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APEC, Welthandel

Auch nach seiner Wahlniederlage will Trump seinem chinesischen Rivalen Xi Jinping nicht die BĂŒhne ĂŒberlassen.

20.11.2020 - 03:56:09

Gipfel per Video - Asien-Pazifik-Region: Trump will Chinas Einfluss kontern. Die Spannungen zwischen den USA und China ĂŒberschatten den Asien-Pazifik-Gipfel.

Kuala Lumpur - Mit seiner Teilnahme am Asien-Pazifik-Gipfel will US-PrÀsident Donald Trump dem wachsenden Einfluss Chinas in der Region begegnen.

Bei den Beratungen der Staats- und Regierungschefs will sich Trump zeitweise beteiligen, wie ein ranghoher Vertreter der US-Regierung in Washington bestÀtigt. Wegen der Corona-Pandemie findet der Gipfel der 21 Mitglieder der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) unter dem Vorsitz Malaysias per Video statt.

Ob es einen direkten Austausch zwischen dem abgewĂ€hlten, amtierenden US-PrĂ€sidenten und dem ebenfalls teilnehmenden chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping geben wird, war unklar. Beide hatten zuletzt am 27. MĂ€rz miteinander telefoniert, bevor die Pandemie so richtig losging. Danach war Trump noch voll des Lobes fĂŒr Xi Jinping gewesen: «Großen Respekt!» «China hat viel durchgemacht und ein gutes VerstĂ€ndnis von dem Virus entwickelt. Wir arbeiten eng zusammen», schrieb Trump damals auf Twitter ĂŒber das «sehr gute GesprĂ€ch».

Seither herrscht aber Funkstille. Auch gibt es schwere Spannungen ĂŒber den unverĂ€ndert laufenden Handelskrieg, den harten Kurs Pekings in Hongkong, die Verfolgung der Minderheit der Uiguren und folgende amerikanische Sanktionen. Das VerhĂ€ltnis zwischen den beiden grĂ¶ĂŸten Volkswirtschaften ist auf den tiefsten Stand seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen vor vier Jahrzehnten gefallen.

Heute lĂ€sst Trump keine Gelegenheit aus, China die Schuld fĂŒr die «Pest», das «China-Virus», zuzuschieben - auch um von seinen eigenen VersĂ€umnissen abzulenken, wie Kritiker sagen. Er wirft China vor, nicht schnell genug und unzureichend gegen den massiven Ausbruch vor gut einem Jahr in der zentralchinesischen Metropole Wuhan vorgegangen zu sein. «Wir mĂŒssen die Nation zur Rechenschaft ziehen, die diese Seuche auf die Welt losgelassen hat - China», sagte Trump im September vor der UN-Vollversammlung.

Chinas PrĂ€sident war am Vortag allerdings schon vor Apec-WirtschaftsfĂŒhrern in Kuala Lumpur selbstbewusst aufgetreten, da das bevölkerungsreichste Land das Virus seit dem Sommer weitgehend unter Kontrolle hat und heute kaum noch Infektionen zĂ€hlt. Dabei bedienten sich Chinas Behörden strenger Maßnahmen, QuarantĂ€ne, Kontaktverfolgung und scharfer EinreisebeschrĂ€nkungen. «Wir haben einen großen strategischen Erfolg im Kampf gegen das Virus erzielt», sagte Xi Jinping in seiner Rede per Video.

Auch sei es China gelungen, die Produktion wieder in Gang zu bringen und somit in den ersten drei Quartalen wieder Wachstum zu erzielen, hob Xi Jinping hervor. WĂ€hrend die Welt in einer tiefen Rezession steckt, wird China als einzige große Volkswirtschaft in diesem Jahr wachsen - voraussichtlich um zwei Prozent. «Diese schwer gewonnenen Errungenschaften sprechen BĂ€nde ĂŒber die WiderstandsfĂ€higkeit und die VitalitĂ€t der chinesischen Wirtschaft», meinte Xi Jinping.

An dem Video-Gipfel der Pazifik-Anrainer nehmen auch Russlands PrÀsident Wladimir Putin und der neue japanische MinisterprÀsident Yoshihide Suga teil. Vor zwei Jahren hatte Trump nur seinen VizeprÀsidenten Mike Pence zu dem Treffen geschickt, was als Zeichen mangelnden Interesses an der Region gewertet worden war. 2019 musste Gastgeber Chile das Treffen wegen Unruhen im Land absagen.

Die 1989 gebildete Apec-Gemeinschaft reprĂ€sentiert mehr als die HĂ€lfte der globalen Wirtschaftsleistung und 39 Prozent der Weltbevölkerung. Außer China, den USA, Russland und Japan gehören auch SĂŒdkorea, Kanada, Mexiko, Chile, Peru, Neuseeland, Australien, Papua-Neuguinea, Taiwan, Hongkong, Brunei, Indonesien, Malaysia, Singapur, die Philippinen, Thailand und Vietnam dazu.

Der Gipfel folgt weniger als eine Woche auf den Abschluss des weltgrĂ¶ĂŸten Freihandelsabkommens zwischen China und 14 anderen asiatisch-pazifischen Volkswirtschaften. Die «regionale, umfassende Wirtschaftspartnerschaft» oder RCEP, wie der Pakt abgekĂŒrzt wird, umfasst 2,2 Milliarden Menschen und ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung. Neben China und den zehn Staaten der sĂŒdostasiatischen Wirtschaftsgemeinschaft Asean beteiligen sich auch US-BĂŒndnispartner wie Japan, Australien und SĂŒdkorea an dem Freihandelspakt, dessen Abschluss als Erfolg Chinas gewertet wurde.

Am Samstag begegnen sich Trump und Xi Jinping schon wieder - auf dem ebenfalls virtuellen Gipfel der Gruppe großer Industrienationen (G20) unter dem Vorsitz von Saudi-Arabien. Es ist das erste Treffen der Staats- und Regierungschefs des illustren G20-Kreises seit Ausbruch der Pandemie. Auch Kanzlerin Angela Merkel wird an den zweitĂ€gigen Beratungen teilnehmen.

© dpa-infocom, dpa:201120-99-397841/2

@ dpa.de