Prozesse, Extremismus

2015 verbreitet rechter Terror in Freital bei Dresden Angst und Schrecken.

07.03.2017 - 13:42:05

Angeklagte schweigen - Rechtsextreme «Gruppe Freital» in Dresden vor Gericht. Nun müssen sich die Tatverdächtigen vor Gericht verantworten.

  • Hotel in Freital - Foto: Oliver Killig

    Sommer 2015: Die Polizei sichert das Leonardo-Hotel in Freital, in dem Asylbewerber untergebracht sind. Foto: Oliver Killig

  • Im Verhandlungssaal - Foto: Sebastian Kahnert

    Einer der Angeklagten wird zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal geführt. Foto: Sebastian Kahnert

  • Büro der Linkspartei in Freital - Foto: Arno Burgi/Archiv

    Unter anderem wurde vor einem Parteibüro der Linken Pyrotechnik gezündet. Foto: Arno Burgi/Archiv

  • Anschlag auf Asylbewerberunterkunft - Foto: Arno Burgi

    1. November 2015: An drei Fenstern einer von Asylbewerbern genutzten Wohnung explodieren Sprengkörper. Ein Syrer wird von Glasscherben im Gesicht getroffen und verletzt. Foto: Arno Burgi

  • Graffiti in Freital - Foto: Roland Halkasch

    Graffiti im sächsischen Freital. Foto: Roland Halkasch

  • Anschlag auf Flüchtlingsunterkunft - Foto: Roland Halkasch

    Anschlag auf die Asylbewerberunterkunft in Freital. Foto: Roland Halkasch

  • Demonstration in Freital - Foto: Oliver Killig

    Gegner der Flüchtlingsunterkunft demonstrieren in Freital. Foto: Oliver Killig

  • «No Asyl» - Foto: Arno Burgi

    «No Asyl» steht auf einem Verteilerkasten in Freital. Foto: Arno Burgi

Hotel in Freital - Foto: Oliver KilligIm Verhandlungssaal - Foto: Sebastian KahnertBüro der Linkspartei in Freital - Foto: Arno Burgi/ArchivAnschlag auf Asylbewerberunterkunft - Foto: Arno BurgiGraffiti in Freital - Foto: Roland HalkaschAnschlag auf Flüchtlingsunterkunft - Foto: Roland HalkaschDemonstration in Freital - Foto: Oliver Killig«No Asyl» - Foto: Arno Burgi

Dresden - Den mutmaßlichen Rechtsterroristen der «Gruppe Freital» wird seit heute in Dresden der Prozess gemacht. Die Anklage wirft sieben Männern und einer Frau im Alter zwischen 19 und 39 Jahren die Bildung einer terroristischen Vereinigung vor.

Im Zusammenhang mit fünf Anschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte und politische Gegner in Freital und Dresden wird ihnen außerdem versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und die Herbeiführung von Sprengstoffexplosionen zur Last gelegt, ferner die Vorbereitung eines sogenannten «Explosionsverbrechens» mit Rohrbomben.

Mit ihren zwischen Juli und November 2015 begangenen Taten hätten die Angeklagten die «Bevölkerung verunsichern» und ein Klima der Angst erzeugen wollen, sagte Bundesanwalt Jörn Hauschild. Ziel der Gruppe sei es gewesen, ihre «rechtsextremistische Gesinnung mittels Anschlägen durchzusetzen».

Laut Anklage ging die Gruppe arbeitsteilig vor. Als führender Kopf gilt der aus Hamburg stammende Neonazi Timo S. Sein Gesinnungsgenosse Patrick P. sei für die technischen Details der Anschläge zuständig gewesen, hieß es. Er habe die Sprengsätze vorbereitet. Zum Einsatz kamen illegale Böller, von denen einige die 130-fache Sprengkraft der in Deutschland zulässigen Pyrotechnik besaßen.

Nach der Anklageschrift attackierten die Beschuldigten Flüchtlingsunterkünfte in Freital, ein Parteibüro der Linken und das Auto eines Linke-Politikers in der Kleinstadt sowie ein alternatives Wohnprojekt in Dresden. Bei einem der Sprengstoffanschläge wurde ein Asylbewerber durch herumfliegende Glassplitter verletzt. Glücklichen Umständen ist es zu verdanken, dass keine Menschen zu Tode kamen oder schwer verletzt wurden.

Laut Anklage wurden die Entscheidungen zu den Angriffen gemeinsam getroffen. Timo S. und Patrick F. seien für die Organisation aber maßgeblich gewesen.

Der Vorsitzende Richter Thomas Fresemann setzte die Anklageverlesung entgegen Anträgen der Verteidiger durch. Diese hatten zuvor sowohl die Besetzung des Gerichts bemängelt als auch einen Befangenheitsantrag gegen Fresemann stellen wollen. Die Verteidiger bemängelten, dass der zuständige Strafsenat des Oberlandesgerichtes eigens für dieses Verfahren zusammengestellt wurde und sprachen von einer «gezielten Richterzuweisung». Damit sehen sie das Gericht als befangen an.

Die Antragsstellungen wurden auf Beschluss des Gerichts zunächst zurückgestellt. Sieben der acht Angeklagten weigerten sich deshalb, Angaben zu ihrer Person zu machen.

Der Prozess hatte am Vormittag unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Zuschauer und Medienvertreter mussten Sicherheitsschleusen durchqueren. Zunächst hatte sich der Einlass verzögert, weil zwei Sprengstoffspürhunde im Bereich einer Toilette angeschlagen hatten und im Saal ein merkwürdiger Geruch wahrgenommen wurde. Kurze Zeit später konnte die Polizei aber Entwarnung geben: Die Hunde hätten auf ein Gummireinigungsmittel reagiert.

@ dpa.de

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