Prostata, Prostatakarzinom

Prostatakrebs ist in Österreich nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Männern.

14.01.2019 - 13:31:28

Prostatakarzinom: Beste Chancen durch Frühdiagnose und maßgeschneiderte Therapie. Die besten Heilungsaussichten bestehen bei frühzeitiger Diagnose. Daher rät die Österreichische Gesellschaft für Urologie (ÖGU) Männern ab dem 45. Lebensjahr zur Vorsorgeuntersuchung.

Wien (pts015/14.01.2019/13:30) - Prostatakrebs ist in Österreich nach wie vor die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Die besten Heilungsaussichten bestehen bei frühzeitiger Diagnose. Daher rät die Österreichische Gesellschaft für Urologie (ÖGU) Männern ab dem 45. Lebensjahr zur Vorsorgeuntersuchung.

Hohe Langzeitüberlebensraten

Laut Statistik Austria erkranken in Österreich jährlich rund 5.000 Männer an Prostatakrebs. "Das relative Überleben ab Diagnosestellung liegt nach einem Jahr bei 96 %, nach fünf Jahren bei 92 % und nach zehn Jahren bei rund 35 %", berichtet Prim. Univ.-Prof. Dr. H. Christoph Klingler, Vorstand der Urologischen Abteilungen im Wilhelminenspital und Krankenhaus Hietzing, Präsident der ÖGU.

Der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung eines Prostatakarzinoms ist das Alter. Ab dem 45. Lebensjahr steigt die Neuerkrankungsrate stetig und ab dem 60. Lebensjahr steil an. Ab einem Gipfel bei den 70- bis 79-Jährigen fällt sie wieder ab.

Empfehlung zur Vorsorgeuntersuchung

Die ÖGU empfiehlt in ihren Leitlinien die Vorsorgeuntersuchung für Männer ab dem 45. Lebensjahr, bei Vorliegen einer familiären Vorgeschichte - d.h. Vater und/oder Bruder sind an Prostatakrebs erkrankt - bereits mit 40 Jahren. Sie umfasst das Abtasten der Prostata (digitale rektale Untersuchung), eine Blutabnahme zur Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA), eine Harnuntersuchung sowie den Ultraschall von Niere und Unterbauch.

"Der PSA-Test ist derzeit die einzige Möglichkeit, um Prostatakrebs in einem frühen, noch heilbaren Stadium zu diagnostizieren. Dennoch wird sein Nutzen oft zum Nachteil für den Mann kontroversiell diskutiert", betont Prof. Dr. Michael Eisenmenger, Facharzt für Urologie und Andrologie, Präsident der österreichischen Gesellschaft für Mann und Gesundheit (ÖGMuG). Kritiker argumentieren, dass Prostatakrebs in vielen Fällen beschwerdefrei über Jahrzehnte "schlummern" kann, und viele Patienten mit, aber nicht am Prostatakrebs versterben. Die Diagnose würde daher oft bedeuten, dass ein sich gesund fühlender Mann unnötigerweise mit der Information belastet werde, Krebs zu haben, obwohl zum aktuellen Zeitpunkt keine Behandlung erforderlich ist. Allerdings bleiben in diesen Überlegungen laut Prof. Eisenmenger wesentliche Tatsachen unberücksichtigt:

- Derzeit lässt sich kaum voraussagen, ob ein Prostatakarzinom dauerhaft schlummern und damit relativ harmlos bleiben wird, oder ob es sich um einen aggressiv wachsenden Tumor handelt. Patienten mit so genannten Niedrigrisikokarzinomen werden häufig im Sinne einer aktiven Überwachung engmaschig kontrolliert. Wenn sie sich letztendlich doch zu einer Prostataentfernung entschließen, wird bei jedem dritten Patienten im Operationspräparat ein höheres Tumorstadium festgestellt als bei der Erstbiopsie.

- Patienten mit so genannten Niedrigrisikokarzinomen werden häufig im Sinne einer aktiven Überwachung engmaschig kontrolliert. Wenn sie sich letztendlich doch zu einer Prostataentfernung entschließen, wird bei jedem dritten Patienten im Operationspräparat ein höheres Tumorstadium festgestellt als bei der Erstbiopsie.

- Eine große EORTC-Studie in acht europäischen Ländern belegt eindrucksvoll, dass das PSA-Screening mit einem signifikanten Langzeitüberlebensvorteil assoziiert ist (1).

Breite Palette an Therapieoptionen

Kuratives Stadium "Im Frühstadium stehen drei leitlinienkonforme und anerkannte Strategien zur Auswahl", erläutert Univ.-Prof. Dr. Stephan Madersbacher, Vorstand der Abteilung für Urologie und Andrologie im SMZ Süd/Kaiser-Franz-Josef-Spital. Bei sogenannten Niedrigrisikokarzinomen mit einer bestimmten Befundkonstellation ist kontrolliertes Beobachten ("Active Surveillance") eine gut vertretbare Option. Dabei werden engmaschige Kontrolluntersuchungen durchgeführt, jedoch bis auf weiteres keine Therapien angewendet. Bei Tumoren von intermediärem oder hohem Risiko kommen die chirurgische Prostataentfernung (radikale Prostatektomie) oder eine Strahlentherapie (mit anschließender adjuvanter Hormontherapie) zum Einsatz.

Palliatives Stadium Bei nicht mehr heilbarem Prostatakarzinom wird die Antihormontherapie meist von Beginn an mit anderen Behandlungen wie Chemotherapie (Paclitaxel oder Cabazitaxel), modernen zielgerichteten Therapien wie Abirateron, Enzalutamid oder Alpharadin (Radium-223) oder neuen Hormontherapeutika kombiniert. Sogenannten kastrationsresistenten Patienten, die nicht mehr auf herkömmliche Hormontherapie ansprechen, können bereits relativ gut individualisiert weitere Optionen angeboten werden.

Patientenbericht Grundsätzlich ist eine frühe Diagnose für eine gute Prognose vorteilhaft. Die Krankengeschichte von Alfred Winkler, Ironman und Triathlet, ist jedoch ein gutes Beispiel dafür, dass auch bei späterer Diagnose eine Heilung sowie eine gute Lebensqualität möglich sind. Bei ihm wurde im Jahr 2003, im Alter von 55 Jahren, Prostatakrebs diagnostiziert. "Befallen war nicht nur die ganze Prostata, sondern auch Teile des umliegenden Gewebes und der Harnblase", erinnert sich Alfred Winkler. Nach Operation, Strahlentherapie und Antihormontherapie ist er bis jetzt völlig gesund und hat u.a. noch an drei Ironman-Bewerben teilgenommen.

Genetische Analyse Bislang war es kaum möglich, den individuellen Verlauf eines Prostatakarzinoms vorauszusagen. "Ein vielversprechendes Forschungsgebiet sind genetische Analysen auf bestimmte Mutationen", so Univ.-Prof. Dr. Shahrokh F. Shariat, Vorstand der Universitätsklinik für Urologie, MedUni Wien/AKH Wien. Damit lässt sich die Aggressivität des Tumors frühzeitig abschätzen. Die Identifizierung einer Mutation ermöglicht den Einsatz gezielter selektiver Therapien und erhöht damit die Erfolgsrate bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit. Zudem kann das gesamte familiäre Umfeld gezielt durchleuchtet und festgestellt werden, ob andere Angehörige ebenfalls ein erhöhtes Krebsrisiko aufweisen.

Mit einer besonders ungünstigen Prognose sind Keimbahnmutationen in den DNA-Reparaturgenen BRCA1 und BRCA2 assoziiert: Das Erkrankungsrisiko ist erhöht, die Krankheit tritt oft bereits in jüngeren Jahren auf und nimmt häufiger einen aggressiveren Verlauf (2-4). Bei Patienten mit lokalisiertem Prostatakarzinom ist ein positiver BRCA-Status mit einer Verdreifachung der Metastasierungsrate und der krankheitsspezifischen Mortalität assoziiert (5). Darüber hinaus ähnelt lokalisierter Prostatakrebs bei BRCA-mutierten Patienten genotypisch dem metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (6). Aktuell stehen bereits kommerzielle Tests zur genetischen Analyse zur Verfügung. Zahlreiche Substanzen werden in klinischen Studien bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom mit Keimbahnmutationen getestet.

Neues Informationsportal

Seit kurzem steht unter http://www.meineprostata.at eine neue Website für Betroffene, Angehörige und Interessierte, die mehr zum Thema Prostata erfahren wollen, zur Verfügung. Die österreichische Informationsplattform zur Prostata-Gesundheit bietet Wissenswertes über das Organ Prostata, seine verschiedenen Erkrankungen sowie die wichtigsten Untersuchungen bei Verdacht auf Prostatakrebs. Weiters werden alle Optionen für Therapie und Rehabilitation übersichtlich und auch für medizinische Laien gut verständlich dargestellt. Namhafte Experten nehmen zu zentralen Fragen rund um die Prostata Stellung. Der Serviceteil liefert u.a. hilfreiche Adressen, z.B. von Selbsthilfe Prostatakrebs, ÖGU und ÖGMuG.

Gesetzliche Regelungen der Vorsorgeuntersuchung

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung findet ab dem vollendeten 50. Lebensjahr auf Wunsch des Probanden eine Beratung/Aufklärung über die Vor- und Nachteile der PSA-Bestimmung statt. Diese Informationen sollen eine Entscheidungshilfe für den Patienten sein, ob er den Test durchführen lassen möchte oder nicht. Per se ist der PSA-Test keine Leistung aus dem Programm der Vorsorgeuntersuchung und wird auch nicht automatisch durchgeführt.Besteht ein Krankheitsverdacht, übernehmen die Kassen die Kosten des PSA-Test. Im Zuge der Leistungsharmonisierung haben sich die Kassen darauf geeinigt, den kurativen PSA-Test bei folgenden Indikationen zu bezahlen: - Ab dem 40. Lebensjahr bei Männern mit hohem Risiko für ein Prostatakarzinom (erstgradige Verwandte mit Prostatakarzinom, familiäre Häufung) - Ab dem 40. Lebensjahr bei Männern bei bekannter oder Verdacht auf BRCA1/2-Mutation - Bei Nachweis eines Hypogonadismus vor einer Testosteronsubstitution - Unter Testosteronsubstitution (im ersten Jahr halbjährlich und anschließend jährlich) - Verlaufskontrolle bei Prostatakarzinom - Abnormale digital-rektale Untersuchung bzw. konkreter Krebsverdacht (z. B. tastbarer Knoten)

Referenzen: (1) Schröder FH et al., Lancet 2014;384(9959):2027-2035. (2) NA R et al., Eur Urol 2017;71(5):740-747. (3) Castro E et al., JCO 2013;31(14):1748-1757. (4) Akbari MR et al., Br J Cancer 2014;111(6):1238-1240. (5) Castro E et al., Eur Urol 2015;68:186-193. (6) Taylor RA et al., Nat Commun 2017;8:no. 1311.

Weitere Informationen: https://www.meineprostata.at

Pressemappe der Pressekonferenz am 14. Jänner 2019: http://hennrich-pr.at/upload/editor/Pressemappe_Prostata_14_01_2019.pdf

Audiobeiträge vom Pressefrühstück: (kostenlose Registrierung für JournalistInnen): https://www.o-ton.at/content/6447?view=content

Bilder vom Pressefrühstück, 14. Jänner 2019 in Wien (© Franz Johann Morgenbesser): https://www.flickr.com/photos/vipevents/albums/72157705786731134

(Ende)

Aussender: Hennrich.PR Ansprechpartner: Daniela Hennrich Tel.: + 43 1 879 99 07 E-Mail: office@hennrich-pr.at Website: www.meineprostata.at

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