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ZÜRICH - Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will mit der Milliardenübernahme des US-Arzneimittelherstellers Medicines das lukrative Geschäft mit Medikamenten gegen Herzkrankheiten stärken.

25.11.2019 - 11:05:38

Novartis setzt mit Medicines-Kauf auf Geschäft mit neuem Cholesterin-Senker. Medicines habe einer Offerte in Höhe von 85 US-Dollar je Aktie zugestimmt, wie Novartis am Sonntagabend mitteilte. Die Transkation habe damit - Wandelanleihen und ausstehende Zusatzvergütungen mit Aktien etwa für Mitarbeiter eingeschlossen - ein Volumen von 9,7 Milliarden Dollar (8,8 Mrd Euro). Zuvor hatte das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet, dass sich beide Unternehmen einig seien.

Der Preis von 85 Dollar je Aktie liegt fast ein Viertel über dem Schlusskurs der Medicines-Papiere vom Freitag. Allerdings hatten Spekulationen über eine Offerte den Kurs bereits in der vergangenen Woche nach oben getrieben. Laut Novartis entspricht der Preis einem Aufschlag von rund 41 Prozent zum volumengewichteten Durchschnittskurs der 30 Tage bis zum 22. November.

Novartis, das es an der Börse auf einen Wert von mehr als 200 Milliarden Dollar bringt, hofft mit der Akquisition das Geschäft im lukrativen Markt für Medikamente gegen Herzkrankheiten auszubauen. Die Schweizer heben dabei den Cholesterinsenker Inclisiran von Medicines hervor, der Patienten helfen soll, bei denen sogenannte Statine eher schlecht wirken. Daten aus drei klinischen Phase-III-Studien zu Inclisiran hätten eine dauerhafte Senkung des LDL-Cholesterins gezeigt bei einem gleichzeitig guten Sicherheitsprofil, heißt es von Novartis.

Medicines wird den Angaben zufolge noch im Schlussquartal 2019 einen Zulassungsantrag für Inclisiran in den USA einreichen, sowie in Europa im ersten Jahresviertel 2020. Daher rechnen die Schweizer mit einem Umsatzbeitrag des Mittels bereits ab 2021. Das Mittel dürfte das wachsende Geschäft von Novartis mit seinem Herzinsuffizienz-Medikament Entresto sehr gut ergänzen, erklärte Konzernchef Vasant Narasimhan am Montag in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Der Manager sieht für Inclisiran - nach einem womöglich etwas zurückhaltenden Start - das Potenzial, zu einem "Mega-Blockbuster" zu werden.

Ähnlich sieht es Analyst Peter Welford vom Investmenthaus Jefferies. Da viele Ärzte erst einmal längerfristige Daten zu solch einem neuen Medikament sehen wollten, könnte der Verkaufsstart eher schleppend verlaufen. Dennoch sei die Übernahme strategisch sinnvoll für Novartis.

Die Transaktion steht mit im Einklang mit der Strategie des Novartis-Chefs, das Arzneimittelportfolio zu stärken, auch um wegfallende Umsätze mit Medikamenten auszugleichen, für die der Patentschutz ausläuft. So übernahm der Konzern 2017 der französischen Krebsdiagnostik-Spezialisten Advanced Accelerator Applications. 2018 folgten dann etwa die Käufe des Gentherapie-Spezialisten Avexis sowie des französischen Anbieters von Zell- und Genproduktion Cellforcure. Im laufenden Jahr 2019 kam unter anderem das Augenmittel Xiidra vom japanischen Pharmakonzern Takeda hinzu.

@ dpa.de