Soziales, Deutschland

Bei der Beschäftigung eilt Deutschland von Rekord zu Rekord.

06.07.2017 - 11:42:04

Studie zur Erwerbsarmut - Immer mehr Berufstätige sind armutsgefährdet. Doch trotz der vielen Jobs ist nicht alles rosig. Denn diese Arbeit führt bei weitem nicht immer zu einem auskömmlichen Leben.

Berlin - Immer mehr Menschen in Deutschland sind armutsgefährdet, obwohl sie arbeiten. Die Zahl der Berufstätigen, die unter die Schwelle der Armutsgefährdung fallen, habe sich zwischen 2004 und 2014 verdoppelt, berichtete die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Donnerstag. Damit sei die Erwerbsarmut in der Bundesrepublik stärker gestiegen als in jedem anderen EU-Land.

Der Anteil der 18- bis 64-jährigen Erwerbstätigen, die weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hatten und damit als armutsgefährdet gelten, lag 2004 noch bei 4,8 Prozent. Zehn Jahre darauf waren es laut Studie 9,6 Prozent. In absoluten Zahlen falle das Plus sogar noch deutlicher aus, hieß es. Die Gesamtzahl der Erwerbstätigen stieg von 39,3 auf 42,6 Millionen - 2004 waren es knapp 1,9 Millionen arbeitende Armutsgefährdete, 2014 fast 4,1 Millionen.

«Offensichtlich ist der Zusammenhang zwischen Beschäftigungswachstum und Armut komplizierter als gemeinhin angenommen», stellen die Autoren der Studie fest. Das Beschäftigungswachstum in Deutschland beruhe zu einem großen Teil auf dem Anwachsen der Teilzeitstellen, anderer atypischer Beschäftigungsverhältnisse sowie des Niedriglohnsektors insgesamt. Eine wichtige Rolle spielt den Angaben zufolge der Druck auf Arbeitslose, angebotene Stellen anzunehmen.

Datengrundlagen der Böckler-Studie sind die neuesten verfügbaren Zahlen aus der Europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen und eine OECD-Datenbank. Zwischen 2004 und 2014 sei es demnach nur in Polen gelungen, die Beschäftigung zu erhöhen und gleichzeitig die Erwerbsarmut zu senken. In Österreich und der Tschechischen Republik gab es ähnlich wie in Deutschland einen Beschäftigungsanstieg, allerdings nur wenig mehr Armutsgefährdete. In den meisten Ländern war die Erwerbsarmut schon vor Beginn der Krise im Euroraum gestiegen. Im Zuge der Krise habe sich die Lage in etlichen Staaten noch verschärft, stellte die Hans-Böckler-Stiftung fest. 

Der Linken-Chef Bernd Riexinger sagte: «Deutschlands Jobwunder entpuppt sich beim näheren Hinsehen als Armutsfanal.» Das sei ein Anschlag auf das Grundgesetz, das die Würde des Menschen für unantastbar erklärt. Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, sagte: «Die Zahlen machen erneut deutlich, dass wir endlich eine Kehrtwende in der Arbeitsmarktpolitik brauchen.» Denn aus Einkommensarmut werde später Altersarmut. 

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Festgehaltene Töchter in Tunesien: Mutter hofft auf Ausreise. Am Sonntag hätten die Mutter und ihre neun und elf Jahre alten Töchter aber Tunesien noch nicht verlassen können, sagte die Tante der Mädchen. Sie wurden in Kasserine seit fast drei Jahren von der Familie des Vaters festgehalten. Er hatte die Kinder nach der Trennung von seiner Frau aus Hannover dorthin gebracht. Das Auswärtige Amt teilte mit, die Botschaft in Tunis stehe mit den zuständigen Behörden in Kontakt. Tunis - Die Mutter zweier Mädchen aus Hannover, die seit fast drei Jahren in Tunesien festgehalten werden, hofft auf eine baldige Rückkehr der Familie nach Deutschland. (Politik, 20.05.2018 - 16:12) weiterlesen...

Digitalnetz-Ausbau hat Vorrang - Scholz dämpft Hoffnungen auf deutlich höheren Wehretat. Finanzminister Scholz sieht aber woanders mehr Bedarf. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte für mehr Geld für die Truppe plädiert. (Politik, 20.05.2018 - 15:36) weiterlesen...

Bundesfinanzen - Scholz dämpft Hoffnungen auf deutlich höheren Wehretat Berlin - Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat Hoffnungen gedämpft, dass der Wehretat von den bei der Steuerschätzung prognostizierten zusätzlichen Einnahmen stark profitieren könnte. (Politik, 20.05.2018 - 09:04) weiterlesen...

0,3 oder 0,5 Prozentpunkte? - Sozialbeiträge: Union und SPD uneins bei Entlastung. In der Koalition bahnt sich Streit um das Geld der Beitragszahler an. Der Pflegebeitrag dürfte bald steigen, der Arbeitslosenbeitrag nicht so stark sinken wie manche wünschen. (Politik, 18.05.2018 - 15:06) weiterlesen...

Koalition reagiert verhalten - VdK: Selbstständige und Beamte sollen Rentenbeiträge zahlen Wie wird die Rente in Zukunft gesichert? Der Sozialverband VdK will dafür Beamte und Selbstständige in das gesetzliche System integrieren - und fordert mehr Mitspracherecht von der Politik. (Politik, 17.05.2018 - 13:42) weiterlesen...

Ungeachtet der Kritik - Post hält an umstrittener Entfristungspraxis fest München - Ungeachtet aller Kritik will die Deutsche Post ihre umstrittene Praxis bei der Entfristung von Arbeitsverträgen nicht ändern. (Wirtschaft, 17.05.2018 - 13:34) weiterlesen...