeinflusst etwa den für Milliarden Menschen wichtigen Monsun in Afrika und Asien. Ein Zusammenbruch des Systems, zu dem auch der Golfstrom gehört, würde Europa trockeneres Klima bringen.

Der Weltklimarat entwirft fünf Szenarien, je nach Höhe der Emissionen. Darunter sind zwei, in denen die Welt etwa 2050 bis 2070 Klimaneutralität erreicht und danach mehr CO2 speichert als ausstößt. Nur damit könnte der Anstieg der Mitteltemperatur bei 1,8 Grad begrenzt werden oder darunter bleiben. Bei gleichbleibenden Emissionen bis 2050 würde die Temperatur Ende dieses Jahrhunderts um 2,1 bis 3,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen. In zwei weiteren Szenarien mit mindestens der Verdoppelung der CO2-Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts wäre ein Anstieg bis zu 5,7 Grad möglich.

«Wenn man sich anschaut, was die einzelnen Regierungen für den Klimaschutz zugesagt haben, würde man im Moment am ehesten im mittleren Szenario landen», sagte Mitautor Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. «Für die Zukunft bleibt aber natürlich unklar, ob die Zusagen eingehalten werden oder ob die Regierungen andererseits ihre Bemühungen noch verstärken werden.» Nach Berechnungen der Energie-Agentur der US-Regierung steigt der Treibhausgasausstoß nach derzeitigen Trends von heute rund 36 Milliarden Tonnen auf mehr als 42 Milliarden Tonnen im Jahr bis 2050.

Die Zusammenfassung des Berichts für politische Entscheidungsträger haben Vertreter der 195 IPCC-Mitgliedsländern einstimmig abgesegnet. «Die Regierungen sitzen also mit im Boot, keiner kann hinterher sagen: Ich habe damit nichts zu tun», sagte Marotzke.

© dpa-infocom, dpa:210809-99-773213/14

@ dpa.de