Parteien, CDU

Berlin - Der Plan ist aufgegangen.

07.12.2018 - 20:20:06

Porträt - Der Plan ist aufgegangen - «AKK» folgt Merkel nach. Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Vorsitzende - so wie sie und ihre Vorgängerin Bundeskanzlerin Angela Merkel es letztlich wohl geplant hatten.

Der Weg dahin war allerdings ein völlig neuer für die CDU. «AKK», wie sie auch genannt wird, musste sich gegen zwei ernstzunehmende Herausforderer durchsetzen, Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz und Gesundheitsminister Jens Spahn.

Direkte Unterstützung ihrer Förderin konnte sie nicht mehr erwarten, das hätte der Saarländerin schaden können, da Merkel selbst in der Partei massiv in die Kritik geraten war. Der Plan begann, als Merkel «AKK» im Februar 2018 bewegen konnte, den angenehmen Posten der saarländischen Ministerpräsidentin aufzugeben und in den deutlich unsichereren Parteijob als Generalsekretärin zu wechseln, um die Partei zu reformieren.

Es war ein Coup, der Merkel Luft verschaffte. Das befriedete die unruhige Partei etwas, «AKK» treibt seither entschlossen den Prozess der Modernisierung und stärkeren Einbindung der Mitglieder voran. Sich vorzudrängeln ist nicht ihre Sache - aber dieser turbulente 29. Oktober 2018, als Merkel ihren Rücktritt auf Raten ankündigte, erforderte eine rasche, klare Entscheidung.

Selbst die Generalsekretärin war davon überrascht worden. Noch am Vorabend nach der Hessen-Wahl hatte «AKK» vieldeutig gesagt: «Die Bundesvorsitzende hat ganz klar erklärt, dass sie auf dem Parteitag noch mal antreten wird. Und ich habe bis zur Stunde keine anderen Signale.»

Ihre politische Karriere begann sie im Stadtrat ihres Heimatortes Püttlingen. Und immer, wenn sie gerufen wurde, machte sie ihre Sache so gut, dass irgendwann unvermeidlich der nächste Ruf kam. «Es gibt keine Aufgabe, die man Annegret nicht anvertrauen kann», hat schon der frühere Saar-Regierungschef Peter Müller (CDU) gesagt, als er Kramp-Karrenbauer 2000 als Innenministerin in sein Kabinett berief.

Seitdem hat sie sich als Allzweckwaffe der CDU einen Namen gemacht: Nach verschiedenen Ministerjobs wurde sie 2011 erste Ministerpräsidentin des kleinsten Flächenstaates. Im März 2017 gewann sie auf dem Zenit der Beliebtheit von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die Landtagswahl im Saarland haushoch für die CDU.

Seit Jahren arbeiten Merkel und Kramp-Karrenbauer, die wegen ihres nüchtern-analytischen Politikstils miteinander verglichen werden, eng zusammen. «Unaufgeregt» und «uneitel» gehören zu den Attributen Kramp-Karrenbauers. «Viele glücklichen Zufälle haben mir dabei geholfen», sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Eigentlich wollte sie vor dem Abi Hebamme werden, danach dachte sie an einen Beruf als Lehrerin. Mit 18 trat sie in die CDU ein - und entdeckte ihre Leidenschaft für Politik. Später studierte sie Jura und Politik.

Inhaltlich steht sie für den Merkel-Kurs. Sie versuchte sich aber bereits bei den acht Regionalkonferenzen im Kampf um den Parteivorsitz von Merkel abzugrenzen. Sie plädiert für einen härteren Umgang mit Asylbewerbern, die Behörden über ihre Identität täuschen - und fordert konsequentes staatliches Handeln bei Abschiebungen. Sie tritt ein für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ist für Priesterinnen in der katholischen Kirche und gegen Werbung für Abtreibung. Eines ihrer Steckenpferde ist die Digitalisierung.

Sie kann aber auch lustig: An Karneval machte sie jahrelang als «Putzfrau Gretel vom Landtag» Furore und zog Politiker aller Couleur durch den Kakao, sich selbst eingeschlossen.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

Kramp-Karrenbauer will nicht ins Kabinett. Sie sei zur Wahl als Parteivorsitzende angetreten, weil sie für eigenständige Positionen der Union stehen wolle. Dafür brauche sie keine Einbindung ins Kabinett, sagte sie der «Saarbrücker Zeitung». Außerdem gelte: Über die Zusammensetzung des Kabinetts entscheide die Kanzlerin und das Kabinett sei vollzählig. Der Thüringer CDU-Landeschef Mike Mohring hatte sich dafür ausgesprochen, dass Kramp-Karrenbauer ein Ministeramt übernehmen solle. Saarbrücken - Die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer will keinen Ministerposten im Kabinett von Bundeskanzlerin Angela Merkel übernehmen. (Politik, 10.12.2018 - 03:40) weiterlesen...

Schäuble: «Wer auf Rache sinnt, setzt sich ins Unrecht». «Wer jetzt auf Rückspiel oder gar Rache sinnt, setzt sich ins Unrecht. So geht Demokratie nicht», erklärte der CDU-Politiker der «Bild»-Zeitung. Nach dem knappen Sieg von Kramp-Karrenbauer wächst in der CDU die Sorge, dass sich die Gräben zwischen den Parteiflügeln vertiefen könnten. Vor allem im konservativen Lager herrscht Unmut über die Niederlage von Merz. Berlin - Nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Vorsitzenden hat Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble die verschiedenen Lager seiner Partei aufgerufen, die demokratischen Spielregeln zu akzeptieren. (Politik, 10.12.2018 - 01:56) weiterlesen...

Koalition ringt um Kompromiss bei Werbeverbot um Abtreibung. Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer und SPD-Chefin Andrea Nahles führten am Abend ihr erstes längeres Gespräch nach dem Wechsel an der CDU-Spitze, eine Einigung in dieser Frage ist aber noch nicht in Sicht. «Wir sind da in gutem Austausch, aber wir sind auch noch nicht am Ende unserer Diskussion», sagte Kramp-Karrenbauer nach dem Telefonat in der ARD-Sendung «Anne Will». Berlin - Die große Koalition ringt weiter um eine Lösung im Streit über das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche. (Politik, 10.12.2018 - 01:48) weiterlesen...

Kramp-Karrenbauer: Keine inhaltliche Spaltung der CDU. Es gebe bei vielen Themen keine großen inhaltlichen Unterschiede zwischen Friedrich Merz, Jens Spahn und ihr, betonte Kramp-Karrenbauer in der ARD-Sendung «Anne Will». Sie stehe nicht für ein pures «Weiter So», ebenso wenig wie Merz oder Spahn diejenigen seien, die eine gesamte Ära abwickeln wollten. Kramp-Karrenbauer rief zur Geschlossenheit auf. Mit Merz und Spahn sei sie sich stets einig gewesen, dass die Gesamtverantwortung dem Zusammenhalt der Partei gelte. Berlin - Die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht in ihrer Partei keine Spaltung in Sachfragen. (Politik, 09.12.2018 - 23:48) weiterlesen...

Schäuble ruft CDU zu Geschlossenheit auf Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) appelliert an die verschiedenen Lager in seiner Partei, die demokratischen Spielregeln zu akzeptieren und nach der Neuwahl des CDU-Bundesvorstandes nicht nachzukarten. (Politik, 09.12.2018 - 23:01) weiterlesen...

Kretschmer fordert «klare Handschrift» der CDU. «Es muss hier eine klare Handschrift deutlich werden», sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung «Bericht aus Berlin». Berlin - Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer erwartet nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen CDU-Vorsitzenden eine stärkere Profilbildung der Partei. (Politik, 09.12.2018 - 23:00) weiterlesen...