Versorger, Deutschland

WUPPERTAL - Im Prozess um das Säure-Attentat auf Spitzenmanager Bernhard Günther soll der Geschädigte am Montag (9.15 Uhr) erstmals selbst als Zeuge aussagen.

08.08.2022 - 06:39:01

Energiemanager Günther sagt vor Gericht zu Säure-Angriff aus. Der 55-Jährige war im März 2018 in der Nähe seines Hauses in Haan bei Wuppertal angegriffen und schwer verätzt worden. Die Täter hatten ihn mit hochkonzentrierter Schwefelsäure übergossen.

Angeklagt vor dem Wuppertaler Landgericht ist ein 42-jähriger Belgier, dessen DNA am Tatort gefunden wurde. Der Mann bestreitet in dem Prozess allerdings vehement, etwas mit der Tat zu tun zu haben. Er behauptete, Handschuhe mit seiner DNA seien ihm gestohlen und dann am Tatort als falsche Fährte platziert worden.

Günther tritt als Nebenkläger auf und war dem Angeklagten beim Prozessauftakt im Juni bereits im Gerichtssaal begegnet. Das Attentat habe bei ihm äußerlich und innerlich viele Spuren hinterlassen, sagte er am Rande des Prozesses vor Journalisten. Seine Augenlider seien vernarbt. "Das spüre ich jeden Morgen beim Aufwachen, dass die Welt nicht mehr so ist wie sie vor dem Anschlag war."

Der Säureangriff auf Günther hatte für internationales Aufsehen gesorgt. Der Manager hatte damals bereits vermutet, dass der Auftraggeber aus seinem beruflichen Umfeld stammen könnte. Zum Zeitpunkt der Tat war er Finanzvorstand der RWE-Tochter Innogy, heute sitzt er in gleicher Funktion im Vorstand des finnischen Energieversorgers Fortum. Sein damaliger Arbeitgeber Innogy hatte 100 000 Euro Belohnung für Hinweise zur Aufklärung des Falls ausgesetzt.

Die offiziellen Ermittlungen zu dem Fall waren zunächst ohne Ergebnis verlaufen und eingestellt worden. Günther beauftragte daraufhin Privatermittler. So kam schließlich die Spur zu dem 42-jährigen Belgier zustande.

Dem Angeklagten drohen im Fall einer Verurteilung zwischen 3 und 15 Jahren Haft wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung. Beim Prozessauftakt hatte der Vorsitzende Richter ihm ein Geständnis nahegelegt. Die Aktenlage spreche "mit hoher Wahrscheinlichkeit für einen Schuldspruch". Das Gericht hat für den Fall bis Ende August acht Verhandlungstage angesetzt.

@ dpa.de

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