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Leute, Menschenrechte

Bürgerrechtler John Lewis ist eine Ikone des Widerstands gegen die Diskriminierung Schwarzer in den USA.

18.07.2020 - 16:02:07

«Gewissen des Kongresses» - Kämpfer, Optimist, moralischer Kompass: John Lewis ist tot. Er marschierte 1963 zusammen mit Martin Luther King. Noch bis zu seinem letzten Atemzug kämpfte der langjährige Abgeordnete für ein gerechteres Amerika.

Washington - John Lewis ist dutzende Male festgenommen und verprügelt worden, doch seine Entschlossenheit wuchs dadurch nur: Der amerikanische Bürgerrechtler hat sich sein Leben lang gewaltfrei für die Gleichberechtigung der Schwarzen in den USA eingesetzt.

Trotz vieler Rückschläge verlor er dabei scheinbar nie die Hoffnung, sondern verbreitete Optimismus, um andere für den anhaltenden Kampf für mehr Gerechtigkeit zu gewinnen. Der einstige Weggefährte des Bürgerrechtlers Martin Luther King starb am Freitag im Alter von 80 Jahren. Der langjährige demokratische Kongressabgeordnete hatte an Bauchspeicheldrüsenkrebs im fortgeschrittenen Stadium gelitten.

Die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, würdigte ihn in einer Erklärung als «einen der größten Helden der amerikanischen Geschichte» und als «Gewissen des Kongresses». Barack Obama, der bislang einzige schwarze US-Präsident, erinnerte daran, wie sehr Lewis sein eigenes Leben geprägt habe. Schon bei der ersten Begegnung als Student habe er ihn «seinen Helden» genannt. «Als ich zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, umarmte ich ihn vor der Vereidigung und sagte ihm, dass ich nur dort sei wegen der Opfer, die er erbracht habe», schrieb Obama.

Noch im Juni hatte sich Lewis in einem Videochat mit Obama angesichts der Massenproteste nach der Tötung des schwarzen US-Amerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis zuversichtlich gezeigt. Die Demonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus hätten ihn «inspiriert», weil sie Menschen aller Hautfarben und Bevölkerungsschichten auf die Straße gebracht hätten, sagte Lewis. «Wir dürfen nicht aufgeben, nicht bitter oder feindselig werden», forderte Lewis. «Wir werden es schaffen», sagte er.

«Aber wir müssen mithelfen, dass es klappt. Wir müssen weiter mutig, tapfer und entschlossen sein, wir müssen ziehen und zerren, bis wir die Seele Amerikas erlösen», forderte er. Ziel müsse eine Gemeinschaft des Friedens sein, «in der niemand ausgeschlossen oder zurückgelassen wird wegen seiner Rasse, Hautfarbe oder Nationalität.» Trotz seiner Krankheit beteiligte sich Lewis im Juni in Washington noch an einer der Demonstrationen gegen Rassismus. Schwarze machen rund 13 Prozent der US-Bevölkerung aus.

Lewis, geboren 1940 als Sohn eines Kleinpächters im südlichen US-Bundesstaat Alabama, hörte King als Jugendlicher im Radio sprechen und nahm Kontakt zu ihm auf. Schon 1963 wurde er als einer der sechs wichtigsten Bürgerrechtler des gewaltfreien Widerstands gegen die damals geltende Rassentrennung bezeichnet, wie es in seiner offiziellen Biografie heißt. Lewis war einer der Architekten des Marsches auf Washington im August 1963. Dabei stand er auf den Stufen des Lincoln Memorials, um mit Martin Luther King (1929-1968) vor rund 200 000 Zuhörern ein Ende der Diskriminierung zu fordern. Der spätere Friedensnobelpreisträger King, der 1968 erschossen wurde, hielt dabei seine berühmte Rede «I have a dream» (Ich habe einen Traum).

1964 und 1965 organisierte Lewis zahlreiche Demonstrationen im Süden, wo die Diskriminierung Schwarzer weiterhin besonders eklatant war. Zusammen mit King organisierte er die Protestmärsche von Selma nach Montgomery, die den politischen Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung markierten. Am Tag des ersten Marsches im März 1965, der als «Bloody Sunday» in die Geschichte einging, wurde Lewis von der Polizei an einer Brücke brutal niedergeknüppelt und erlitt einen Schädelbruch. «Ich dachte, ich würde sterben», erinnerte sich Lewis später oft. Inzwischen gibt es eine Petition, die Brücke nach ihm zu benennen.

«Trotz mehr als 40 Festnahmen, gewalttätiger Angriffe und ernsthafter Verletzungen blieb John Lewis ein entschlossener Vertreter der Philosophie des gewaltfreien Widerstands», heißt es in der Biografie auf seiner Webseite als Kongressabgeordneter. Lewis hatte Religion und Philosophie studiert und absolvierte die Ausbildung zum Baptistenprediger. 1981 wurde der Bürgerrechtler in den Stadtrat von Atlanta im Bundesstaat Georgia gewählt, sechs Jahr später kam er ins US-Repräsentantenhaus, wo er bis zu seinem Tod diente.

Auch als Abgeordneter blieb Lewis stolz ein Unbequemer, eine Stimme des Protests. Er kämpfte gegen den Irak-Krieg, 2016 wiederum führte er rund 100 Abgeordnete an, die sich nach einem Anschlag in Orlando zu einem Sitzstreik versammelten und schärfere Waffengesetze forderten. Die Amtseinführung von Präsident Donald Trump, dem immer wieder Rassismus vorgeworfen wurde, boykottierte Lewis.

Der führende Republikaner im Senat, Mitch McConnell, erklärte, Lewis habe sich seinen Platz in der Geschichte schon als junger Mann gesichert. «Er hat Hass und Gewalt ertragen. Aber er hat weiter gearbeitet, weil er überzeugt war, dass unser Land besser sein musste.» Lewis' Frau Lillian Miles starb 2012 nach mehr als 40 gemeinsamen Ehejahren. Er hinterlässt einen Adoptivsohn, John Miles.

«Wir haben einen Riesen verloren», erklärten Ex-Präsident Bill Clinton und seine Frau Hillary. «John Lewis gab alles, was er hatte, um Amerikas unerfülltes Versprechen der Gleichheit und Gerechtigkeit für alle einzulösen». Lewis' «moralischer Kompass» habe ihn geleitet, um Ärger zu machen, wenn es nötig war und zu versöhnen, wenn es Zeit dafür war. Die Senatorin Kamala Harris nannte Lewis «einen Riesen, auf dessen Schultern viele von uns stehen». Obama fügte hinzu: «Er liebte sein Land so sehr, dass er sein Leben und sein Blut dafür riskierte, dass dieses seinem Versprechen gerecht werden möge.»

Lewis hatte Obama noch im Juni gesagt, dass er «mehr als glücklich sei», dass ein Schwarzer - «ein junger Mann, einer junger Freund wie Präsident Barack Obama» ins Weiße Haus gewählt worden sei. «Es war den Schmerz wert», sagte er mit Blick auf seinen jahrzehntelangen und entbehrungsreichen Kampf. Als er Ende Dezember seine fortgeschrittene Krebserkrankung bekanntgab, erklärte Lewis, er werde das tun, was er sein ganzes Leben lang getan hatte. «Ich war fast mein ganzes Leben lang in irgendeinem Kampf - für Freiheit, Gleichheit und Menschenrechte.» Er werde auch jetzt weiter kämpfen, schrieb er. «Wir müssen noch viele Brücken überqueren.»

© dpa-infocom, dpa:200718-99-838934/4

@ dpa.de