Kriminalität, Spionage

Der Anschlag auf den ehemaligen Spion Skripal hat eine schwere diplomatische Krise zwischen dem Westen und Russland ausgelöst.

04.04.2018 - 09:46:05

Fall Skripal - Chemiewaffen-Organisation OPWC berät über Giftgas-Attacke. Einen Monat nach der Attacke kommt es zur ersten direkten Konfrontation.

Den Haag - Im Konflikt um die Gift-Attacke auf den ehemaligen russischen Doppelspion Sergej Skripal treffen Großbritannien und Russland erstmals direkt aufeinander.

Der Streit steht im Mittelpunkt einer Sondersitzung des Exekutivrats der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) an diesem Mittwoch in Den Haag. Russland hatte die Sondersitzung beantragt. Dem Gremium gehören Diplomaten aus 41 Ländern an, darunter die USA, Russland, Großbritannien und Deutschland.

Im Mittelpunkt des nicht-öffentlichen Treffens des OPCW-Leitungsgremiums stehen die harten Vorwürfe Großbritanniens, das Russland für den Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok im britischen Salisbury vor einem Monat verantwortlich macht. Das Gift war in der früheren Sowjetunion hergestellt worden. Moskau weist die Vorwürfe vehement zurück und beschuldigt London der anti-russischen Propaganda.

Bislang konnte Großbritannien keine Beweise vorlegen. Ein britisches Forschungslabor hat noch keine «präzise Quelle» für das eingesetzte Nervengift herausfinden können. Bisher sei nur der Nachweis gelungen, dass bei dem Attentat Nowitschok oder ähnliche Substanzen verwendet worden seien, sagte am Dienstag Gary Aitkenhead, Chef eines Laboratoriums der Forschungsanlage Porton Down.

Auch OPCW-Experten hatten Spuren des Gifts und Blutproben untersuchen lassen. Unklar ist noch, ob die OPCW bereits Ergebnisse der Untersuchung vorlegen wird.

Der frühere russische Doppelagent Skripal war am 4. März zusammen mit seiner Tochter Julia im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Der 66-Jährige befindet sich in einem kritischen Zustand, seiner 33 Jahre alten Tochter geht es besser.

Russland forderte eine Entschuldigung von Großbritannien für Vorwürfe im Fall Skripal. «Auf irgendeine Weise muss man sich bei Russland entschuldigen», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Dienstagabend der Agentur Interfax zufolge.

Der russische Präsident Wladimir Putin hofft auf mehr Klarheit durch das Treffen in Den Haag. «Ich hoffe, dass bei dieser Diskussion ein endgültiger Strich darunter gezogen wird», sagte Putin.

Moskau fordert eine rückhaltlose Aufklärung und will auch an den Ermittlungen beteiligt werden. Russland hatte eine Liste mit 13 Fragen zum Fall Skripal bei der OPCW eingereicht, wartete am Dienstagabend nach eigener Darstellung aber weiter auf Informationen. «Wir haben auf keine unserer Fragen eine Antwort erhalten», sagte der russische EU-Botschafter Wladimir Tschischow im TV-Sender Rossija-24.

Der russische Vizeaußenminister Alexander Gruschko bezeichnete die Ausweisung russischer Diplomaten aus Dutzenden westlichen Staaten als «große geopolitische Provokation». Im staatlichen TV-Sender Rossija-24 beschuldigte er die britischen Behörden, mit den Vorwürfen gegen Russland die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen gezielt zu verschlechtern, um von Problemen beim Austritt Großbritanniens aus der EU abzulenken.

@ dpa.de