Wahlen, EU

18.000 Kilometer ist die Hauptstadt Paris entfernt.

04.11.2018 - 16:14:06

Volksabstimmung - Frankreich darf Pazifikgebiet Neukaledonien behalten. Doch bei einer Volksabstimmung in Neukaledonien entscheidet sich eine Mehrheit dafür, bei Frankreich zu bleiben. Vorerst. Denn das letzte Wort ist damit noch nicht gesprochen.

  • Noumea in Neukaledonien - Foto: Segelyachten liegen in der Bucht von Noumea, der Hauptstadt Neukaledoniens. Foto:

    Segelyachten liegen in der Bucht von Noumea, der Hauptstadt Neukaledoniens. Foto:

  • Stimmabgabe - Foto: Mathurin Derel/AP

    Zwei Frauen geben in einem Wahllokal in Nouméa ihre Stimmen ab. Foto: Mathurin Derel/AP

  • Hohe Beteiligung - Foto: Mathurin Derel/AP

    Etwa 175.000 Neukaledonier durften am Referendum teilnehmen. Die Beteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei hohen 80 Prozent. Foto: Mathurin Derel/AP

  • Beflaggt - Foto: Mathurin Derel/AP

    Ein Mann, in eine neukaledonische Flagge gehüllt, steht zusammen mit einer Frau vor einem Wahllokal in Nouméa. Foto: Mathurin Derel/AP

  • «Oui» oder «Non» - Foto: Mathurin Derel/AP

    56,4 Prozent der Wähler entschieden sich bei der Volksabstimmung für «Non», 43,6 Prozent für «Oui». Foto: Mathurin Derel/AP

  • T-Shirt - Foto: Mathurin Derel/AP

    In einem Geschäft in der Hauptstadt hängen T-Shirts mit der geplanten Flagge von Kanaky-Nouvelle Calédonie (Kanaky-Neukaledonien) - so hätte der neue Staat geheißen. Foto: Mathurin Derel/AP

  • Referendum - Foto: Mathurin Derel/AP

    Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Frankreich noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Foto: Mathurin Derel/AP

Noumea in Neukaledonien - Foto: Segelyachten liegen in der Bucht von Noumea, der Hauptstadt Neukaledoniens. Foto:Stimmabgabe - Foto: Mathurin Derel/APHohe Beteiligung - Foto: Mathurin Derel/APBeflaggt - Foto: Mathurin Derel/AP«Oui» oder «Non» - Foto: Mathurin Derel/APT-Shirt - Foto: Mathurin Derel/APReferendum - Foto: Mathurin Derel/AP

Nouméa - Frankreich darf sein Überseegebiet Neukaledonien auf der anderen Seite der Erdkugel behalten. Auf der Inselgruppe im Pazifik - 18.000 Kilometer entfernt von Paris - entschied sich am Sonntag eine Mehrheit der Bevölkerung klar gegen die Unabhängigkeit.

In einer Volksabstimmung waren dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge 56,4 Prozent dagegen. Für die Trennung nach mehr als anderthalb Jahrhunderten stimmten demnach 43,6 Prozent.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Élyséepalast von einer «historischen Etappe». Er fügte hinzu: «Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat.»

Das Ergebnis bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens Ureinwohner - eine große Enttäuschung. Von ihnen hoffen viele seit langem auf einen eigenen Staat. Das Nein fiel allerdings weniger deutlich aus als von vielen erwartet. Umfragen hatten mehr als 60 Prozent erwarten lassen.

Zudem bedeutet die Niederlage nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig gestorben ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Aktuell sind noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. Auf Deutsch bedeutet Kanake Mensch.

An dem Referendum durften etwa 175.000 Neukaledonier teilnehmen. Die Beteiligung lag nach vorläufigen Zahlen bei hohen 80 Prozent. Ursprünglich war die Abstimmung bereits für 1998 vorgesehen. Sie wurde aber immer wieder hinausgezögert.

Macron rief in seiner Ansprache alle Beteiligten auf, eng miteinander im Gespräch zu bleiben. «Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog.» Er schloss seine Ansprache mit den Worten. «Es lebe Neukaledonien. Es lebe die Republik. Es lebe Frankreich.»

An diesem Montag wird Premierminister Édouard Philippe zu einem Besuch in der neukaledonischen Hauptstadt Nouméa erwartet. Aus Sorge vor Unruhen verstärkte der Staat die Sicherheitskräfte. In einigen Stadtvierteln Nouméas wurden in der Nacht Autos in Brand gesetzt.

Das Archipel Nouvelle-Calédonie (wörtlich übersetzt: Neuschottland) wurde 1853 von Frankreich in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280.000 Menschen zuhause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonisten inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten. Aktuell erhalten die Inseln pro Jahr etwa eine Milliarde Euro aus Paris.

Treibende Kraft der Unabhängigkeitsbewegung ist die FLNKS (Front de Libération Nationale Kanak et Socialiste, Kanakische Sozialistische Front der Nationalen Befreiung). In den 1980er Jahren stand Neukaledonien am Rande eines Bürgerkriegs. Es gab auch mehrere Dutzend Tote. Inzwischen hat sich die Stimmung deutlich beruhigt. Die FLNKS ist längst auch an der Inselregierung beteiligt.

Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem wird aus den Kassen der EU auch die Infrastruktur auf der Inselgruppe mitfinanziert.

@ dpa.de

Weitere Meldungen

CDU-Vorsitzende - AKK: Kein Nährboden in Deutschland für «Gelbwesten». Rechts- und Linkspopulisten hätten versucht, die Bewegung auch nach Deutschland zu bringen, doch sie seien damit gescheitert, erklärte sie in der französischen Tageszeitung «Le Monde». Paris ? Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sieht in Deutschland kein Potenzial für die «Gelbwesten»-Bewegung. (Politik, 19.01.2019 - 08:52) weiterlesen...

Kramp-Karrenbauer: Kein Nährboden für «Gelbwesten». Rechts- und Linkspopulisten hätten versucht, die Bewegung auch nach Deutschland zu bringen, doch sie seien damit gescheitert, erklärte sie in einem Interview der französischen Tageszeitung «Le Monde». Dafür gibt es nach Meinung Kramp-Karrenbauers zwei Gründe. Einer sei die gute wirtschaftliche Situation Deutschlands. Ein anderer seien unterschiedliche politische Traditionen. Demonstrationen würden in der politischen Kultur Frankreichs einen wichtigeren Platz einnehmen. Paris ? Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer sieht in Deutschland kein Potenzial für die «Gelbwesten»-Bewegung. (Politik, 19.01.2019 - 08:26) weiterlesen...

CSU-Leitantrag fordert Revision der EU und mehr Leitkultur. München - Die Europawahl am 26. Mai ist aus der Sicht der CSU eine nie dagewesene Schicksalswahl für den ganzen Kontinent. In dem Europa-Leitantrag, den die CSU am Samstag in München auf ihrem Parteitag verabschieden will, heißt es: Linke Kräfte wollten Europa zu einem Umverteilungs- und Verbotseuropa umbauen. Um die Menschen wieder für Europa zu begeistern, müsse es ihnen zurückgegeben und Bürokraten entrissen werden. Dazu müsse etwa das Parlament mehr Einfluss bekommen. «Unser Europa verteidigt die europäische Leitkultur», heißt es in dem Papier weiter. CSU-Leitantrag fordert Revision der EU und mehr Leitkultur (Politik, 17.01.2019 - 23:14) weiterlesen...

Politische Werbung im Internet - Facebook verspricht transparentere Polit-Werbung zur EU-Wahl. Die bereits unter anderem in den USA geltenden Anzeigen-Regeln sollen rechtzeitig vor der Abstimmung im Mai eingeführt werden. Menlo Park - Facebook will zur Europawahl für mehr Transparenz auf seiner Plattform bei politischer Werbung in der EU sorgen. (Wissenschaft, 16.01.2019 - 19:00) weiterlesen...