Judentum, Synagoge

Am höchsten jüdischen Feiertag fliegt während eines Gottesdienstes ein harter Gegenstand durch das Fenster einer Synagoge.

06.10.2022 - 08:33:09

Fenster von Synagoge in Hannover an Jom Kippur beschädigt. Der Vorsitzende der Gemeinde in Hannover ist «zutiefst schockiert».

  • Das beschädigte Bleiglasfenster der Synagoge in Hannover. - Foto: Michael Matthey/dpa

    Michael Matthey/dpa

  • Eine Polizistin steht vor der Synagoge in Hannover. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

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Das beschädigte Bleiglasfenster der Synagoge in Hannover. - Foto: Michael Matthey/dpaEine Polizistin steht vor der Synagoge in Hannover. - Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur ist am Mittwoch an der Synagoge Hannover ein Fenster beschädigt worden. Das bestätigte ein Polizeisprecher. Es gebe keine Verletzten. Einem Bericht der «Hannoverschen Allgemeine» (online) zufolge wurde während des Gottesdienstes gegen 19 Uhr ein Stein oder ein anderer harter Gegenstand durch ein Bleiglasfenster an der Frauenempore geworfen.

Der Polizeisprecher sagte: «Fest steht, dass ein Fenster beschädigt wurde. Wie, das ist noch nicht geklärt.» Am Donnerstagmorgen gab es noch keine neuen Erkenntnisse. Genaueres zum Tathergang und ob es sich um einen Anschlag handelte, ist laut Polizeiangaben weiter unklar.

Rund 150 Menschen hatten sich dem Zeitungsbericht zufolge am Versöhnungstag in der Synagoge versammelt, um zu beten. Gegen Ende des Gottesdienstes hörten Besucher dann ein Klirren und einen Schlag, wie die Zeitung berichtet. In etwa sechs Metern Höhe klaffe ein Loch in dem Fenster. Michael Fürst, der Vorsitzende der Gemeinde, sagte der Zeitung: «Der Täter muss auf das Gelände der Synagoge gelangt sein. Ich bin zutiefst schockiert.»

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, verurteilte die Tat «aufs Schärfste». Die jüdische Gemeinde in Deutschland sei schockiert. «Mut geben uns die vielen Solidaritätsbekundungen aus der Zivilgesellschaft und der staatlichen Institutionen.»

Der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, twitterte, wer einen Stein werfe, zögere «auch nicht, eine Kugel abzufeuern». Er erinnerte an den Angriff auf eine voll besetzte Synagoge in Halle (Saale) vor drei Jahren an Jom Kippur. «Juden müssen sich in Deutschland sicher fühlen, besonders in ihren Gotteshäusern», verlangte Prosor und schrieb: «Ich bin sicher, die Behörden werden die Täter schnell festnehmen.»

«In Niedersachsen ist kein Platz für Antisemitismus, wir stehen fest an der Seite unserer jüdischen Bürgerinnen und Bürger», sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Sein Innenminister Boris Pistorius (SPD) sagte: «Jede Form der Gewalt gegen jüdisches Leben ist ein Anschlag auf unsere freiheitliche, offene und solidarische Gesellschaft in Niedersachsen.» Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) twitterte, er sei entsetzt, wütend und traurig. «Hannover steht an der Seite unserer jüdischen Mitmenschen.» Auch zahlreiche Landtags- Bundestagsabgeordnete aller Parteien äußerten sich ähnlich.

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Karin Prien forderte eine lückenlose Aufklärung und mehr Schutz für jüdische Einrichtungen. «Synagogen sollen ein Ort der Geborgenheit sein», sagte die Sprecherin des Jüdischen Forums der CDU. Sie ergänzte: «An Feiertagen wie Jom Kippur müssen jüdische Einrichtungen daher besonders geschützt werden. Überall und mit ausreichend geschultem Personal.»

Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag fällt von Jahr zu Jahr auf unterschiedliche Daten im September oder Oktober. «Der Anschlag auf die Synagoge in Hannover gestern Abend entsetzt und beschämt mich zutiefst», sagte der Landesbischof der evangelischen Landeskirche Hannover, Ralf Meister. Dass Jüdinnen und Juden bei der Ausübung ihrer religiösen Praxis bedroht würden, sei unerträglich.

Vor drei Jahren hatte an diesem Feiertag in Halle (Sachsen-Anhalt) ein schwer bewaffneter rechtsextremer und antisemitischer Attentäter versucht, in der voll besetzten Synagoge der Jüdischen Gemeinde zu Halle ein Blutbad anzurichten. Er warf am 9. Oktober 2019 Brand- und Sprengsätze und schoss auf die Zugangstür, gelangte aber nicht auf das Gelände, weil die Tür dem Angriff standhielt. Vor der Synagoge erschoss er eine Passantin, in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss einen 20-Jährigen. Das Oberlandesgericht Naumburg verurteilte den Täter zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung.

@ dpa.de