Kriminalität, Geheimdienste

Der Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Skripal in Südengland löste schwere Spannungen zwischen dem Westen und Russland aus.

12.04.2018 - 17:47:28

Kein HInweis auf Täter - OPCW bestätigt: Skripal mit tödlicher Chemikalie vergiftet. Nun bestätigt die OPCW den Einsatz des Giftes.

  • Julia Skripal - Foto: Facebook/AP/Julia Skripal

    Julia Skripal wurde aus dem Krankenhaus im südenglischen Salisbury entlassen. Sie ist nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort und hat auch Kontakt zu ihren Freunden. Foto: Facebook/AP/Julia Skripal

  • Krankenhaus in Salisbury - Foto: Matt Dunham/AP

    Eingangsschild vor dem Salisbury Memorial Hospital. Julia Skripal wurde hier kürzlich entlassen. Ihr Vater wird noch behandelt. Foto: Matt Dunham/AP

Julia Skripal - Foto: Facebook/AP/Julia SkripalKrankenhaus in Salisbury - Foto: Matt Dunham/AP

Den Haag/London - Knapp sechs Wochen nach dem Attentat auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal haben unabhängige Experten den Einsatz des Nervengiftes Nowitschok bestätigt, aber keine Hinweise auf die Täter geliefert.

Die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) veröffentlichte in Den Haag die Ergebnisse ihrer Forscher. Diese bestätigen britische Angaben, nach denen der in der früheren Sowjetunion produzierte Stoff Nowitschok verwendet worden war.

Die OPCW äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift kam und wer für den Anschlag Anfang März im südenglischen Salisbury auf Skripal und seine Tochter Julia verantwortlich ist.

Die Ergebnisse der Analyse in den Labors «bestätigen die Ergebnisse Großbritanniens», teilte die Den Haager Organisation mit. Der Stoff, dessen Name nicht genannt wird, sei von hoher Reinheit. Name und Struktur der chemischen Substanz seien allerdings im Bericht aufgeführt, der nicht öffentlich sei.

Einem deutschen Chemiewaffenexperten zufolge weist der Bericht auf ein staatliches Labor als Hersteller hin. Das könne aus dem in dem Report festgestellten hohen Reinheitsgrad des Kampfstoffes und aus den nur geringen Verunreinigungen geschlossen werden, sagte der Chemiker und Toxikologe Ralf Trapp im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Der britische Außenminister Boris Johnson sagte, der OPCW-Bericht stütze seine Schlussfolgerung, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. Das Ergebnis basiere auf Tests von vier unabhängigen, hoch angesehenen Labors aus aller Welt. Alle hätten dieselben schlüssigen Resultate. «Es gibt keinen Zweifel, was benutzt wurde, und es gibt keine andere Erklärung, wer dafür verantwortlich ist - nur Russland hat die Mittel, ein Motiv und die Erfahrung», teilte Johnson in London mit. Der Kreml müsse nun Antworten geben und der Gebrauch solcher Waffen beendet werden.

Für kommenden Mittwoch hat London zu einer Sitzung des OPCW-Exekutivrats aufgerufen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Darüber hinaus beantragte Großbritannien eine Sitzung des UN-Sicherheitsrates, die in der kommenden Woche stattfinden könnte.

Russland wies die Ergebnisse der Chemiewaffenexperten zurück. Man akzeptiere keinerlei Ermittlungsergebnisse, so lange Moskau keinen Zugang zu den Untersuchungen Großbritanniens und der OPCW erhalte, sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Sacharowa, Agenturen zufolge.

In dem Bericht gebe es keine Hinweise, wie, wo und unter welchen Umständen Proben genommen wurden. Dies werfe bei russischen Experten Fragen auf. Sie bekräftigte aber Russlands Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Der stellvertretende russische Industrieminister Georgi Kalamanow sagte, Russland habe keine anderen Kampfstoffe besessen als jene, die der OPCW gemeldet worden seien. Sie seien alle bis 2017 unter Aufsicht der OPCW vernichtet worden.

Die Bundesregierung forderte Moskau indes auf, bei der Aufklärung mitzuarbeiten. «Russland ist nun aufgerufen, endlich eine konstruktive Rolle einzunehmen und die offenen Fragen zu beantworten», sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts.

London hatte Moskau bereits zuvor als Drahtzieher des Anschlags beschuldigt. Das wies Russland vehement von sich. Der Skripal-Fall führte zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen Russland und dem Westen. Dutzende Diplomaten wurden wechselseitig ausgewiesen.

Großbritannien hatte die OPCW mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt. Die Experten entnahmen Bodenproben und ließen auch Gewebe- und Blutproben der Opfer in internationalen Labors untersuchen. Russland hatte vergeblich gefordert, an der Untersuchung des Anschlags beteiligt zu werden. Andernfalls, so drohte Moskau an, werde es die Ergebnisse der OPCW-Untersuchung nicht akzeptieren.

Skripal und seine Tochter waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im südenglischen Salisbury gefunden worden. Julia Skripal war kürzlich aus dem Krankenhaus entlassen worden und befindet sich nach eigenen Angaben an einem sicheren Ort. Ihr Vater wird weiter in der Klinik behandelt. Er ist seiner Tochter zufolge ernsthaft krank. Auch sie selbst leide noch unter den Folgen der schweren Vergiftung.

Julia Skripal lehnte die angebotene Hilfe der russischen Botschaft in London ab. «Im Moment möchte ich von deren Leistungen nicht Gebrauch machen. Aber wenn ich meine Meinung ändere, lasse ich sie es wissen», teilte die 33-jährige Russin am Mittwochabend in einer über Scotland Yard verbreiteten Stellungnahme mit. Die russische Botschaft zweifelte umgehend die Echtheit des Schreibens an. Der Text sei so verfasst, dass er die Positionen der britischen Behörden untermauere und jeden Kontakt von Julia Skripal mit der Außenwelt verhindere.

Sergej Skripal hatte für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

@ dpa.de

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