Theater, Musik

Angesichts stark steigender Infektionszahlen mit dem Coronavirus plädiert das Robert Koch-Institut dafür, größere Veranstaltungen zu meiden oder ganz abzusagen.

12.11.2021 - 16:56:09

Debatte - Großveranstaltungen: Kulturbranche für strikte 2G-Regel. Die Kulturbranche ist besorgt.

Hamburg/Berlin - Die Konzert- und Veranstaltungswirtschaft hat mit Unverständnis auf die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) reagiert, größere Veranstaltungen zu meiden oder gar abzusagen.

«Mehr als die 2G-Beschränkung ist doch derzeit gar nicht möglich», sagte Jens Michow, Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Da es eine 100-prozentige Durchimpfung wohl nie geben wird, werde immer in allen öffentlichen Räumen ein Restrisiko bleiben. «Daher werden wir auch immer mit dem Restrisiko leben müssen, dass auch Geimpfte noch infektiös sein können.»

«Natürlich ist auch uns an allererster Stelle am Infektionsschutz unserer Besucher gelegen», sagte Michow. Aber die Konzert- und Veranstaltungswirtschaft habe sich soeben auf die Umsetzung des 2G-Modells konzentriert und Veranstaltungen nur noch unter 2G geplant. «Wir sind imstande, die Einhaltung dieser Regel ausnahmslos sicherzustellen. Dass nun auch das 2G-Modell wieder nicht ausreichen soll, ist für uns schwer nachvollziehbar», sagte der Verbandspräsident. Notfalls könne die Branche auch mit «2G Plus» leben, das heißt, die Geimpften und Genesenen müssten zusätzlich noch ein negatives Schnelltestergebnis vorlegen.

«Die Veranstaltungsbranche hatte gehofft, endlich weniger von staatlichen Hilfen abhängig zu sein», sagte Michow. «Aber wenn wir größere Veranstaltungen jetzt wieder absagen müssen, ist es umso erforderlicher, dass die Überbrückungshilfe 3 mindestens bis Ende Juni und dann auch noch in erweitertem Umfang verlängert wird.»

Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins und Hamburger Kultursenator, Carsten Brosda (SPD), sprach sich für ein striktes 2G-Regime bei Kulturveranstaltungen aus. «Natürlich ist die Entwicklung alarmierend und müssen wir weiter vorsichtig sein», sagte Brosda der dpa in Hamburg. «Wenn die Inzidenzwerte unter den Ungeimpften 20mal so hoch sind wie unter den Geimpften, dann ist doch klar erkennbar, wo wir ansetzen müssen. Deshalb ist es sinnvoll, dass jetzt vielerorts auf ein striktes 2G-Regime gesetzt wird. Damit sind Kulturveranstaltungen derzeit angemessen sicher durchführbar», sagte der Kultursenator.

Kinobetreiber Christian Bräuer forderte eine differenzierte Debatte. Der Anstieg der Infektionszahlen sei besorgniserregend, sagte Bräuer am Freitag in Berlin. Er ist Chef des Programmkinoverbands AG Kino. «Dass alle Möglichkeiten geprüft werden, ist nachvollziehbar.» Was ihn störe, sei die pauschale Gleichsetzung von Innenräumen. «Kino ist nicht gleich Bar», sagte Bräuer. Es werde nicht berücksichtigt, ob ein Raum zum Beispiel Lüftungssysteme habe. In Kinos verhielten sich Menschen auch anders als etwa in Kneipen.

Wieler hatte gesagt, für eine stärkere Eindämmung solle etwa bei Großveranstaltungen die Personenzahl reduziert oder ein Verbot erwogen werden. Eine konkrete Obergrenze nannte er nicht. «Wir wissen, dass insbesondere in Innenräumen sogenannte Superspreader-Events stattfinden.» Man solle auch erwägen, in besonders belasteten Regionen Bars oder Clubs zu schließen.

In Berlin haben an vielen Stellen ab Montag nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt. Auch für Kinos gilt dann 2G. In ihren Kinos kämen ohnehin nur noch wenige Getestete, sagte Bräuer. «Die Impfkampagne - befürchte ich - werden wir so nicht weiter voranbringen.» Die Politik müsse schauen, wie sie aufkläre und Menschen von der Impfung überzeuge, vielleicht auch mit Aufklärung in den Kinos.

Der geschäftsführende Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich dafür aus, für öffentliche Veranstaltungen das Prinzip «2G plus» einzuführen - also Zugang nur für Geimpfte und Genesene, die zusätzlich noch einen aktuellen Test vorweisen müssen. Der Kinoverbandschef ist skeptisch - ihm bereite die Vorstellung Sorgen, sagte Bräuer. «Das würden wir massiv spüren.» Er forderte auch, es dürfe auf keinen Fall einen neuen Lockdown geben.

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