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Börsen-Zeitung: Fuß vom Gas, Kommentar zur Geldpolitik von Mark

31.01.2017 - 20:40:24

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Schrörs

Frankfurt - 1,8 Prozent, 0,5 Prozent, 9,6 Prozent: Das sind

Zahlen, die gestern für einige Aufregung in der Ökonomenzunft in

Euroland sorgten - und sicher auch bei Notenbankern. Auf 1,8 Prozent

ist die Inflation im Januar überraschend deutlich nach oben

geschnellt - nach dem bereits rasanten Satz von 0,6 Prozent auf 1,1

Prozent im Dezember. Um 0,5 Prozent ist die Wirtschaft Ende 2016

gewachsen - also noch einmal stärker als die 0,4 Prozent zuvor. Auf

9,6 Prozent von 9,7 Prozent schließlich ist die Arbeitslosenquote

gesunken - statt wie erwartet anzusteigen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) aber, zumindest jedoch die

breite Mehrheit im EZB-Rat, hält bislang unbeirrt an der

ultralockeren Geldpolitik fest, wie sie im Dezember zementiert worden

war - mit der Entscheidung, die Anleihenkäufe (Quantitative Easing,

QE) über März 2017 hinaus bis Dezember 2017 zu verlängern. Eine

Geldpolitik, die sogar noch expansiver ist als auf dem Höhepunkt der

Weltfinanzkrise, passt aber schlicht immer weniger in die Zeit.

Natürlich braucht aktuell niemand in ungebremste

Konjunktureuphorie zu verfallen. Das gilt erst recht angesichts der

Vielzahl an Risiken wie der Gefahr eines weltweiten Protektionismus

und politischen Unwägbarkeiten im "Superwahljahr". Es gibt aber eben

auch keinen Grund, das wirtschaftliche Licht unter den Scheffel zu

stellen. Die Euro-Wirtschaft wächst aktuell über ihrem Potenzial -

und für 2016 liegt das Plus mit 1,7 Prozent nun sogar etwas oberhalb

dem der gepriesenen USA (1,6 Prozent).

Genauso wenig besteht natürlich derzeit Anlass für

Inflationshysterie. Der Sprung bei der Teuerung resultiert aus der

Ölpreisentwicklung und der gedämpfte, zugrundeliegende Preisdruck

lässt nicht befürchten, dass die Teuerung stark überschießt; vielmehr

dürfte sie zur Jahresmitte leicht zurückgehen. Der mittlere Trend

aber geht definitiv in die richtige Richtung. Das gilt zumindest

unter der Annahme, dass die EZB nicht klammheimlich ihr

Inflationsziel von knapp 2 Prozent korrigiert hat - und sie nun nicht

doch mehr als die 2 Prozent anvisiert.

Was die Sache sicher nicht einfacher macht, sind die enormen

Divergenzen in Euroland - bei der Inflation wie beim Wachstum. Draghi

hat deutsche Forderungen nach einer Kehrtwende aber stets mit dem

Argument gekontert, die EZB mache Geldpolitik für den ganzen

Euroraum. Das muss dann aber auch gelten, wenn die Signale für den

Durchschnitt der Länder auf Wende springen. Im Übrigen: Es geht nicht

um eine geldpolitische Vollbremsung - sprich: von einem expansiven

auf einen restriktiven Kurs umzuschalten. Die EZB muss aber absehbar

mal den Fuß etwas vom bis zum Anschlag durchgetretenen Gaspedal

nehmen.

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