Geheimdienste, Verfassungsschutzchef

Der Druck auf Horst Seehofer war immer weiter gewachsen.

05.11.2018 - 15:00:05

Entscheidung in Berlin - Seehofer versetzt Maaßen in einstweiligen Ruhestand. Nun trennt er sich von Geheimdienst-Chef Maaßen.

  • Hans-Georg Maaßen - Foto: Bernd von Jutrczenka

    Der Streit um Hans-Georg Maaßen hatte im September eine Koalitionskrise ausgelöst, die fast zum Bruch der Regierung geführt hätte. Foto: Bernd von Jutrczenka

  • Hans-Georg Maaßen und Horst Seehofer - Foto: Bernd von Jutrczenka

    Der Streit um Maaßen hatte im September eine Koalitionskrise ausgelöst, die fast zum Bruch der Regierung geführt hätte. Foto: Bernd von Jutrczenka

Hans-Georg Maaßen - Foto: Bernd von JutrczenkaHans-Georg Maaßen und Horst Seehofer - Foto: Bernd von Jutrczenka

Berlin - Bundesinnenminister Horst Seehofer hat Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen mit sofortiger Wirkung in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur an diesem Montag aus Sicherheitskreisen. Maaßens bisheriger Stellvertreter Thomas Haldenwang soll vorläufig die Aufgaben des Präsidenten des Bundesamts für Verfassungsschutz übernehmen, bis zeitnah über die Nachfolge entschieden werde, hieß es weiter.

Hintergrund der Entscheidung Seehofers ist eine Rede Maaßens vor europäischen Geheimdienstchefs am 18. Oktober in Warschau, in der er von linksradikalen Kräften in der SPD gesprochen hatte. Seine Äußerungen zu den Vorfällen in Chemnitz im August seien für diese Kräfte willkommener Anlass gewesen, einen Bruch der großen Koalition zu provozieren, sagte er dort.

In Chemnitz war am 26. August ein 35-jähriger Deutscher mutmaßlich von Asylbewerbern erstochen worden, danach kam es zu Protesten und rechtsextremistischen Übergriffen. Maaßen bezweifelte damals die Echtheit eines Videos, das eine ausländerfeindliche Attacke auf Migranten zeigt.

In dem Redemanuskript Maaßens, das der dpa und anderen Medien vorlag, heißt es unter anderem: «Ich habe bereits viel an deutscher Medienmanipulation und russischer Desinformation erlebt. Dass aber Politiker und Medien «Hetzjagden» frei erfinden oder zumindest ungeprüft diese Falschinformation verbreiten, war für mich eine neue Qualität von Falschberichterstattung in Deutschland.» Er habe lediglich klargestellt, dass es nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden in Chemnitz keine derartigen rechtsextremistischen Hetzjagden gegeben habe.

Die Spitzen von CDU, CSU und SPD hatten sich im September zunächst darauf verständigt, dass Maaßen wegen seiner umstrittenen Äußerungen als Staatssekretär ins Innenministerium wechseln sollte. Nach einer Welle der Empörung beschlossen sie dann, dass der 55-Jährige im Innenministerium im Rang eines Abteilungsleiters für europäische und internationale Aufgaben zuständig sein sollte. Auch diese Einigung war nach den jüngsten Äußerungen Maaßens nicht mehr zu halten.

Wegen umstrittener Äußerungen Maaßens war auch der Druck auf Seehofer seit dem Wochenende immer weiter gewachsen. Kanzlerin Angela Merkel ließ über ihren Sprecher Steffen Seibert erklären, sie gehe davon aus, dass Seehofer «zeitnah die angemessenen Entscheidungen trifft».

Der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, sagte dem «Handelsblatt», Seehofer müsse die Frage beantworten, warum er sich an den «Medienhasser Maaßen» klammere. «Ein Spitzenbeamter mit einer fragwürdigen Haltung zum Grundrecht der Presse- und Meinungsfreiheit hat im öffentlichen Dienst nichts mehr zu suchen», sagte Überall.

@ dpa.de