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Parit?tischer Wohlfahrtsverband

Berlin - Laut aktuellem Parit?tischen Armutsbericht hat die Armutsquote in Deutschland mit 15,9 Prozent (rechnerisch 13,2 Millionen Menschen) einen neuen traurigen Rekord und den h?chsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht.

20.11.2020 - 12:07:31

Parit?tischer Armutsbericht 2020: Armut in Deutschland auf Rekordhoch

Berlin - Laut aktuellem Parit?tischen Armutsbericht hat die Armutsquote in Deutschland mit 15,9 Prozent (rechnerisch 13,2 Millionen Menschen) einen neuen traurigen Rekord und den h?chsten Wert seit der Wiedervereinigung erreicht. Der Parit?tische Wohlfahrtsverband warnt in der Studie, dass alles darauf hindeute, dass die Auswirkungen der Corona-Krise Armut und soziale Ungleichheit noch einmal sp?rbar versch?rfen werden. Der Verband wirft der Bundesregierung eine "armutspolitische Verweigerungshaltung" vor und fordert unter der ?berschrift "Gegen Armut hilft Geld" eine sofortige Anhebung der finanziellen Unterst?tzungsleistungen f?r arme Menschen sowie armutsfeste Reformen der Sozialversicherungen.

"Die vorliegenden Daten zur regionalen Verteilung, zur Entwicklung und zur Struktur der Armut zeigen Deutschland als ein in wachsender Ungleichheit tief zerrissenes Land. Immer mehr Menschen leben ausgegrenzt und in Armut, weil es ihnen an Einkommen fehlt, um den Lebensunterhalt zu bestreiten und an unserer Gesellschaft gleichberechtigt und in W?rde teilzuhaben. Volkswirtschaftliche Erfolge kommen seit Jahren nicht bei den Armen an und in den aktuellen Krisen-Rettungspaketen werden die Armen weitestgehend ignoriert. Was wir seitens der Bundesregierung erleben, ist nicht mehr nur armutspolitische Ignoranz, sondern bereits bewusste Verweigerung", kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgesch?ftsf?hrer des Parit?tischen Gesamtverbands.

Die Befunde des diesj?hrigen Armutsberichts sind alarmierend: Bei allen ohnehin seit Jahren besonders armutsbetroffenen Gruppen (wie bspw. Alleinerziehenden, Arbeitslosen und kinderreichen Familien) hat die Armut von 2018 auf 2019 noch einmal zugenommen. Betrachtet man die Zusammensetzung der Gruppe erwachsener Armer ist der ganz ?berwiegende Teil erwerbst?tig (33,0 Prozent) oder in Rente (29,6 Prozent). Regional betrachtet wuchs die Armut 2019 im Vergleich zum Vorjahr praktisch fl?chendeckend. Positive Entwicklungen, die zuletzt in den ostdeutschen Bundesl?ndern zu beobachten waren, sind gestoppt.

Armutsgeografisch zerf?llt Deutschland dabei in zwei Teile: Im gut gestellten S?den haben Bayern und Baden-W?rttemberg eine gemeinsame Armutsquote von 12,1 Prozent. Der Rest der Republik, vom Osten ?ber den Norden bis in den Westen, kommt zusammen auf eine Quote von 17,4 Prozent. Au?erhalb von Bayern und Baden-W?rttemberg lebt durchschnittlich mehr als jede*r Sechste unterhalb der Armutsgrenze. Das problematischste Bundesland bleibt mit Blick auf Armutsdichte und Dynamik Nordrhein-Westfalen: Seit 2006 ist die Armutsquote in dem bev?lkerungsreichen Bundesland zweieinhalbmal so schnell gewachsen wie die gesamtdeutsche Quote. Armutstreiber in NRW ist das Ruhrgebiet mit einer Armutsquote von 21,4 Prozent. Das gr??te Ballungsgebiet Deutschlands muss damit zweifellos als Problemregion Nummer 1 gelten.

Der Verband warnt vor einer drastischen Versch?rfung der Armut in 2020 angesichts der aktuellen Corona-Pandemie. Besonders betroffen seien geringf?gig Besch?ftigte sowie junge Menschen, die corona-bedingt schon jetzt von wachsender Arbeitslosigkeit betroffen sind. "Corona hat jahrelang verharmloste und verdr?ngte Probleme, von der Wohnraumversorgung einkommensschwacher Haushalte bis hin zur Bildungssegregation armer Kinder, ans Licht gezerrt. Eine zunehmende Zahl von Erwerbslosen st??t auf ein soziales Sicherungssystem, das bereits vor Corona nicht vor Armut sch?tzte und dessen Schw?chen nun noch deutlicher zutage treten", so Ulrich Schneider.

Der Parit?tische fordert die Umverteilung vorhandener Finanzmittel zur Beseitigung von Armut. "Deutschland h?tte es in der Hand, seine Einkommensarmut abzuschaffen und parallel f?r eine gute soziale Infrastruktur zu sorgen. Es klingt banal und wird bei vielen nicht gern geh?rt: Aber gegen Einkommensarmut, Existenz?ngste und mangelnde Teilhabe hilft Geld", so Schneider. Konkret seien eine bedarfsgerechte Anhebung der Regels?tze in Hartz IV und der Altersgrundsicherung (nach Berechnungen der Parit?tischen Forschungsstelle auf mindestens 644 Euro), die Einf?hrung einer Kindergrundsicherung sowie Reformen von Arbeitslosen- und Rentenversicherung n?tig.

Den Bericht und eine detaillierte Suchfunktion nach Postleitzahlen finden Sie unter: http://www.der-paritaetische.de/schwerpunkte/armutsbericht/

Pressekontakt:

Gwendolyn Stilling, mailto:pr@paritaet.org, Tel.: 030 24636-305

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/53407/4769134 Parit?tischer Wohlfahrtsverband

@ presseportal.de