Zuwanderung, Wirtschaftswachstum

Neue Forschungsergebnisse von Citi und der Oxford Martin School zeigen, dass führende Volkswirtschaften der OECD ohne den Beitrag von Migranten zum Wirtschaftswachstum um Hunderte Milliarden Euro schlechter abschneiden würden.

10.09.2018 - 18:48:28

Zuwanderung: Die Politik riskiert, das Wirtschaftswachstum auszubremsen

liefert aktuelle Belege für die Auswirkungen der Einwanderung auf das Wachstum und die Dynamik von Volkswirtschaften sowie auf deren Kosten und Nutzen in finanzpolitischer Hinsicht.

Die Autoren stellen fest, dass die Migration in jüngster Zeit einen erheblichen Einfluss auf das gesamtwirtschaftliche Wachstum in den OECD-Ländern hat:

– Hätte man die Zuwanderung nach Großbritannien im Jahr 1990 gestoppt, wäre das reale BIP im Jahr 2014 um rund 175 Mrd. Pfund Sterling geringer gewesen.

– In Deutschland wäre das reale BIP um 155 Mrd. Euro niedriger ausgefallen.

– In den USA hat die Migration einen wesentlichen Beitrag zum langfristigen Wachstum und auch zum Wachstum in jüngerer Zeit geleistet; die leistungsfähigsten Wirtschaftssektoren und Regionen in den USA sind stark von den wichtigen Beiträgen der Migranten abhängig

– Migranten tragen überproportional zu Innovation, Unternehmensgründungen und Wirtschaftswachstum bei.

Die Ergebnisse beleuchten die wachsende Diskrepanz zwischen der öffentlichen Wahrnehmung der Migration und den aktuellen Trends. Während in vielen Industrieländern die Zuwanderung bei Wahlkämpfen und in politischen Debatten zu einem stark umstrittenen Thema geworden ist, liefert die Finanzanalyse der Autoren keinerlei Hinweise auf einen Trend, dass Migranten „Sozialschmarotzer“ sind. Obwohl es große Unterschiede gibt, gilt verallgemeinert gesagt, dass Migranten:

– weniger Leistungen der öffentlichen Hand in Anspruch nehmen und erhalten als die einheimische Bevölkerung

– vorwiegend im erwerbsfähigen Alter sind und somit in den Volkswirtschaften den Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung im Vergleich zur abhängigen Bevölkerung verbessern

– ihre Schul- und Berufsausbildung in ihrem Herkunftsland erhalten haben und diese dort finanziert wurde

Der Bericht stellt fest, dass die Migration ein Faktor ist, der Innovationen, Produktivität und Wirtschaftswachstum steigert.

Er betont, dass Migranten zwar insgesamt sehr vorteilhaft für die Gesellschaften sind, dass aber Kosten anfallen und dass diese effektiver behandelt werden müssen. Durch die Konzentration von Migranten in bestimmten Gebieten entsteht Druck auf öffentliche Einrichtungen und die öffentliche Infrastruktur. Die Autoren empfehlen eine Umverteilung der Steuereinnahmen, um die Belastungen für die lokalen und regionalen Behörden abzubauen, eine aktivere Arbeitsmarktpolitik, wie z. B. allgemeine und berufliche Bildung für Arbeitslose, einen stärkeren Schwerpunkt auf Sprachkurse, Zertifizierungen und andere Maßnahmen, die sicherstellen, dass Migranten einen größeren Beitrag leisten und ihre Fähigkeiten besser nutzen können.

Andrew Pitt, Global Head of Research von Citi, äußerte sich dazu wie folgt: „Wir haben uns mit den Themen Migration und Wirtschaft beschäftigt, um zu einer detaillierten, ausgewogenen Perspektive über ein kritisches globales Thema zu gelangen. Die zunehmende Politisierung der Migration ausgehend von Werten statt von wirtschaftlichen Aspekten erschwert es, den wirtschaftlichen Nutzen der Migration aufzuzeigen. Wenn die wirtschaftliche Bedeutung des Themas nicht diskutiert wird, steigt das Risiko gefährlicher politischer Fehler in einer Zeit, in der insbesondere die Vorteile der Migration hoch qualifizierter Personen für diejenigen Volkswirtschaften, die davon bisher profitieren, immer unsicherer werden. Eine alternde Bevölkerung und eine hohe Staatsverschuldung bergen die Gefahr, dass finanzpolitische Fehlentscheidungen sehr kostspielig werden. Der intensive globale Wettbewerb um talentierte Arbeitskräfte birgt aber auch das Risiko, dass selbst kleine Fehler in der Migrationspolitik weitreichende Folgen haben.“

Professor Ian Goldin, Professor für Globalisierung und Entwicklung an der University of Oxford und Direktor des Oxford Martin Programme on Technological and Economic Change, ist der Hauptautor des Berichts. Er äußerte sich folgendermaßen: „Die Migration ist für das Wirtschaftswachstum von großem Nutzen. Per Saldo steigert die Migration das Gesamtvolumen von Einkommen und Beschäftigung in den OECD-Ländern. Migranten sind außergewöhnliche Menschen; in den USA und in Großbritannien ist bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, ein neues Unternehmen zu gründen oder eine patentfähige Innovation zu schaffen, zwei- bis dreimal so hoch wie bei der übrigen Bevölkerung. Migranten in den USA, in Großbritannien und in den meisten anderen Ländern tragen deutlich mehr zu den Steuereinnahmen bei, als sie an Leistungen erhalten. Die Darstellung einer „Flut“ von Migranten, die anderen die Arbeitsplätze wegnehmen, ist nicht zu beweisen. Ganz im Gegenteil schaffen Migranten eher neue Arbeitsplätze und steigern das Gesamteinkommen. Sie tragen zudem zu einer höheren Beteiligung von Frauen am Erwerbsleben bei.“

Laut Professor Ian Goldin zeigt der Bericht, dass „die öffentliche Wahrnehmung der Migration dazu neigt, das Ausmaß der Migration zu übertreiben. Die Menschen fühlen sich mit Migranten in ihrer lokalen Gemeinschaft oft wohler als dies angesichts der nationalen Herausforderungen zu vermuten wäre, welche die Migranten vermeintlich darstellen.“

Nach seiner Aussage macht der Bericht deutlich, dass es „nur einen sehr geringen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß bzw. den Auswirkungen der Migration und der Politik sowie der zunehmenden Stimmung gegen Migranten gibt, welche in der Regel nicht daraus resultiert, dass die Zahl der Migranten gestiegen ist. Die zunehmende Stimmung gegen Migranten ist in erster Linie vielmehr auf Verschiebungen in der Parteipolitik zurückzuführen und nicht durch die Meinung breiter Gesellschaftsschichten oder durch Veränderungen bei der Zuwanderung entstanden.“

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Ungekürzter Bericht hier: Migration and the Economy: Economic Realities, Social Impacts and Political Choices

Informationen über Professor Ian Goldin sind erhältlich unter www.iangoldin.org. Seine Twitter-Beiträge finden Sie unter @ian_goldin

Dieser Bericht ist Teil einer Reihe gemeinsamer Berichte von Citi und der Oxford Martin School, die Sie hier finden können: https://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/policy/publications/

Die Berichte sind Teil einer breiter gefassten Zusammenarbeit zwischen Citi und der Oxford Martin School, die auch gemeinsame Forschungsprogramme zu Technologie und Beschäftigung sowie zu Ungleichheit und Wohlstand umfasst.

Citi
Citi ist einer der international führenden Finanzdienstleister mit mehr als 200 Millionen Kundenkonten und Aktivitäten in über 160 Ländern. Citi bietet Privat- und Firmenkunden, Regierungen und Institutionen eine breite Palette von Finanzprodukten und Dienstleistungen. Dazu zählen unter anderem das Privatkunden- und Konsumentenkreditgeschäft, das Firmenkundengeschäft und Investment Banking, der Wertpapierhandel, das Transaction Services Geschäft und die Vermögensverwaltung.

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Die Oxford Martin School ist ein weltweit führendes Zentrum für zukunftsweisende Forschung, Debatten und Politik für eine nachhaltige, integrative Zukunft. Sie unterstützt fachübergreifende Teams, da die Herausforderungen dieses Jahrhunderts von keinem einzigen akademischen Bereich allein verstanden und in Angriff genommen werden können.

Die Oxford Martin School investiert in Forschungsprojekte, die aus herkömmlichen Quellen nicht finanziert werden, die aber maßgeblichen Einfluss auf das Wohlergehen heutiger und künftiger Generationen haben könnten. Sie ist bestrebt, durch neue Ansätze für große Herausforderungen, durch wissenschaftliche Entdeckungen, technische Innovationen und evidenzbasierte Politikempfehlungen Einfluss auszuüben.

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