Puma, Schützenpanzer

Bei einer Übung für die Beteiligung an einer Nato-Eingreiftruppe fiel der Schützenpanzer Puma komplett aus.

19.12.2022 - 12:17:15

Puma-Pannenserie: Bundeswehr will Marder für Nato nutzen. Ein «herber Rückschlag», heißt es aus dem Verteidigungsministerium. Nun soll es Abhilfe geben.

Wegen der Pannenserie mit dem neuen Schützenpanzer Puma wird die Bundeswehr sich an der Nato-Eingreiftruppe VJTF mit dem schon vor Jahrzehnten eingeführten Gefechtsfahrzeug Marder beteiligen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte am Montag in Berlin, der Ausfall der Pumas bei der jüngsten Übung sei «ein herber Rückschlag».

«Wir waren nach den vorangegangenen Übungen noch recht zuversichtlich, weil der Puma sich gut geschlagen hatte. Und nun kommt dieser ungewöhnlich hohe Ausfall», sagte er.

Am Vormittag habe Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) sich von Generalinspekteur Eberhard Zorn, Rüstungsstaatssekretär Benedikt Zimmer und weiteren Offizieren informieren lassen, sagte der Sprecher. Es werde noch am Montag weitere Gespräche mit der Industrie geben. «Mit Blick auf die VJTF-Verpflichtungen, die werden wir erfüllen, ab dem 1. Januar wie geplant, dann aber mit dem Schützenpanzer Marder», sagte er.

Uneinheitliches Schadensbild beim Schützenpanzer Puma

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur wurde in einer ersten Bilanz ein uneinheitliches Schadensbild an den ausgefallenen Schützenpanzern festgestellt, das von abgenutzten Zahnkränzen bis hin zu Problemen mit der Elektronik reicht. Offizielle Angaben dazu wurden nicht gemacht.

Die Grünen fordern eine Aufklärung der Pannenserie. Die Probleme müssten «sehr, sehr schnell aufgeklärt» und «vor allem dann auch gelöst werden», sagte die Parteivorsitzende Ricarda Lang am Montag in Berlin. Sie gehe davon aus und erwarte, dass die Abgeordneten schnellstmöglich informiert würden. Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, forderte die Bundesregierung auf, Regressansprüche gegen die Hersteller zu prüfen. «Schrott für sechs Milliarden Euro ist peinlich für Deutschland. Der Schützenpanzer Puma war von Anfang an ein Fehlkonstrukt, ein Milliardengrab für die Steuerzahler», kritisierte Bartsch am Montag in Berlin.

Der von zahlreichen technischen Problemen geplagte Schützenpanzer Puma war erst im vergangenen Jahr für gefechtstauglich erklärt worden. Das von Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und der Rheinmetall Landsysteme GmbH (RLS) entwickelte und produzierte Gefechtsfahrzeug hatte zuvor schon als «Pannenpanzer» Schlagzeilen gemacht. Der Puma löst den älteren Schützenpanzer Marder ab, der inzwischen mehrfach modernisiert wurde und in der Bundeswehr weiterhin im Einsatz ist.

Generalinspekteur will Nato-Verpflichtungen erfüllen

Der Bundeswehrverband forderte unterdessen einen stärkeren Fokus auf die Landstreitkräfte. «Wir brauchen endlich wieder Landstreitkräfte für die Landes- und Bündnisverteidigung, die ihren Namen verdienen, denn für Abschreckung und Verteidigung braucht es Kräfte, die im Streitfall siegen», sagte der Vorsitzende André Wüstner den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das gelinge nur mit Waffensystemen, die unter allen Bedingungen einsatzbereit blieben. Daher müsse das Verteidigungsministerium die Landstreitkräfte in den Fokus nehmen.

Generalinspekteur Eberhard Zorn hatte am Sonntag eine gemeinsame Kraftanstrengung von Militär, dem Beschaffungsamt BAAINBw und Spezialisten der Rüstungsindustrie angekündigt, um die Probleme zu lösen. Der General beteuerte: «Die Verpflichtung gegenüber der Nato werden wir ab dem 1. Januar erfüllen.»

Der Aufbau der schnellen Eingreiftruppe VJTF geht schon auf Beschlüsse beim Nato-Gipfel in Wales im September 2014 zurück. Die Truppe ist Teil eines Aktionsplans als Reaktion auf die mit der russischen Annexion der Krim beginnende Ukraine-Krise. Die VJTF dient dem Schutz von Nato-Verbündeten im Osten, die sich von Russland bedroht fühlen. Ziel ist, die Eingreiftruppe in höchster Bereitschaft zu halten, damit sie innerhalb weniger Tage aktiv werden kann.

@ dpa.de