Konflikte, Syrien

Bereits in der Vergangenheit sind zahlreiche Gebiete in Syrien nach langen Belagerungen evakuiert worden.

14.04.2017 - 15:52:06

60 Busse mit 2300 Menschen - Tausende Syrer verlassen belagerte Orte. Kritiker sprechen von einem Zwangsbevölkerungsaustausch. Auch im Streit um den mutmaßlichen Giftangriff in dem Bürgerkriegsland bleibt der Ton scharf.

Damaskus - Nach einem Abkommen zwischen Regierungskräften und Rebellen haben in Syrien Tausende Zivilisten und Kämpfer vier belagerte Orte verlassen. Damit wird eine Einigung umgesetzt, die Medien zufolge vom Iran und von Katar vermittelt worden war.

Die Opposition kritisiert sie als Zwangsbevölkerungsaustausch. Die USA attackierten nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien zugleich die Regierung in Damaskus und ihren Verbündeten Russland scharf.

Begleitet von Krankenwagen verließen am Freitagmorgen etwa 60 Busse mit rund 2300 Menschen die beiden von regierungstreuen Kräften belagerten Orte Madaja und Sabadani nahe der Grenze zum Libanon, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und regierungsnahe Medien meldeten. «Die Menschen sind traurig, aber sie hatten keine Wahl», sagte der Aktivist Nahel Nur über Telefon der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist, als ließe man sein ganzes Leben zurück.»

Zugleich hätten etwa 75 Busse rund 5000 Einwohner aus den von Rebellen belagerten Orten Fua und Kafraja gebracht, hieß es weiter. Diese beiden Orte werden von allem von Schiiten bewohnt, die in Syrien eine Minderheit sind. Schon am Mittwoch hatten die Konfliktparteien Gefangene ausgetauscht.

In den vergangenen Monaten waren nach Abkommen zwischen Regierung und Rebellen bereits mehrere von der Regierung belagerte Orte evakuiert worden. Die Opposition wirft den Regierungskräften vor, diese Gebiete durch Aushungern und Bombardierungen zur Aufgabe gezwungen zu haben.

US-Botschafter Kenneth Ward in Den Haag warf Syrien vor, noch immer Chemiewaffen zu besitzen und sie bewusst einzusetzen. Moskau unterstütze Syrien dabei, «die Wahrheit zu verbergen» und schütze das Land vor den Konsequenzen, erklärte Ward bei einer Sondersitzung der Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW). Als Reaktion auf den Angriff hatten die USA einen syrischen Luftwaffenstützpunkt bombardiert. Damaskus weist jede Verantwortung zurück.

Das US-Militär wies den Vorwurf der syrischen Armeeführung zurück, wonach bei einem Luftangriff der Anti-IS-Koalition auf ein Giftgaslager der Terrormiliz in Syrien Hunderte Menschen getötet wurden. Es handele sich um eine gezielte Falschinformation, teilte der Sprecher des US-Militärs in Bagdad, John Dorrian, mit.

Aus anderen Quellen gab es keine Berichte, die die Angaben der syrischen Armeeführung bestätigten. Auch das russische Verteidigungsministerium hat nach eigenen Angaben keine Informationen, die Berichte über den Tod von Menschen bestätigen.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel appellierte an die USA und Russland, sich gemeinsam um eine politische Lösung in Syrien zu bemühen. «Es geht nicht anders, als Russland zurück an den Verhandlungstisch zu bekommen. Das ist die einzige Chance, die wir haben», sagte er im kosovarischen Pristina der Deutschen Welle.

Die Anti-IS-Koalition tötete unterdessen nach Angaben der USA versehentlich 18 Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Verbündete Kräfte hätten das Ziel als Stellung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) identifiziert und einen Luftangriff angefordert, teilte das US-Militär mit. Die von den USA angeführte Allianz unterstützt eine Offensive der SDF gegen den IS.

@ dpa.de

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