Parteien, CSU

Auf Horst Seehofer folgt Horst Seehofer: weil er im ungleichen Team mit der Kanzlerin die Wahlchancen von CSU und Union maximieren soll.

24.04.2017 - 11:58:06

Alternativlose Vernunft - Seehofer soll CSU-Wahlerfolge sichern. Und weil alles andere die CSU zerrissen hätte - derzeit jedenfalls.

München - Endlich. Das ist eines der meistgebrauchten Wörter in der CSU. Endlich herrscht auch offiziell Klarheit, wer Horst Seehofer beerben soll: Horst Seehofer. Allerdings: nur vorerst.

Was intern längst alle erwartet hatten, macht der 67-Jährige in einer Vorstandssitzung offiziell: Er will im Herbst wieder als CSU-Chef und 2018 noch einmal als bayerischer Ministerpräsident antreten. Er habe sehr viel Freude an beiden Ämtern, sagt Seehofer in der Sitzung nach Angaben mehrerer Teilnehmer. Er könne diese gesundheitlich voll erfüllen, und er wolle gewinnen. Und er sagt: «Es ist die Liebe, das Herz dabei zu dieser Partei, zu diesen Ämtern.»

Seehofers neuerliche Doppel-Kandidatur wird quer durch alle Lager begrüßt, von seinen glühenden Anhängern ebenso wie von seinen internen Kritikern. Letztlich ist es so wie bei der CDU und Kanzlerin Angela Merkel: Man weiß, dass man mit dem amtierenden Chef die besten Wahlchancen hat. Weil es derzeit viele nur Seehofer zutrauen, das Unions-Ergebnis bei der Bundestagswahl und den CSU-Einfluss in Berlin zu maximieren, und dann ein Jahr später die absolute Mehrheit in Bayern zu sichern. Tatsächlich sprechen Seehofers Zustimmungswerte in der Bevölkerung für sich - da kommt kein anderer CSU-Politiker ran.

Hinzu kommt: Ein Abgang Seehofers zum jetzigen Zeitpunkt hätte die CSU in eine Zerreißprobe gestürzt. Es hätte ein veritabler Machtkampf gedroht, zwischen Finanzminister Markus Söder, dem aussichtsreichsten Nachfolgekandidaten, und dessen Kritikern. Eine verheerende Vorstellung aus CSU-Sicht, so nahe an den beiden so wichtigen Wahlen.

CSU-Vize Manfred Weber sagt deshalb: «Ich finde es gut, dass er weitermacht.» Seehofer sei ein exzellenter Ministerpräsident. «Ich bin überzeugt, dass die Basis und die Bevölkerung das auch so sieht.» Und auch Söder, der sich nun noch länger in Geduld üben muss, sagt: «Ich finde es gut, dass wir jetzt dann Klarheit haben. Ich denke, es ist wichtig für die CSU, dass wir die zwei schwierigen Wahlgänge sehr geschlossen angehen.» Seehofer habe seine «ehrliche Unterstützung».

Fakt ist: Seehofers neuerliche Kandidatur versetzt die CSU nicht in Euphorie und Jubelgeschrei - auch wenn es im Vorstand kräftigen Applaus gibt. Dass man sich nun hinter ihm schare, sei eine Vernunft-Entscheidung, keine Entscheidung mit glühendem Herzen, sagt einer. Zu groß sind etwa manche Verletzungen, die Seehofer den Seinen zugefügt hat, beispielsweise Teilen der eigenen Landtagsfraktion.

Es gibt deshalb auch zwei Zukunftsszenarien. Das eine geht so: Seehofer soll die CSU-Ergebnisse bei der Bundes- und der Landtagswahl maximieren. Dann aber soll er bitteschön in nicht allzu ferner Zukunft, jedenfalls in deutlichem Abstand zu darauffolgenden Wahlen, den Weg für seine Nachfolger frei machen. Der Dank der CSU und - je nach Ausgang der beiden so wichtigen Wahlen - auch ein glorreicher Abschied wären ihm gewiss. Seehofer könnte am Ende als erfolgreicher Parteichef und Ministerpräsident in die CSU-Annalen eingehen.

Die anderen, Seehofers Anhänger und Vertraute, setzen darauf, dass er noch lange weitermacht. Sie schwärmen von seiner Durchsetzungskraft in Berlin, an die doch niemand anderes herankomme, auch nicht Söder. Nur Seehofer, sagen sie, könne Merkel auch in Zukunft Paroli bieten.

Andererseits ist ja das genau ein Problem für die Union insgesamt: Merkel kandidiert bereits zum vierten Mal, Seehofer strebt seine dritte Amtszeit an. Allzu lange dürften beide also nicht mehr machen - doch in beiden Schwesterparteien ist die Nachfolgefrage offen.

Seehofer schweigt zu seinen zeitlichen Plänen. Es sei nicht die klügste Idee gewesen, seinen Abschied einst für 2018 anzukündigen, sagt er in der Vorstandssitzung. Das werde nicht mehr erfolgen.

Viele in der CSU glauben aber, dass Seehofer keinesfalls die ganze Legislaturperiode bis 2023 machen wird. Und wenn Seehofer aufhöre, stehe Söder bereit - sagen vor allem die Söder-Anhänger. Klar ist: Die Nachfolge-Debatte dürfte spätestens 2019 oder 2020 - dann ist Halbzeit zwischen den Bundestagswahlen - neu beginnen.

Das ist für Seehofer ohnehin das erste entscheidende Datum: die Bundestagswahl am 24. September. Der 67-Jährige werde am CSU-Ergebnis gemessen, heißt es in der Parteispitze. Dass die Wahl für die CSU so verheerend ausgeht, dass Seehofer doch wackelt, glaubt aber keiner.

@ dpa.de

Amazon wird sich schwarzärgern, aber …

… wir schenken Ihnen den Report „Börsenpsychologie - Markttechnik für Trader“ heute trotzdem kostenfrei. Normalerweise kostet der Report im Onlinehandel 39,99 Euro.

Sie können sich den genialen Report heute jedoch absolut kostenfrei sichern. Wir senden Ihnen den Report vollkommen KOSTENFREI zu.

Jetzt HIER klicken und dank richtigen Timing reich an der Börse werden!

Weitere Meldungen

Neue Ministerliste - Merkels Poker oder: Wie stelle ich meine Kritiker zufrieden. Viele Unzufriedene verlangen nach dem Dreiklang «jünger, weiblicher, konservativer». Bis Montag in einer Woche will die Kanzlerin ihrer Partei die neue Ministerliste präsentieren. (Politik, 18.02.2018 - 18:04) weiterlesen...

Bewerbung - Entwicklungsminister Müller: «Ich kämpfe um den Job». «Ich kämpfe um den Job», sagte Müller am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz der Deutschen Presse-Agentur. Berlin - Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) möchte in einer neuen großen Koalition sein Amt behalten. (Politik, 18.02.2018 - 16:04) weiterlesen...

Neuausrichtung der Partei - Laschet warnt CDU vor Rechtsruck Wie sollte die CDU der AfD Konkurrenz machen? Den Forderungen aus den eigenen Reihen nachkommen und verstärkt auch die demokratische Rechte ansprechen? Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Laschet warnt vor einer "Verschiebung der Achsen". (Politik, 18.02.2018 - 10:32) weiterlesen...

Söder mahnt zu konsequenter Abschiebungspolitik. «Der Rechtsstaat verliert an Akzeptanz, wenn er seine eigenen Gesetze nicht durchsetzen kann», sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. In der Debatte über eine stärkere Würdigung von Patriotismus und Heimatgefühl sagte Söder: «Die Politik in Berlin hat das wichtige Thema Heimat und Kultur zu wenig beachtet ? vielleicht aus Sorge, belächelt zu werden». München - Der deutsche Staat muss sich aus Sicht des designierten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder weiter stark darum bemühen, abgelehnte Asylbewerber in ihre Heimatstaaten abzuschieben. (Politik, 17.02.2018 - 07:02) weiterlesen...

Gentiloni appelliert an SPD: Sagt Ja zur großen Koalition. Er wisse, wie schwer dies vielen Sozialdemokraten falle. «Doch Europa braucht eine stabile deutsche Regierung», sagte er der «Süddeutschen Zeitung». Die politische Linke, wie er sie sehe, nehme die Herausforderung an. «Sie verkriecht sich nicht in ihrer eigenen Identität.» Dies sei umso wichtiger, als Europa eine beispiellos gute Konjunktur erlebe und stark wachsen könne. Berlin - Italiens Ministerpräsident Paolo Gentiloni hat an die SPD-Basis appelliert, beim Mitgliederentscheid der mit der Union ausgehandelten Koalition zuzustimmen. (Politik, 16.02.2018 - 09:02) weiterlesen...

Merkel weist Kritik an GroKo-Kompromissen entschieden zurück. Die Menschen wollten jetzt eine stabile Regierung und «dass wir uns nicht permanent mit uns selbst beschäftigen», sagte die Kanzlerin beim politischen Aschermittwoch der CDU in Demmin in Mecklenburg-Vorpommern. Der Verzicht auf neue Schulden sei ein Markenzeichen der CDU und werde dies auch in Zukunft bleiben. In der Partei gibt es erheblichen Unmut, weil das bisher CDU-geführte Ministerium für Finanzen an die SPD gehen soll. Demmin - CDU-Chefin Angela Merkel ist parteiinterner Kritik wegen zu vieler Zugeständnisse für eine neue Koalition entschieden entgegengetreten. (Politik, 14.02.2018 - 22:34) weiterlesen...