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Börsen-Zeitung: Ausgereizt, Kommentar zu Stada von Sabine Wadewitz

10.04.2017 - 20:40:24

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Frankfurt - Es ist ein Fall wie aus dem Lehrbuch.

Unbefriedigende Börsenbewertung ruft Aktivisten auf den Plan,

Köpferollen in Management und Aufsichtsrat, neue Wachstumsstrategie

und am Ende eine Übernahme durch Finanzinvestoren. Der Bad Vilbeler

Pharmakonzern Stada schreibt Geschichte. Nicht nur was erfolgreiche

Attacken von aktivistischen Investoren anbelangt, sondern nun auch im

Kapitel Mergers & Acquisition: Bain Capital und Cinven stemmen die

größte Übernahme durch Finanzinvestoren in Deutschland und wagen sich

erstmals an ein Unternehmen, das zu 100 Prozent in Streubesitz

gehalten wird.

Für den traditionsreichen Pharmaanbieter mit Produkten wie

Ladival, Mobilat und Grippostad enden 120 Jahre in Eigenständigkeit.

Das als Apothekerverein gegründete Unternehmen galt schon lange als

Übernahmekandidat, stand in den Konsolidierungswellen im Markt für

patentfreie Nachahmermedikamente aber stets am Rand. Mega-Deals

konnte man sich mangels Finanzkraft selbst nicht leisten. Ein

Expansionsschritt in die USA endete als Desaster. Für größere Zukäufe

suchte man sich den russischen Markt aus, wo Stada aufgrund von

Rubelverfall, Sanktionen und Konjunkturkrise blutete - wenngleich das

Geschäft dort profitabel ist und wächst. Gleichwohl hat das

Unternehmen nach wie vor einen guten Namen, bekannte Medikamente und

setzt mit der Fokussierung auf Markenprodukte und Erwerben in

Großbritannien in den vergangenen Jahren auf die richtige Karte.

Damit können die neuen Eigner die weitere Expansion auf stabiler

Basis starten.

In dem ungewöhnlich transparenten Übernahmeprozess ist bis zum

frühen Montagmorgen zwischen beiden Bietergruppen hart gerungen

worden. Beteiligte sprechen von einer langen Nacht, bis Bain und

Cinven 66 Euro je Aktie auf den Tisch legten und die Rivalen Advent

und Permira das Licht ausmachten. Beobachter waren anfangs davon

ausgegangen, dass für einen Finanzinvestor bei 60 Euro Schluss sein

müsste, noch eine Woche vor dem Showdown wurden maximal 63 Euro für

möglich gehalten. Nun ist man bis zum letzten gegangen - was auch den

Anlagedruck in der Private-Equity-Szene spiegelt.

Dass es ein ambitionierter Preis ist, wird von niemandem

bestritten. Die Bewertung dürfte immerhin für hohe

Transaktionssicherheit trotz hohem Free Float sorgen. Doch es wird

einen langen Atem brauchen. Für Cinven und Bain zeichnet sich ein

Investment ab, das deutlich über den üblichen Zeithorizont

hinausgehen dürfte.

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