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Börsen-Zeitung: Opec-Seifenblase platzt, Kommentar zum Ölpreis von

22.03.2017 - 20:34:24

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Dieter Kuckelkorn

Frankfurt - Noch vor rund einem Monat befand sich die als

wichtigster Referenzpreis dienende Notierung der Nordseesorte Brent

Crude nach Ansicht vieler Marktteilnehmer schon auf dem Weg in

Richtung 60 Dollar je Barrel. Nun kämpft der Preis wieder mit der

Marke von 50 Dollar. Ein derartiges Niveau ließ sich zuletzt im

November vergangenen Jahres beobachten, also vor den Beschlüssen der

Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) zur Reduzierung der

Förderung.

Die Marktteilnehmer sind damit offensichtlich zu der Überzeugung

gelangt, dass es der Opec nicht gelingen wird, für einen nachhaltig

höheren Ölpreis zu sorgen. Die Hoffnungen und Erwartungen der

Ölproduzenten selbst und auch der Marktakteure haben sich damit als

eine Seifenblase erwiesen, die nun geplatzt ist.

Das Kartell unter Führung Saudi-Arabiens hatte darauf gehofft,

dass eine Reduzierung der Produktion um 1,2 Mill. Barrel pro Tag

(bpd) durch die Opec-Länder bzw. unter Einbeziehung weiterer

Produzenten wie Russland um 1,8 Mill. bpd nicht nur für eine

marktpsychologisch bedingte kurzfristige Preisstabilisierung sorgt,

sondern bei ihrer vollen Implementierung letztlich für eine

Unterversorgung des Weltmarktes, die die sehr hohen Lagerbestände

drücken würde. Die Opec hat hoch gepokert, denn die Erreichung des

Ziels hätte vorausgesetzt, dass die amerikanische

Schieferölproduktion auf den Ölpreisanstieg kaum reagiert.

Dazu ist es aber nicht gekommen, die Stabilisierung des Ölpreises

hat in den USA vielmehr einen regelrechten neuen Schieferölboom

ausgelöst: Die dortige Produktion nimmt in einem Ausmaß zu, das es

zuletzt in den Wachstumsjahren 2013 und 2014 gegeben hat - bei einem

deutlich höheren Preisniveau. Dass dies jetzt bei einem Ölpreis von

deutlich unter 60 Dollar möglich ist, liegt daran, dass die

US-Produzenten ihre Kosten deutlich gesenkt haben und daher mit

Gewinn produzieren können.

Für die Opec und insbesondere Saudi-Arabien bedeutet dies die

bittere Erkenntnis, dass sie die Kontrolle über den globalen Ölmarkt

wohl endgültig verloren haben. Damit ist auch zu hinterfragen, ob

eine Verlängerung der Förderkürzungen über die Jahresmitte hinaus

überhaupt sinnvoll ist. Sie könnte nämlich dazu führen, dass

Marktanteile insbesondere an die US-Konkurrenz verloren gehen. Die

Saudis haben bereits in der Vergangenheit lernen müssen, dass es bis

zu einer Dekade dauern kann, bis aufgegebene Marktanteile

zurückgewonnen sind.

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