Anschlag, Ruhrgebiet

Anti-Terror-Ermittler in Schutzanzügen stürmen eine Wohnung im Ruhrgebiet.

08.01.2023 - 12:07:11

Anti-Terror-Einsatz: Mutmaßlicher Islamist festgenommen. Ein Mann soll einen islamistischen Anschlag geplant haben. Bei ihm wurden Stoffe vermutet, die als biologische Kriegswaffen gelten.

  • In Castrop-Rauxel ist es zu einem Großeinsatz der Polizei und der Feuerwehr gekommen.. - Foto: Christoph Reichwein/dpa

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  • In diesem Wohn- und Geschäftshaus in Castrop-Rauxel wurde der verdächtige festgenommen. - Foto: Federico Gambarini/dpa

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In Castrop-Rauxel ist es zu einem Großeinsatz der Polizei und der Feuerwehr gekommen.. - Foto: Christoph Reichwein/dpaIn diesem Wohn- und Geschäftshaus in Castrop-Rauxel wurde der verdächtige festgenommen. - Foto: Federico Gambarini/dpa

Der im Ruhrgebiet festgenommene mutmaßliche Islamist soll nicht im Auftrag staatlicher iranischer Behörden gehandelt haben. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Vielmehr wird vermutet, dass er Anhänger einer sunnitischen islamistischen Terrorgruppe ist.

Sein Bruder, der sich bei dem Zugriff der Polizei zufällig in der Wohnung des 32-Jährigen in Castrop-Rauxel aufhielt, war der Polizei zwar zuvor bekannt, allerdings aus Gründen, die nicht mit islamistischem Terror zusammenhängen. Ob er in die mutmaßlichen Anschlagspläne eingeweiht war, steht noch nicht fest. Die Männer sollen sich beide seit 2015 in Deutschland aufhalten.

Keine Giftstoffe gefunden

Anti-Terror-Ermittler durchsuchten in der Nacht die Wohnung des 32-Jährigen iranischen Staatsbürgers in Castrop-Rauxel. Der Mann sei verdächtig, sich für eine Tat die Giftstoffe Cyanid und Rizin besorgt zu haben, teilten die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, die Polizei Recklinghausen und die Polizei Münster in der Nacht mit. Bei der Durchsuchung wurden jedoch keine Giftstoffe gefunden, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Wie weit die Anschlagspläne fortgeschritten waren und ob es schon ein konkretes Anschlagsziel gab, blieb zunächst unklar. «Wir hatten einen ernstzunehmenden Hinweis, der die Polizei dazu veranlasst hat, noch in der Nacht zuzugreifen. Die Behörden ermitteln jetzt mit Hochdruck», sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. Zu dem zweiten Mann wurden zunächst keine weiteren Angaben gemacht.

Wegen der biologisch-chemischen Gefahren für die Einsatzkräfte waren laut einem Bericht der «Bild» auch Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts (RKI) als Berater vor Ort. Auch mehrere Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes (BKA) und ein Entschärfer-Kommando seien im Einsatz gewesen. Das BKA wollte sich nicht zu dem Einsatz äußern und verwies auf die Generalstaatsanwaltschaft.

Das hochgiftige Rizin wird laut RKI in der Kriegswaffenliste unter «Biologische Waffen» aufgeführt. Cyanid ist ebenfalls hochgiftig, bereits kleinste Mengen wirken bei Menschen tödlich.

«Der Beschuldigte ist verdächtig, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet zu haben», erklärten die Behörden. Ob der Iraner einem Haftrichter vorgeführt werde, sei noch nicht entschieden. Das Verfahren wird bei der Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen bei der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf geführt.

Hinweise von «befreundetem Geheimdienst»

Der 32-Jährige und der zweite in Gewahrsam genommene Mann wurden nur notdürftig bekleidet über die Straße in ein Einsatzfahrzeug geführt, wie Augenzeugen berichteten. Keiner der beiden habe Widerstand geleistet. Laut einem Bericht des WDR soll es sich bei den beiden Männern um Brüder handeln.

Nach Informationen der «Bild» ermittelt das Bundeskriminalamt seit mehreren Tagen gegen den Iraner. Ein «befreundeter Geheimdienst» solle die deutschen Sicherheitsbehörden über die Anschlagsgefahr mit einer chemischen Bombe gewarnt haben.

Wie gefährlich Rizin ist, haben Ermittlungen vor vier Jahren in Köln gezeigt: In einem 15-stöckigen Gebäude in der Hochhaussiedlung Chorweiler hatten ein Tunesier und seine deutsche Frau die Chemikalie hergestellt und Testexplosionen ausgelöst. Ein ausländischer Geheimdienst schöpfte wegen der Online-Käufe großer Mengen Rizinus-Samen Verdacht und gab einen Tipp. Beide wurden zu langen Haftstrafen verurteilt. Ein Gutachten ergab: Rein rechnerisch hätten durch die Giftmenge 13.500 Menschen sterben können. Bei der geplanten Verbreitung durch eine mit Stahlkugeln gespickten Streubombe wären es etwa 200 Tote gewesen.

@ dpa.de