Learning Analytics, Digitalisierung

Noch nicht ganz einig sind sich Bildungsforscher / innen, Medienpädagog / innen und Informatiker / innen darüber, ob und inwieweit digitale Medien im Unterricht den Lernerfolg der Kinder steigern.

14.02.2018 - 08:01:52

Machen Apps und Tablets das Rechnenlernen leichter?. Das Projekt "Learning Analytics" der Pädagogischen Hochschule soll einen weiteren Forschungsbeitrag zu dieser Frage liefern.

Baden (pts007/14.02.2018/08:00) - Noch nicht ganz einig sind sich Bildungsforscher/innen, Medienpädagog/innen und Informatiker/innen darüber, ob und inwieweit digitale Medien im Unterricht den Lernerfolg der Kinder steigern. Das Projekt "Learning Analytics" der Pädagogischen Hochschule soll einen weiteren Forschungsbeitrag zu dieser Frage liefern.

Bei "Learning Analytics" arbeiten Schülerinnen und Schüler mit Tablets oder am Computer und erhalten dort bestimmte Übungsaufgaben aus dem Bereich Mathematik. Im aktuellen Projekt sind dies konkrete Aufgaben zum Thema Addition und Subtraktion mit Überschreiten. Im Hintergrund protokolliert das System mit, welche Aufgaben gut gelöst werden konnten und welche nicht, wie viele Rechnungen gerechnet wurden und vieles mehr. Diese Daten werden für jede Schülerin und jeden Schüler ausgewertet, erklärt Forschungsleiter Peter Groißböck, Lehrender der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich im Department für Medienpädagogik.

"Die Klassenlehrerin bzw. der Klassenlehrer erhält diese Auswertung und kann dann spezifische Interventionen setzen, wie etwa individuelle Beispiele zur Übung geben oder Teile des Stoffs mit diesem Kind wiederholen", erklärt Groißböck, der das Projekt mit Apps der Technischen Universität Graz durchführt.

Bessere Hilfestellungen durch App-Auswertungen möglich?

"Wir wollen herausfinden, ob Learning Analytics den Lernerfolg begünstigt. Also konkret, ob Lehrerinnen und Lehrer mit den Daten, die sie über die Plattform geliefert bekommen, einen Vorteil für ihre differenzierte Unterrichtsgestaltung haben." Der Forscher liefert auch gleich zwei konkrete Beispiele dafür, was durch die neue Technologie unterstützt werden könnte: "Wenn die Frau Lehrer weiß, dass der Franzi immer den gleichen Fehler macht, kann sie ihm ganz gezielt für dieses Problem Hilfestellungen geben. Oder sie sieht: Eine Schülerin hat ihr Lernziel schon erreicht, aber sie interessiert sich brennend dafür, wie ein Vulkan funktioniert. Dann kann sie ihr noch mehr Material zum Thema Vulkane anbieten."

Zehn Volksschulklassen machen mit

Groißböck arbeitet mit insgesamt zehn Volksschulklassen der dritten Schulstufe in Baden, Krems, Melk, Pöggstall und Wien. Die Kinder arbeiten dabei in mehreren Varianten entweder verpflichtend digital am Tablet/PC oder freiwillig als Hausübung an den digitalen Übungen. Dazu gibt es Vergleichsklassen, die denselben Stoff ganz ohne digitale Unterstützung erarbeiten.

Jeweils einen Monat arbeiten die Kinder in einem bestimmten Setting. Dann werden die Tablets weitergegeben. Denn: die Ausstattung mit Endgeräten ist immer noch ein Problem an vielen Schulen, wie Groißböck bestätigt.

Sinnvolle Ergänzung zu analogen Lehrmitteln

Tamara Solnitzky von der Praxisvolksschule versucht in ihrer Klasse immer wieder, digitale Hilfsmittel einzusetzen. Die Chance, dass ihre Kinder im Projekt einen Monat lang mit den iPads arbeiten können, hat sie gerne genützt. Ihre wichtigste Erfahrung dabei: "Die Arbeit am Tablet ersetzt nicht die Erarbeitung und Übung auf Papier, welche alleine für die Raum-Lage Beziehungen wichtig ist, aber es ist eine sinnvolle Ergänzung und bereitet den Kindern große Freude." Den "Mehrwert" des Einsatzes digitaler Medien sieht sie in der Abwechslung und Flexibilität im Unterricht. "Es kann sehr gut differenziert und individuell gearbeitet werden."

Dieser Meinung ist auch Projektleiter Groißböck, der es für irreführend hält, wenn man beim Einsatz digitaler Medien im Unterricht immer nur den konkreten Lernerfolg betrachtet. "Ein Ersetzen herkömmlicher Methoden durch digital unterstützte bedeutet nicht gleichzeitig einen verbesserten Lernerfolg der Kinder." In den Bereichen Motivation, Methodenvielfalt, Vorbereitung auf eine digitale Arbeitswelt, Verbindung der digitalen Lebenswelt der Kinder mit digitalem Unterricht, Hilfestellungen zur Differenzierung und Individualisierung ist hingegen ein Mehrwert zu erwarten, so umschreibt Groißböck seine Erwartungen in Hinblick auf eventuelle zukünftige Forschungsergebnisse.

Ein Detail ist ihm jedenfalls ganz wichtig zu betonen: "Im Unterricht soll nie zu hundert Prozent mit digitalen Medien gearbeitet werden. Weil wir unterschiedlichste Lerntypen in der Klasse haben, würde das den Kindern nicht gerecht werden."

Kinder arbeiten gerne mit digitalen Tools

Mehrwert hin oder her, die Kinder der 3a an der Praxisvolksschule in Baden lieben die Arbeit auf den Tablets. Elisabeth: "Es hat Spaß gemacht, auf den Tablets Rechnungen zu üben." Ihre Kollegin Lillian ergänzt: "Für mich war es einfach und ich habe auch daheim auf dem Computer geübt." Für Lukas war es "sehr cool", aber auch ein bisschen ungewohnt, auf dem Tablet zu arbeiten: "Am besten haben mir die Lernquizzes auf Kahoot gefallen."

Infos zum Projekt "Learning Analytics": https://www.ph-noe.ac.at/de/forschung/forschung/hochschule-digital/learning-analytics-an-grundschulen.html

Infos zu den verwendeten Apps: https://schule.learninglab.tugraz.at

(Ende)

Aussender: Pädagogische Hochschule Niederösterreich Ansprechpartner: Walter Fikisz Tel.: +43 650 4721023 E-Mail: walter.fikisz@ph-noe.ac.at Website: www.ph-noe.ac.at

Baden (pts007/14.02.2018/08:00)

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