Gesundheit, Krankheiten

Auch wenn die amtlichen Meldezahlen noch hinterherhinken, wappnet sich die Bundesregierung fĂŒr zusĂ€tzliche Antworten auf die nĂ€chste Corona-Welle.

30.12.2021 - 17:08:10

Pandemie - Lauterbach kĂŒndigt baldige VorschlĂ€ge gegen Omikron an. Schon bald im neuen Jahr sollen sie konkreter werden.

Berlin - Angesichts einer beginnenden stĂ€rkeren Ausbreitung der Corona-Variante Omikron in Deutschland rĂŒcken weitere Krisenmaßnahmen in den Blick.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kĂŒndigte fĂŒr die nĂ€chste Woche VorschlĂ€ge dazu an. «Wir sind mit einem dynamischen Anstieg der Omikron-FĂ€lle konfrontiert», sagte der SPD-Politiker am Mittwochabend in den ARD-«Tagesthemen». Es gelte zu ĂŒberlegen, was dies etwa fĂŒr Kontaktreduzierungen und die Dauer von QuarantĂ€nezeiten bedeute. Nach Meldeverzögerungen ĂŒber die Feiertage solle es zur MinisterprĂ€sidentenkonferenz mit Kanzler Olaf Scholz (SPD) am 7. Januar «sehr zuverlĂ€ssige Zahlen» zur Corona-Lage geben.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) nimmt der Anteil der Omikron-Variante an den nachgewiesenen Infektionen deutlich zu. So gingen in der Woche bis 26. Dezember laut Meldedaten aus den LĂ€ndern 17,5 Prozent der auf Varianten untersuchten Corona-Nachweise auf Omikron zurĂŒck, wie das RKI am Donnerstag im Wochenbericht schrieb. Eine Woche zuvor wurde der Wert mit 3,1 Prozent angegeben. Regional schwankt der Omikron-Anteil erheblich - von rund 65 Prozent in Bremen bis 1 Prozent in Sachsen. Als GrĂŒnde nannte das RKI etwa teils noch niedrige Omikron-Fallzahlen und unterschiedliche TesthĂ€ufigkeiten.

Omikron-FĂ€lle nehmen vor allem in Norddeutschland zu

Lauterbach erlĂ€uterte, zu erwarten sei eine Verdoppelung der Omikron-FĂ€lle innerhalb von vier bis fĂŒnf Tagen. Die ansteckendere Variante nehme vor allem in Norddeutschland zu, etwa auch in Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, was teils mit GrenznĂ€he zu DĂ€nemark und den Niederlanden zu tun haben dĂŒrfte. Der Expertenrat der Bundesregierung und das RKI beschĂ€ftigten sich mit der Situation. Er sei auch mit Wissenschaftlern und Politikern in anderen LĂ€ndern in Kontakt, wo das Omikron-Problem weiter fortgeschritten sei. «Wir mĂŒssen so etwas sauber vorbereiten», sagte er zu weiteren Maßnahmen.

Zum generellen Infektionsgeschehen gab das RKI nun eine wieder etwas höhere Sieben-Tage-Inzidenz von 207,4 an - mit der EinschrÀnkung, dass die Daten ein unvollstÀndiges Bild abgeben können. Am Vortag war die Zahl der gemeldeten neuen FÀlle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen auf 205,5 beziffert worden. Die GesundheitsÀmter meldeten nun 42.770 neue Infektionen binnen eines Tages, es gab 383 weitere Tote.

TatsÀchliche Inzidenz wohl deutlich höher

Lauterbach hatte am Mittwoch bereits als eigene SchĂ€tzung mitgeteilt, dass die tatsĂ€chliche Inzidenz zwei bis drei mal so hoch sein dĂŒrfte wie offiziell ausgewiesen. Hintergrund sind weniger Tests in Praxen und am Arbeitsplatz ĂŒber die Feiertage und langsamere Meldungen von Testergebnissen an die GesundheitsĂ€mter und von dort an das RKI. «Ich arbeite daran, dass ich Zahlen liefere, mit denen man arbeiten kann», sagte der Minister. Mit SchĂ€tzwerten auf Basis der jetzigen Daten sei gut genug zu sehen, was sich in Deutschland abspiele. Damit könne man auch schon sehr gute Gesundheitsschutz-Politik machen.

Lauterbach warb erneut fĂŒr «Booster»-Impfungen, die als «bester Schutz vor Omikron» von grĂ¶ĂŸter Bedeutung seien. Am Mittwoch wurden laut RKI insgesamt 621.000 Impfdosen gespritzt, davon 502.000 fĂŒr Auffrischimpfungen. Mit einer dritten Dosis «geboostert» sind nun mindestens 31,6 Millionen Geimpfte. Den vollen Grundschutz mit der meist nötigen zweiten Spritze haben inzwischen mindestens 59,1 Millionen Menschen oder 71,1 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Diskussion ĂŒber kĂŒrzere QuarantĂ€ne-Zeit

Angesichts erwarteter hoher Ansteckungszahlen wird auch ĂŒber kĂŒrzere QuarantĂ€ne-Zeiten diskutiert. Großbritannien und die USA haben die Dauer fĂŒr Infizierte ohne Symptome verkĂŒrzt, um akutem Personalmangel in Bereichen vorzubeugen, die fĂŒr die Grundversorgung und Sicherheit nötig sind. Auch Spanien und Portugal verkĂŒrzten die QuarantĂ€ne-Dauer fĂŒr symptomlose Infizierte von zehn auf sieben Tage.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) dringt auf eine Regelung fĂŒr Deutschland. «Wir mĂŒssen jetzt die Weichen stellen, um gut vorbereitet zu sein - auch und gerade mit Blick auf die kritische Infrastruktur», sagte er dem Nachrichtenportal «Watson». «Denkbar wĂ€re aus meiner Sicht beispielsweise eine Befreiung von der QuarantĂ€ne fĂŒr geboosterte Kontaktpersonen.» In der Sendung «RTL Direkt» sagte er, nötig sei eine Stellungnahme des RKI oder des Expertenrats noch vor der MinisterprĂ€sidentenkonferenz am 7. Januar.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, dass sich ohne Wissen ĂŒber die tatsĂ€chliche Corona-Lage jetzt politische VorschlĂ€ge ĂŒberschlĂŒgen. Es gebe die gleichen Probleme wie im vergangenen Jahr, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist bekannt, dass Deutschlands Labore, Ärzte und GesundheitsĂ€mter ĂŒber die Feiertage in den Winterschlaf gehen.» Die Bund-LĂ€nder-Runde sollte daher erst stattfinden, wenn aussagefĂ€hige Daten vorliegen. «Sonst ist die Gefahr groß, das die BeschlĂŒsse wieder von Gerichten aufgehoben werden.» Der Vorsitzende des WeltĂ€rztebunds, Frank Ulrich Montgomery, nannte es im Deutschlandfunk «mehr als peinlich», dass Deutschland ĂŒber die Feiertage keine validen Zahlen habe.

© dpa-infocom, dpa:211230-99-538695/8

@ dpa.de

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