Gesundheit, Krankheiten

Berechnungen zufolge wird es in Großbritannien bald mindestens 3000 Krankenhauseinlieferungen pro Tag geben.

18.12.2021 - 16:26:11

Omikron-Variante - Experten fordern strengere Corona-Maßnahmen in England. Zudem drohen massive Ausfälle von Beschäftigten im Gesundheitswesen.

London - Das wissenschaftliche Beratergremium der britischen Regierung fordert einem BBC-Bericht zufolge deutlich strengere Corona-Maßnahmen in England, um eine Überlastung des Gesundheitssystems durch die Omikron-Variante zu verhindern.

Mit den aktuellen eher moderaten Maßnahmen werde es Berechnungen zufolge bald mindestens 3000 Krankenhauseinlieferungen pro Tag in England geben, hieß es in einem unveröffentlichten Sitzungsprotokoll, aus dem die BBC am Samstag zitierte.

«Wenn das Ziel ist, die Zahl der Infektionen zu reduzieren und dieses Level an Krankenhauseinweisungen zu vermeiden, müssten sehr schnell strengere Maßnahmen eingeführt werden», so die Wissenschaftler. «Das Timing ist entscheidend.» Verschiebe man eine Verschärfung auf 2022, würde der Druck auf das Gesundheitssystem deutlich weniger effektiv gemindert. Die Expertinnen und Experten empfehlen Maßnahmen, die den späteren Stufen des Lockdowns im vergangenen Frühjahr entsprechen - etwa die Beschränkungen sozialer Kontakte auf wenige Haushalte sowie in Innenräumen.

Britische Medizinerinnen und Mediziner warnen zudem vor massiven Personalausfällen. An Weihnachten könnten der British Medical Association zufolge ohne verschärfte Maßnahmen in England 32.000 bis 130.000 Beschäftigte im Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) fehlen, wie der «Guardian» berichtete. Letzteres entspräche einem Zehntel der gesamten Belegschaft.

Der Guy's und St Thomas' Trust, der in London mehrere Krankenhäuser betreibt, bereitet sich wegen Hunderter Krankmeldungen schon jetzt darauf vor, Personal aus anderen Bereichen auf die Intensivstationen und Notaufnahmen zu verlegen, um dort ausgefallene Beschäftigte zu vertreten. «Omikron hat nun einen signifikanten Einfluss auf unsere Arbeit», hieß es am Freitag in einem Schreiben an das Personal, aus dem der «Guardian» zitierte. Das zeige sich nicht nur daran, dass die Zahl der eingelieferten Covid-Patienten in der vergangenen Woche um rund ein Drittel gestiegen sei, sondern auch daran, dass viele der Beschäftigten erkrankt seien.

«So geht es los», schrieb der Berliner Virologe Christian Drosten auf Twitter mit Bezug auf die Schilderungen im «Guardian». «Omikron wird zu massiven krankheitsbedingten Arbeitsausfällen führen. Auch in essentiellen Berufsgruppen.»

Aktuell werden täglich bereits 800 bis 900 Covid-Patienten pro Tag ins Krankenhaus eingeliefert. Der britische Premier Boris Johnson steht nach einer Rebellion von fast 100 Abgeordneten seiner eigenen Partei bei einer kürzlichen, moderaten Verschärfung der Corona-Maßnahmen politisch unter Druck. Außerdem fehlt es ihm nach etlichen Berichten über Lockdown-Partys in der Downing Street zunehmend an der Autorität zur Verhängung strikterer Maßnahmen.

Am Freitag sind allein in London 27.000 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Omikron ist bereits die mit Abstand dominierende Variante. In Großbritannien insgesamt wurde mit mehr als 93.000 Infektionen ein neuer Tagesrekord aufgestellt. Am Wochenende wollten Vertreter aller vier britischen Landesteile über die Situation beraten.

© dpa-infocom, dpa:211218-99-430905/3

@ dpa.de

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