Terrorismus, Spanien

Barcelona - Ein weißer Lieferwagen rast auf der Flaniermeile Las Ramblas mitten in Barcelona in Passanten.

18.08.2017 - 08:11:27

Fakten-Check - Attacke in Barcelona: Was wir wissen - und was nicht. Es gibt Tote und Verletzte, der Täter lässt den Wagen stehen und flüchtet zu Fuß.

WAS WIR WISSEN - Die Tat in Barcelona: Gegen 17.00 Uhr fährt am Donnerstagnachmittag ein weißer Lieferwagen laut Augenzeugenberichten mit hoher Geschwindigkeit auf die Flaniermeile Las Ramblas. In der Mitte dieser Straße ist ein breiter Flanierbereich für Fußgänger, auf diesem rast der Transporter den Berichten zufolge im Zickzack in die Menschengruppen hinein. Nach Angaben der Zeitung «El Periódico de Catalunya» legt der Fahrer auf den Las Ramblas gut 550 Meter zurück. Am Pla de l'Os bleibt der Van stehen, mitten auf einem bekannten Mosaik von Joan Miró. Der Fahrer flüchtet zu Fuß. - Der Tatort: Die Flaniermeile Las Ramblas ist eine knapp 1,3 Kilometer lange Promenade im Zentrum der Stadt. Sie führt von der Plaça de Catalunya im Norden bis zum Alten Hafen am südlichen Ende. Mit seinen historischen Häusern, der alten Markthalle und dem Liceu-Theater sowie den Blumenhändlern und Straßenkünstlern zählt der Boulevard zu den Hauptattraktionen für Touristen. Entlang der Ramblas und in den Seitengassen befinden sich zahlreiche Hotels, Restaurants und Hostels. - Das Fahrzeug: Bei dem Tatfahrzeug handelt es sich um einen weißen Lieferwagen einer Leihwagenfirma. Ein zweiter Lieferwagen, mit dem die Attentäter womöglich hätten fliehen wollen, sei nahe Barcelona gefunden worden, schreiben die katalanischen Zeitungen «La Vanguardia» und «El Periódico de Catalunya» unter Berufung auf die Polizei. - Die Zahl der Opfer: 13 Menschen wurden getötet, etwa 80 weitere wurden verletzt. Dies teilte der katalanische Innenminister Joaquim Forn am Donnerstagabend vor Journalisten. - Festnahmen: Nach Angaben von Polizeichef Josep Lluís Trapero wurden zwei Verdächtige, die in Verbindung mit dem Angriff in Barcelona stehen, festgenommen. Einer der beiden Männer sei ein Marokkaner, der andere komme aus der spanischen Exklave Melilla. Ein bei einer Polizeikontrolle erschossener Verdächtiger habe nach bisherigen Erkenntnissen keine Verbindungen zu der Tat gehabt. Er hatte nach Medienberichten versucht, eine Polizeikontrolle zu durchbrechen. - Selbstbezichtigung: Die IS-Terrormiliz reklamiert laut ihrem Sprachrohr Amak den Terroranschlag für sich. Von den Behörden in Spanien gab es dazu zunächst keine Äußerungen. - Die Polizei dementiert Medienberichte, wonach sich Menschen - darunter möglicherweise auch Täter - in einem Restaurant verschanzt hätten. Niemand habe sich verschanzt, heißt es. - Polizeieinsatz in Cambrils: In der Stadt Cambrils rund 100 Kilometer südwestlich von Barcelona erschossen die Einsatzkräfte in der Nacht zu Freitag fünf mutmaßliche Terroristen. Dies bestätigte die Polizei am frühen Freitag auf Twitter. Bei dem Einsatz in Cambrils wurden sieben Menschen verletzt, zwei davon schwer, so katalanische Zivilschutz auf Twitter. Unter den Verletzten war auch ein Polizist. Nach Angaben der Behörden besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen den Taten in Barcelona und Cambrils sowie in der Stadt Alcanar. - Der Vorfall in Alcanar: In der Stadt in der Provinz Tarragona kam am Mittwoch bei der Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch ums Leben, sieben weitere wurden verletzt. Dies erklärte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero. Es gebe «klare» Verbindungen zu dem Anschlag in Barcelona. Nach Informationen der Zeitung «El País» sollen dort etwa 20 Gasflaschen gelagert worden sein.

WAS WIR NICHT WISSEN - Gab es womöglich mehrere Täter? Es war am Abend unklar, wie viele Menschen in dem Lieferwagen gesessen haben. Der Fahrer soll ein Mann von etwa 1,70 Meter Größe sein und ein weißes Hemd mit blauen Streifen getragen haben, wie die Zeitung «El Periódico de Catalunya» berichtete. Schwer bewaffnete Einsatzkräfte suchten nach dem Flüchtigen in der Umgebung. «El País» zufolge war der Fahrer am frühen Freitagmorgen noch immer auf der Flucht. Ob der oder die Täter bewaffnet waren, blieb am Abend ebenfalls unklar. Die Zeitung «El País» schrieb unter Berufung auf die Polizei, bei dem Anmieter des Tatfahrzeugs handele es sich um einen namentlich genannten Marokkaner, der sich legal in Spanien aufhalte. Später allerdings meldete sich nach Medienberichten ein Mann mit diesem Namen bei der Polizei und gab an, ihm seien die Papiere gestohlen worden. - Das Motiv: Die spanische Polizei spricht von einem Terroranschlag. Die auf dschihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group berichtete, dass Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in sozialen Netzwerken den Anschlag in Barcelona ähnlich feierten wie seinerzeit die Attacke in Manchester. Der Oberrabbiner von Barcelona, Meir Bar-Hen, sagte am frühen Abend, es habe nicht den Anschein, dass der Anschlag gezielt gegen Juden gerichtet gewesen sei. An der Anschlagsstrecke liegt auch das jüdische Restaurant «Maccabi». - Deutsche Opfer: Nach Angaben des Auswärtigen Amts war zunächst unklar, ob Deutsche unter den Opfern sind. Man prüfe dies mit Hochdruck, sagte eine Sprecherin. Das ZDF berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise von drei deutschen Todesopfern. Die katalanischen Behörden teilten lediglich mit, dass Deutsche ebenso wie Menschen aus über 20 anderen Nationen zu Schaden gekommen seien. Ob sie starben oder verletzt wurden, blieb offen. - Die Hintergründe des Einsatzes in Cambrils: Die Ermittler prüfen, ob die Täter die Attacke mit einem Lieferwagen in Barcelona mit mindestens 13 Toten nachahmen wollten und ob die Täter Sprengstoffwesten trugen. Das mögliche Anschlagziel, der Paseo Marítimo, ist voller Bars und Discos. Angeblich war der Fahrer von Cambrils in Verbindung mit einer Dschihadisten-Zelle in Alcanar, so die Zeitung «La Vanguardia». Bestätigt wurde dies bislang nicht. - War das Zentrum der Zelle in Alcanar? Dies berichtete die Zeitung «El País». Die Polizei vermute, dass in dem durch eine Explosion zerstörten Gebäude ein Sprengsatz gebaut wurde, so das Blatt. Die Polizei sprach bislang nur von «klaren» Verbindungen.

@ dpa.de

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